Berlin. Dienstwaffe, Ramme, Funkgerät und schusssichere Weste: Das brauchen Berlins Polizistinnen und Polizisten im täglichen Dienst.
Sie ermitteln bei Mord und Totschlag. Sie versuchen, Diebe, Drogendealer und Betrüger aus dem Verkehr zu ziehen oder fahren einfach nachts durch die Straßen der Hauptstadt, um nach dem Rechten zu sehen: Fast 27.000 Menschen arbeiten bei der Berliner Polizei und sind dort mit den unterschiedlichsten Aufgaben betraut.
Während sich rund 9000 davon um die Verwaltung der immerhin größten Polizeibehörde Deutschlands kümmern, Nachwuchs ausbilden oder besondere Gebäude wie Botschaften oder jüdische Einrichtungen schützen, sind mit 18.368 die meisten Kräfte im Vollzug tätig. Dazu gehören unter anderem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landeskriminalamts. Also jene für spezielle Bereiche zuständigen Abteilungen wie das Drogendezernat, der für politisch motivierte Kriminalität zuständige Staatsschutz, die Spezialeinsatzkommandos (SEK) oder die Mordkommissionen.
Die alltägliche Polizeiarbeit haben allerdings die uniformierten Kräfte der Abschnitte zu stemmen. Sie kommen in der Regel dann, wenn man die 110 wählt, nehmen Anzeigen auf oder fahren mit dem Streifenwagen umher. Insgesamt rund 7588 Beamte und Beamtinnen arbeiten in den 37 Abschnitten, die für ein bestimmtes Gebiet zuständig sind, dessen Größe sich nach Einwohnerzahl bemisst.
Die alltägliche Polizeiarbeit findet auf den Abschnitten statt
So ist etwa der Abschnitt 36 für den gesamten, relativ dünn besiedelten Altbezirk Köpenick mit seinen 127 Quadratkilometern zuständig, der Abschnitt 53 lediglich für die knapp sechs Quadratkilometer des Kreuzberger Nordens. Doch nicht jeder Polizist oder jede Polizistin in Uniform ist auf einem Abschnitt tätig.
Neben kleineren Einheiten wie der Verkehrspolizei, der Fahrradstaffel oder der Wasserschutzpolizei arbeiten weitere 1918 Kräfte bei der Bereitschaftspolizei. Die besteht im Wesentlichen aus den 16 Einsatzhundertschaften (EHu), deren Kräfte vor allem bei Demonstrationen wie am 1. Mai, Fußballspielen oder Durchsuchungen eingesetzt werden oder die andere Abteilungen wie die Verkehrspolizei oder die Abschnitte bei Einsätzen unterstützen.
Sowohl die Abschnittsbeamten als auch die Kräfte der Hundertschaften sind mit schwerem Gepäck in Berlin unterwegs. Die Berliner Morgenpost erklärt, was dazu gehört.
14 Kugeln im Magazin, eine im Lauf: die Dienstwaffe
Auf der Straße kann immer etwas passieren. Deshalb sind Berlins Polizisten und Polizistinnen dazu verpflichtet, im Außeneinsatz ihre Dienstwaffe bei sich zu tragen. Dabei handelt es sich um eine Heckler & Koch SFP 9, von der insgesamt 24.000 Stück zum Preis von je 350 bis 400 Euro angeschafft wurden. Seit 2019 ersetzte die SFP 9 sukzessive die bis dahin gebräuchliche Sig Sauer P6. Jeder Beamte führt dabei insgesamt 30 Schuss Munition mit sich – 14 Kugeln im Magazin in der Waffe und eine im Lauf sowie ein zweites Magazin mit weiteren 15 Schuss.
Alle Kugeln müssen dabei drei Mal jährlich beim Schießtraining verschossen werden, bevor neue Magazine ausgegeben werden. Die Dienstwaffe wird dabei meist am Gürtel getragen, manchmal aber auch im Oberschenkelholster. Das könne jeder für sich selbst wählen, je nachdem wie er oder sie in einer Stresssituation am besten herankommt, sagt Frank Grünke, Stabsbereichsleiter Führungs- und Einsatzmittel bei der Berliner Polizei. „Wenn die Waffe im Spiel ist, dann ist Stress.“ Die Polizistinnen und Polizisten nehmen ihre Waffen dabei nach Feierabend in der Regel nicht mit nach Hause. Sie verbleiben auf der Dienststelle, wo sie in Tresore eingeschlossen werden.
4,5 Kilogramm Sicherheit: Die schusssichere Weste
Seit dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz hat die Berliner Polizei für alle ihre Kräfte schusssichere Westen des Herstellers Omnicomput angeschafft. Je nach Größe wiegt sie um die 4,5 Kilogramm. Eine Pflicht zum Tragen besteht nicht, es wird aber empfohlen. „Man weiß im Funkwagenbetrieb nie, was einen erwartet“, sagt Polizeikommissar Manfred Harloff. Der 27-Jährige versieht seinen Dienst auf dem Abschnitt 27 in Moabit.
Die Ausrüstung der Abschnittspolizisten
An der Weste können Dienstnummer oder der Name angebracht werden. Außerdem gibt es mehrere Taschen, wovon eine für das Funkgerät vorgesehen ist.
Zur Ausrüstung der Beamtinnen und Beamten auf den Abschnitten gehören neben Dienstwaffe, Weste auch das Funkgerät, das an der Weste getragen wird. Am Gürtel mit dabei sind außerdem immer das Ersatzmagazin, Handschellen, ein Schlagstock, ein paar Handschuhe sowie ein kleines Pfefferspray – im Polizeideutsch „Reizstoffsprühgerät“ (RSG) genannt.
Für den Ernstfall: Die Heckler & Koch MP 5
Ist davon auszugehen oder kann nicht ausgeschlossen werden, dass Kriminelle bewaffnet sind, reicht die normale Dienstwaffe unter Umständen nicht aus. Deshalb befinden sich, in extra Koffern verpackt, in jedem Streifen- und Gruppenwagen auch mehrere Maschinenpistolen des Typs Heckler & Koch MP 5 A 3 nebst vier Magazinen.
Dabei handelt es sich um ein relativ altes Modell – seit dem Jahr 1987 hat die Berliner Polizei insgesamt 3378 davon angeschafft. Im Magazin der MP 5 A 3 befinden sich 30 Patronen.
Kleinbus statt Kombi: Der neue Streifenwagen
Der Dienst im Streifenwagen gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Abschnittsbeamtinnen und -beamten. Entsprechend groß ist der Verschleiß der Fahrzeuge. Der Opel Zafira Kombi, der seit 2012 im Dienst stand, wird seit 2020 nach und nach ausgemustert und durch Mercedes-Kleinbusse des Modells Vito ersetzt. Bislang wurden 101 neue Wagen angeschafft, 61 weitere sollen noch in diesem Jahr folgen. „Ziel ist es, die gesamte bisherige Fahrzeugflotte der Polizei Berlin zu modernisieren“, heißt es von der Behörde.
Für den Einsatz als Streifenwagen verfügt der Vito über mehrere Sondereinbauten wie zwei Funkgeräte, Halterungen und Schnittstellen für Smartphones und Tablets, hinten ein ausklappbarer Tisch für Schreibarbeiten sowie ein Durchtrittschutz für den Fall der Festnahme einer aggressiven Person.
Der Streifenwagen
Was die Einsatzkräfte nicht immer brauchen oder schlicht nicht ständig bei sich tragen können, befindet sich in einem fest im Kofferraum verbauten Regal. Dort findet sich etwa für Verkehrskontrollen ein Anhaltestab, ein Koffer mit Utensilien zur Spurensicherung, Absperrband, Kreidespray, Maßbänder, eine Schaufel und eine Zange sowie Draht, Beutel zur Entsorgung von Tierkadavern, die Maschinenpistole, ein Alkoholtestgerät sowie Decken und Atemgeräte für verletzte Personen. Außerdem befindet sich in jedem Streifenwagen ein Stoffteddy, der Kindern Trost spenden soll.
Während um Bodycams, die Berlins Polizisten am Körper tragen können, noch gerungen wird, verfügt der Vito bereits über eine Videoaufzeichnungsanlage. Die kann bei Personen- oder Fahrzeugkontrollen zum Schutz der Einsatzkräfte oder Dritter erforderlich sein, heißt es von der Behörde. „Eine Videodokumentation wäre beispielsweise möglich, wenn der Verdacht besteht, dass zu überprüfende Personen Waffen oder gefährliche Gegenstände mitführen, bei vermuteter Alkoholisierung oder Drogenbeeinflussung sowie bei angenommener körperlicher oder zahlenmäßiger Überlegenheit des beziehungsweise der zu kontrollierenden Personen.“
Helm, Knie- und Schienbeinschoner: Die Ausrüstung der Bereitschaftspolizei
Die Kräfte der Bereitschaftspolizei haben zunächst die gleiche Grundausrüstung, wie die Beamten und Beamtinnen der Abschnitte. Im Einsatz tragen sie bei Bedarf eine zusätzliche Schutzausrüstung, bestehend aus Knie- und Schienbeinschonern sowie flexiblen Arm- und Schulterschützern, die über der schusssicheren Weste angelegt und mit ihr durch Druckknöpfe verbunden werden.
Dadurch tragen die Kräfte der Hundertschaften bis zu 17,5 zusätzliche Kilogramm mit sich, von denen je nach Größe zwischen zwei und 2,4 Kilogramm auf den Helm entfallen. Die Schutzausrüstung am Körper wird dabei in der Regel unter einer flammhemmenden Hose und Jacke getragen, die daher entsprechend groß ausfallen müssen.
Macht ein Verdächtiger nicht freiwillig auf, klopft die Bereitschaftspolizei mitunter mit 16 Kilogramm Stahl an. Soviel wiegt die Ramme, die im Kofferraum eines jeden Gruppenwagens liegt und etwa bei Razzien eingesetzt wird, um Türen zu öffnen. Mitunter müssen die Beamten sie dazu in den vierten oder fünften Stock schleppen. „In der Regel trägt sie nicht derjenige hoch, der sie dann oben auch verwendet“, sagt Polizeiobermeister Steffen Rohde von der 1. EHu.
Die Ausrüstung der Bereitschaftspolizei
Im Schnitt ein Beamter pro Gruppe trägt in der Regel ein großes Reizstoffsprühgerät (RSG) mit 400 Millilitern mit sich. „Das funktioniert im Wesentlichen, wie eine Wasserpistole“, sagt Polizeiobermeisterin Claudia Hoffmann von der ersten EHu. Eingesetzt wird es immer dann, wenn es etwa auf Demonstrationen gilt, aggressive Menschenmengen zurückzudrängen. Für diesen Fall gibt es auch ein durchsichtiges Plastikschild, das aber selten eingesetzt wird, so Hoffmann weiter.
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Außerdem mit dabei ist in jedem Gruppenwagen eine Teleskopleiter – für den Fall, „dass es auf herkömmlichem Weg mal nicht reingeht“, so Rohde weiter. Dazu kommen Drogentests, Löschdenken sowie eine Rettungstasche mit acht Erste-Hilfe-Sets. Darin enthalten ist Verbandszeug, um Blutungen zu stoppen, eine Decke zum Kühlen oder Wärmen von Verletzten und ein Beatmungsgerät. Trostteddys oder dergleichen sucht man hingegen vergebens.
Wenig Komfort, aber viel Platz: Der Gruppenkraftwagen
Die Kräfte der Hundertschaften rücken in der Regel im Gruppenkraftwagen (GruKw) an. Die spartanisch eingerichteten, umgangssprachlich als „Wannen“ bezeichneten Transporter bieten vorne Platz für zwei und hinten für acht weitere Personen. Pro Gruppe gibt es einen Gruppenführer, der an zwei Punkten auf der Jacke zu erkennen ist, einen Funker, der hinten im Wagen einen festen Platz am Funkgerät hat, sowie den Fahrer. Letzterer bleibt in der Regel auch während des Einsatzes im geparkten Wagen hinter dem Steuer sitzen.
Nur 51 der insgesamt 179 GruKw wurden aus Mitteln des Landes angeschafft, die übrigen 128 hat der Bund bezahlt. Grund dafür ist, dass sich die Abteilungen der Bereitschaftspolizeien länderübergreifend unterstützen. So waren zuletzt Berliner Kräfte auch rund um den G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern im Einsatz. Für solche Einsätze müssen die GruKw gleich ausgestattet sein, weshalb der Bund auch in anderen Ländern in Teilen die Finanzierung übernimmt.