Umzug in Berlin

Demonstration zieht durch Grunewald – Anwohner ungehalten

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Demonstranten sind am Sonntag in Berlin-Grunewald unterwegs.

Demonstranten sind am Sonntag in Berlin-Grunewald unterwegs.

Foto: Philipp Siebert

Eine Demonstration zog am Sonntag durch das Berliner Villenviertel. Nicht jeder Anwohner hatte Verständnis für die Aktion.

Berlin. Zunächst war der Zustrom zur Demonstration durch das Villenviertel im Berliner Ortsteil Grunewald am späten Sonntagnachmittag überschaubar. Gegen 17 Uhr hatten sich erst mehrere Dutzend Menschen auf dem Hagenplatz zusammengefunden. Während die Punkbands von einem zur Bühne umfunktionierte Laster Soundcheck machten, füllte sich der Ort jedoch schnell. Angezeigt war die Demonstration mit 300 Teilnehmenden, laut Polizei waren es in Spitze 220.

Als gegen 17.30 Uhr die Friedrichshainer Punkband "BlackBlockForrest" lautstark den Anfang machte, hatte sich mehrere Hundert Linke auf dem Hagenplatz versammelt. Unter dem Motto "Umverteilung – und zwar von oben nach unten!" ging es nach Einbruch der Dunkelheit zu einem Lampion-Aufzug durch das Villenviertel. Die Gruppe "Quartiersmanagement Grunewald", die zu der Demonstration aufrief, hatte dabei im Vorfeld auch Pool-Kontrollen angekündigt.

Grunewald-Demo: "Unser Ansatz ist total ernst"

Was auf den ersten Blick nach Satire klingt, habe einen ernsten Hintergrund. "Unser Ansatz ist total ernst, auch wenn es witzig klingt", sagte Felix Jorn aus dem Presseteam de Qartiersmanagements. So sei es vor dem Hintergrund der Energiekrise zwar verboten, private Pools mit Strom aus dem allgemeinen Stromnetz zu beheizen, Bußgelder gebe es bei Zuwiderhandeln aber nicht. Der Pool sei gleichzeitig ein Sinnbild dafür, dass das Vermögen bestimmt, wie stark jemand von der Krise betroffen ist.

Man wolle darauf aufmerksam machen, wie ein Teil der Bevölkerung schon unter Corona und jetzt unter Inflation und steigenden Energiepreisen leide, während es einem anderen nichts ausmache, ergänzt Frauke Geldher. "Die Ressourcenknappheit etwa beim Gas kann den Menschen hier im Grunewald egal sein."

Demonstration im Berliner Villenviertel: Einige Anwohner reagieren ungehalten

Manche würden vielleicht sogar davon profitieren – während der Pandemie sei das Vermögen der zehn reichsten Deutschen um 75 Prozent gewachsen, so Geldher weiter. "Von den 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr landen bestimmt ein paar Millionen hier als Dividenden etwa bei Rheinmetall-Aktionären." Hinter dem Slogan "Umverteilung von oben nach unten" würden Maßnahmen wie eine Erbschafts- oder Vermögenssteuer stecken.

Nicht jeder Anwohner hat Verständnis für die Aktion. Einige schütteln den Kopf, ein älteres Ehepaar regiert im Vorbeigehen ungehalten. "Ich finde es erschreckend, wie viel Steuergelder hier rausgeworfen werden", sagte ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, während die Punkmusik lautstark über Hagenplatz und Koenigsallee erschallte. Die Polizei war am Sonntag mit insgesamt 780 Kräften im Einsatz – allerdings nicht nur im Grunewald, sondern auch bei anderen Versammlungen und am Rande des Hertha-Spiels.

Demo-Sprecher: "Wir stellen uns den Anfeindungen"

Die Polizei sei über Stunden gebunden, damit "eine Minderheit den Menschen hier auf den Keks gehen kann". Es gebe drängendere Probleme, so der Grunewalder weiter. "Wir stellen uns den Anfeindungen, es geht ja schließlich auch um Kontakt", sagt Demo-Sprecher Felix Jorn.

"Wir fordern natürlich niemanden auf, zur Pool-Kontrolle in die Gärten zu gehen, weil das Hausfriedensbruch wäre", hieß es vor dem Start in einer Durchsage. Es gebe genügend Anwohner ohne Pool, die beheizte Schwimmbäder in ihrer Nachbarschaft gemeldet hätten.

Gegen 19.30 Uhr waren Musik- und Redebeiträge beendet, sodass sich der Zug mit größtenteils selbstgebauten Laternen in Bewegung setzte. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer trugen Bademäntel. Um 21.15 Uhr war der Aufzug beendet. Laut Polizei bis auf eine Sachbeschädigung an einem Auto ohne Zwischenfälle.

Initiative zieht auch regelmäßig zum 1. Mai in den Grunewald

Die Initiative "Quartiersmanagement Grunewald" war in den vergangenen Jahren vor allem durch Veranstaltungen im Umfeld der Demonstrationen zum 1. Mai Berlin aufgefallen. Bei einer Demonstration am 1. Mai 2018 im Grunewald hatten Teilnehmer 39 Autos von Anwohnern beschädigt, laut Polizei gab es 66 Sachbeschädigungen. In den Folgejahren gab es jedoch keine Zwischenfälle.