Justiz

Mord wegen Streits um Sorgerecht für Kinder? Anklage erhoben

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Amtsschilder der Staatsanwaltschaft und des Landgerichts Berlin am Gebäude des Kriminalgerichts in Moabit.

Amtsschilder der Staatsanwaltschaft und des Landgerichts Berlin am Gebäude des Kriminalgerichts in Moabit.

Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Ein Mann wird erschossen aufgefunden. Inzwischen sind sich die Ermittler sicher: Es ging um das Sorgerecht für die Kinder.

Berlin/Bonn. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen drei Personen wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge erhoben, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Hintergrund der Tat sollen demnach Familienstreitigkeiten gewesen sein. Der 39-Jährige habe sterben müssen, weil er um das Sorgerecht seiner beiden Kinder kämpfte.

Der Haupttäter ist laut Staatsanwaltschaft ein 32-Jähriger, der Mahmoud F. am 23. November in dessen Wohnung an der Müllerstraße zunächst in die Schulter und dann zweimal in den Kopf geschossen haben soll.

Mutter der Kinder starb plötzlich an Herzkrankheit

Das Opfer hatte zwei Söhne mit der Schwester des 32-Jährigen – heute zwei und drei Jahre alt. Die Kindsmutter verstarb jedoch im Februar 2021 plötzlich an einer Herzerkrankung, „ohne dass es hierbei Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden gegeben hätte“, heißt es.

Im Nachgang habe sich ein Streit zwischen Mahmoud F. und der Familie seiner verstorbenen Partnerin entwickelt. Denn die habe die Schuld für den Tod der Frau bei ihm gesucht und die beiden Kinder nach Bonn geholt. Vor dem dortigen Familiengericht reichte Mahmoud F. im Februar 2021 Klage auf Feststellung der Vaterschaft und Umgang mit den Kindern ein. Ein DNA-Test belegte in der Folge, dass der 39-Jährige tatsächlich der Vater der beiden Jungs ist.

Der mutmaßliche Täter soll mit einem Mittäter am frühen Morgen des 23. November in die Wohnung des Opfers eingedrungen sein, um dort Geld und Unterlagen zu entwenden. Letztere hätten laut Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit dem Sorgerechtsstreit gestanden, das Geld soll der verstorbenen Kindsmutter gehört haben.

Alle drei Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft

Neben dem 32-Jährigen sind ein 39-Jähriger wegen Mittäterschaft sowie die 24-Jährige Schwester wegen Beihilfe zum Raub mit Todesfolge angeklagt. Sie soll dabei geholfen haben, die Waffe zu besorgen und am Morgen der Tat den Fluchtwagen gefahren haben. Die Staatsanwaltschaft sieht die Mordmerkmale der Heimtücke und Habgier, niedrige Beweggründe und die Ermöglichung einer Straftat als verwirklicht an.

Die Frau wurde am 14. Januar festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Dort befanden sich ihre beiden Männer bereits vorher, da sie einen Raubüberfall begangen haben sollen. Die beiden Kinder befinden sich in der Obhut des Jugendamts in Bonn.

Wann entschieden wird, wer nun die Vormundschaft bekommt, ist nach Angaben eines Sprechers des dortigen Landgerichts offen. Unklar ist auch, wann der Prozess gegen die drei Angeklagten in Berlin startet. Das Landgericht muss die Anklage zunächst zulassen.