Gedenken

Gedenktafel für Opfer des stalinistischen Terrors

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Isabell Jürgens
Gedenkplakette „Die letzte Adresse“ für Fritz Storch. 

Gedenkplakette „Die letzte Adresse“ für Fritz Storch. 

Foto: Memorial Deutschland

Erstmals erinnert eine Gedenktafel der Stiftung „Die letzte Adresse“ nun auch in Berlin an Opfer der stalinistischen Gewaltherrschaft

Berlin. „Hier lebte Fritz Storch, Prokurist, geboren 1899. Verhaftet am 27.01.1951, zum Tode verurteilt am 25.04.1951, in Moskau erschossen am 04.07.1951. Rehabilitiert 1999.“ Eine schlichte Plakette aus verzinktem Edelstahl an der Mengerzeile 8 in Treptow erinnert seit Freitag an das Schicksal des Mannes, der vor 71 Jahren morgens gegen 6 Uhr dort in seiner Wohnung verhaftet worden war.

Anders als die quadratischen „Stolpersteine“ aus Messing, von denen in Berlin bereits mehr als 9700 an die Opfer des Nationalsozialismus erin­nern, sind die Gedenktafeln der Stiftung „Die letzte Adresse“ in Berlin noch so gut wie unbekannt. Seit 2015 erinnert die Stiftung in Kooperation mit Organisationen des Memorialnetzwerks in Russland und anderen Ländern des ehemaligen sowjetischen Einflussgebiets mit den kleinen Metalltafeln an die letzten Wohnorte von Opfern des stalinistischen Terrors. Der erste Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation Memorial International, zu dem auch Memorial Deutschland gehört, war der Atomphysiker, Dissident und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow.

Erinnert wird an Opfer, deren Unschuld bewiesen wurde

Erinnert wird an Personen, die auf Grundlage willkürlicher Anschuldigungen von sowjetischen Staatsorganen verhaftet und verurteilt wurden, die erschossen wurden oder in der Haft umkamen und deren Unschuld im Rahmen eines Rehabilitationsverfahrens bestätigt wurde. So wie bei Fritz Storch.

Verhaftet worden war Fritz Storch wegen angeblicher abfälliger Bemerkungen über das SED-Regime, des Besitzes westlicher Zeitungen sowie des Kontakts zu einem ehemaligen SS-Offizier und der Weitergabe von Informationen über das Eisenbahnwesen in Berlin und die SAG Wismut an den britischen Geheimdienst durch das Ministerium für Staatssicherheit. Storch war damals Direktor des Reichsbahnfernmeldewerks in Oberschöneweide.

Seit 2004 hatten Memorial und Facts & Files, ein historisches Forschungsinstitut in Berlin, zu Fritz Storch in deutschen und russischen Archiven recherchiert. Demnach blieb Storch bis Ende März 1951 in Berlin-Karlshorst inhaftiert. Seine Frau floh daraufhin mit den Kindern nach West-Berlin. Kurz nach seiner Verhaftung wurde er in die Sowjetunion verschleppt, wo der Vater zweier Töchter wenige Monate später erschossen wurde.

800 Tafeln in Russland, Tschechien, Moldau, Georgien, der Ukraine und Deutschland

Mehr als 800 Plaketten, auf denen die Namen und wichtigsten Lebensdaten der Betroffenen festgehalten sind, wurden nach Angaben der Stiftung in Russland, Tschechien, Moldau, Georgien, der Ukraine und in Deutschland angebracht. Auf Initiative des Bezirks Treptow-Köpenick und in Kooperation mit der Stiftung und mit Unterstützung der Deutsche Wohnen, zu deren Bestand die Mengerzeile 8 gehört, wurde mit der Tafel an der letzten Adresse Storchs nun erstmals auch in Berlin eine solche Gedenkentafel feierlich enthüllt.