Autobahn A100

Weiteres Protestkonzert an der A103 - Brücke gesperrt

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Aktivisten der Gruppe "Lebenslaute" musizierten am Donnerstagnachmittag bei sengender Hitze auf der Friedenauer Brücke.

Aktivisten der Gruppe "Lebenslaute" musizierten am Donnerstagnachmittag bei sengender Hitze auf der Friedenauer Brücke.

Foto: Susanne Kollmann

Als Protest gegen den Weiterbau der A100 haben Musiker eine Baustelle blockiert. Am Nachmittag wollten sie auf der Friedenauer Brücke musizieren.

Berlin. Gegen den Weiterbau der A100 haben Mitglieder der Initiative "Lebenslaute" mit einem kurzen klassischen Konzert protestiert. Um die 100 Musikerinnen und Musiker kamen am Donnerstag trotz Hitze auf die Friedenauer Brücke an der Ausfahrt Saarstraße der A103. Denn ein Konzert auf der A103, wie zuerst genehmigt, ist von der Polizei kurzfristig unterbunden worden. Die Autobahn wurde nicht gesperrt, der Verkehr floss ungestört. Die Friedenauer Brücke wurde am Nachmittag dagegen für den Verkehr dicht gemacht.

Trotz polizeilichen Verbots, auf der Stadtautobahn A100 zu musizieren, hatte die Initiative "Lebenslaute" am Donnerstagmorgen bereits eine Protestkundgebung abgehalten. Mehrere Dutzend Musikerinnen und Musiker besetzten eine Autobahnbaustelle nahe des Treptower Parks. Die beteiligten Musiker musizierten, Bauarbeiter hörten zu, die Atmosphäre sei entspannt und friedlich gewesen, sagte ein Sprecher der Initiative. Die Bauarbeiten waren während der Aktion unterbrochen. Nach etwa dreieinhalb Stunden zogen die Demonstranten nach Gesprächen mit der Polizei ab. Die Polizei sprach im Hinblick auf die Besetzung von einer „spontanen Aktion“. Die Verantwortlichen der Baustelle erstatteten laut Polizei Anzeige wegen Landfriedensbruchs.

Konzert auf A100: Positive Reaktionen von Unterstützern

Die Auftritte unter dem Motto „Musizieren statt Betonieren“ sind Teil einer Aktionswoche, die am Freitag enden soll. "Wir sind nun seit knapp einer Stunde auf der Baustelle der #A100 und haben den Betrieb mit einer Aktion zivilen Ungehorsams unterbrochen", twitterte "Lebenslaute" am Morgen.

Die Bürger*inneninitiative A100 reagierte begeistert auf die Aktion. "Ihr seid der Hammer, @lebenslaute!", twitterte sie. "Einen besseren Morgen kann sich Berlin nicht wünschen: Baustopp der #A100 durch Musik!" Auch die Initiative "Extinction Rebellion" spendete auf Twitter Applaus: "Die Baustelle der #A100 in Berlin erfüllen heute @lebenslaute mit Leben & Musik! So schön, so mutig, so kraftvoll!"

Derzeit befindet sich der 16. Abschnitt von Neukölln bis zum Treptower Park im Bau. Auf Landesebene war man sich zumindest in der vergangenen Legislatur einig, die A100 darüber hinaus nicht weiter zu verlängern. Grüne und Linke auf Landesebene sprachen sich damals umgehend gegen Wissings Vorstoß aus. Im Juni beschloss auch die SPD auf einem Parteitag, die Pläne abzulehnen.

A100: Initiative verärgert über Verbot der Veranstaltung

Mit der Baustellen-Blockade auf der A100 am Donnerstagmorgen protestierte die Initiative "Lebenslaute" auch gegen ein Verbot der Polizei Berlin. Ursprünglich war geplant gewesen, dass rund 100 Musikerinnen und Musiker am Donnerstag um 16.30 Uhr an der Auffahrt Tempelhof auftreten. Dies wurde allerdings von der Polizei untersagt. Nach Kooperationsgesprächen hatte man sich geeinigt, auf die A103 zur Auffahrt Saarstraße unweit des S-Bahnhofs Friedenau umzuziehen.

Es sei ärgerlich, „dass der Protest auf der A100 verboten wird, obwohl sich das Konzert gegen den Weiterbau der A100 richtet“, hatte die Sprecherin der Initiative kritisiert. „Wir behalten uns alle Schritte gegen das Verbot des Konzerts auf der A100 vor“, hieß es weiter. „Wir werden das eben selber in die Hand nehmen müssen."

Das Verbot passe „genau zur Politik des FDP-Bundesverkehrsministeriums und der Ampelkoalition“, so eine Sprecherin des Bündnisses. Das Haus von Verkehrsminister Volker Wissing kündigte im Frühjahr an, den bislang auf Eis gelegten 17. Bauabschnitt der A100 vom Treptower Park über Friedrichshain in Richtung Lichtenberg möglichst schnell umsetzen.

Musik von Haydn, Schubert und Rio Reiser soll gespielt werden

Zu dem Protestkonzert am Donnerstagnachmittag an der A103 wurde ein klassisches Orchester mit Chor angekündigt. Auf dem Programm stehen Kompositionen unter anderem von Joseph Haydn, Franz Schubert, Dmitri Schostakowitsch und Rio Reiser.

Seit mehreren Monaten blockieren immer wieder Aktivisten Berlins wichtige Verkehrsadern, auf denen sie sich zum Teil festkleben. Sie verbinden ihre Aktionen, die vor allem im morgendlichen Berufsverkehr stattfinden, mit klimapolitischen Forderungen. Die Gruppe namens „Letzte Generation“, die hinter diesen Aktionen steckt, hat allerdings nichts mit dem am Donnerstag geplanten Konzert zu tun.