Berliner Wälder

Pferde sind in Berlin als Forstarbeiter im Einsatz

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Julian Würzer
Julia Schneider (Grüne), Forstwirtin Janine Birkholz und Grünen-Politikerin Antje Kapek (v.l.) mit Rückepferd Feger.

Julia Schneider (Grüne), Forstwirtin Janine Birkholz und Grünen-Politikerin Antje Kapek (v.l.) mit Rückepferd Feger.

Foto: Sven Darmer

In Berlin helfen sechs Pferde bei Arbeiten in den Wäldern. Wo die Tiere eingesetzt werden und wo der Vorteil gegenüber einer Maschine liegt.

Berlin. Die Kette an dem Pferd spannt. Langsam kommt es in Gang und zieht einen etwa zwei Meter langen Baumstamm über den sandigen Boden des Auslaufgeländes. Forstwirtin Janine Birkholz lenkt Feger, so heißt das Pferd, über zwei Seile, die am Geschirr befestigt sind und führt ihn im Kreis über das Areal in Grünau. Sie sagt, normalerweise arbeiten die Pferde in den Wäldern Berlins. Sie ziehen geschlagene Holzstämme aus dem Forst, pflügen den Boden oder helfen bei der Bekämpfung invasiver Arten wie etwa der Traubenkirsche. Ihr Einsatz gilt als nachhaltig und schonend für den Boden, während bei großen Maschinen immer wieder Kraftstoffe und Öle zurückbleiben. Doch können die sogenannten Rückepferde – weil sie Holz rücken – auch den Einsatz der Maschinen ersetzen?

Die Berliner Forsten setzen sechs Rückepferde an drei Standorten ein, in Dreilinden, in Spandau und eben in Grünau. Für jene beiden Tiere in Grünau, Feger und Henry, zwei Kaltblüter, startet der Tag ähnlich wie für die Forstwirte und Forstwirtinnen um 6.30 Uhr. Die Mitarbeiter putzen die Tiere, verladen sie anschließend in einen Anhänger und bringen sie zum Einsatzort. Das gehe dann doch schneller, als mit den Tieren durch die Stadt zu reiten, erklärt Revierleiterin Ulrike Lucas. Anschließend gebe es für die Pferde Frühstück – ein Heunetz –, ehe sie arbeiten.

Eine Maschine schafft mehr aus dem Wald als die Pferde

Im Zweiergespann lenken die Mitarbeitenden des Forstamts die Tiere durch den Wald. Ihr Vorteil: Sie kommen in sensiblen Bereichen besser zurecht als die Maschine – etwa am Moor oder in Naturschutzgebieten, sind dabei eben umweltschonender. Ihr Nachteil: Pferde sind nicht so leistungsstark. Sie können weder Lang- noch Starkholz bergen und haben Probleme mit weiten Strecken. An einem Tag können die Tiere etwa 20 Kubikmeter Holz verrücken, eine Maschine – der Harvester, der einem großen Bagger gleicht – schafft dieselbe Arbeit in einer Stunde. Berlinweit liegt der Holzschlag bei rund 70.000 Kubikmeter im Jahr, das allein mit Pferden zu bewältigen, wäre ein Unding. Zudem machen sie alles in einem: fällen, zerteilen und abtransportieren.

Doch die großen Harvester hinterlassen eben auch viel Verwüstung, walzen den Boden platt und ziehen Furchen durch die Wälder. Dennoch könne man nicht auf die Maschinen verzichten, sagt der Köpenicker Forstamtsleiter Klaus Pogrzeba. „Die Pferde sind für uns eine gute Ergänzung.“ Eben in jenen Bereichen, in denen die Maschine nicht ohne Weiteres gelangen. Zudem hätten die Pferde auch immer einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt und können für Berufe in den Forstämtern werben. Dennoch sagt er auch, dass der Einsatz von Pferden personal- und kostenintensiv sei.

Zwar ist der Arbeitstag der Pferde nach fünf bis sechs Stunden vorbei und man bringt sie wieder zurück auf den Paddock an der Regattastraße in Grünau. Doch sie benötigen eben auch jeden Tag Pflege und einen Mitarbeiter, der sie füttert – auch an den Wochenenden.

40.000 Euro kosten die Pferde pro Jahr

Der waldpolitischen Sprecherin der Grünen, Julia Schmidt, zufolge hat das Land Berlin pro Jahr rund 40.000 Euro für die sechs Pferde und ihren Unterhalt vorgesehen. Sie müssen gefüttert werden, benötigen ärztliche Versorgung und manchmal einen Hufschmied. Vor einigen Monaten musste gar eines von zwei Pferden in Grünau eingeschläfert werden, da es sich nicht mehr von einer Kolik erholte. Das Forstamt Grünau durfte anschließend ein neues Pferd beschaffen, der fünfjährige Kaltblüter Henry. Kostenpunkt: 6000 Euro.

Revierleiterin Lucas sagt, dass das Pferd eigentlich als Kutschpferd ausgebildet war, da fertige Rückepferde nur noch selten sind. Deshalb musste es zunächst zwei Wochen lang im Grunewald umgeschult werden. Nun ist es zusammen mit dem alten Feger im Einsatz.

Die Pferde machen erstmal Sommerpause

Ende April stellten die Berliner Forsten bereits in der Revierförsterei Dreilinden im Südwesten Berlins zwei neue Tiere vor: die beiden Süddeutschen Kaltblüter Pauli und Bubi. Die fünf Jahre alten Tiere ziehen ebenfalls geschlagene Holzstämme aus dem Wald, zusammen schaffen sie bis zu 800 Kilogramm. Umweltstaatssekretärin Silke Kracher (Grüne) sagte damals: „Der Einsatz von Rückepferden spielt in der zertifiziert ökologischen Waldbewirtschaftung der Berliner Forsten eine wichtige Rolle. Die Tiere tragen zur naturgemäßen Pflege und Entwicklung des Berliner Erholungswaldes bei.“

Diesen Sommer werden die Tiere allerdings nicht mehr so häufig zu sehen sein. In zwei Wochen dürfen sie erst einmal Sommerurlaub machen. Dafür, so Lucas, werden die beiden Tiere auf einen Bauernhof gebracht, wo sie täglich auf einer Koppel genügend Auslauf bekommen. Erst im September wieder, wenn die Forstarbeiten in Berlin richtig Fahrt aufnehmen, kommen sie zurück und helfen dann wieder beim Holzrücken in den Wäldern rund um Grünau.