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Hohe Energiekosten bedrohen Berliner Wohnungsunternehmen

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Isabell Jürgens
Wohnen in Berlin

Wohnen in Berlin

Berlin ist eine typische Mieterstadt. Die wichtigsten Zahlen und Fakten gibt es in diesem Video.

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Die Versorger fordern höhere Vorauszahlungen. Jeder sechste Vermieter meldet nach Angaben des Verbands BBU wirtschaftliche Risiken.

Berlin/Potsdam.  Die stark steigenden Marktpreise für Gas und andere Energieträger werden nicht nur für viele Mieterinnen und Mieter in Berlin und Brandenburg zum Problem. Auch für die Vermieter haben die massiven Preiserhöhungen der Versorger „teils existenzbedrohende Auswirkungen“, warnte Maren Kern, Vorständin des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), am Donnerstag bei der Jahrespressekonferenz des größten Wohnungsverbandes in der Hauptstadtregion. Die von den Versorgern geforderten Vorauszahlungen seien extrem in die Höhe geschossen – um bis zu 260 Prozent.

Bei den Heizkostensteigerungen handelt sich bei den Vermietern zwar um Kostenpositionen, die sie verbrauchsabhängig an ihre Mieterinnen und Mieter weitergeben können, für die sie aber gegenüber den Energieversorgern zunächst in finanzielle Vorleistung gehen müssen. „Eine Abfrage im April hatte ergeben, dass jedes sechste der 340 BBU-Mitgliedsunternehmen dadurch eine Insolvenzbedrohung für sich sieht“, sagte Kern. Zudem hätten nur gut 24 Prozent der Mitglieder, die in Berlin 753.000 Wohnungen und in Brandenburg 314.000 Wohnungen im Bestand haben, Risiken für ihre wirtschaftliche Stabilität durch gestiegene Heizkosten ausschließen können. Inzwischen stelle sich die Situation durch seitdem stark weiter gestiegene Marktpreise für Gas und andere Energieträger noch weitaus dramatischer dar.

Vorständin: „Wir kennen auch Extremfälle“

„Wir kennen auch Extremfälle, ein Mitgliedsunternehmen, eine Genossenschaft mit rund 2000 Wohnungen“, nannte Kern ein Beispiel. Die Genossenschaft im Norden Brandenburgs wurde von ihrem Fernwärmeversorger dazu aufgefordert, die jährliche Vorauszahlung von bisher 800.000 Euro auf 2,9 Millionen Euro zu erhöhen. Das bedeutet eine 260-prozentige Preissteigerung, „für die die Banken den Unternehmen keinen Kredit geben“, betonte Kern. Die Unternehmen seien aber auf eine Zwischenfinanzierung angewiesen, weil die Abschlagszahlungen nicht so schnell an die Mieterinnen und Mieter weitergegeben werden könnten.

Um welche Genossenschaft es sich konkret handelt, wollte Kern nicht sagen, um aktuell laufende Verhandlungen nicht zu gefährden. Die Verbandschefin verwies darauf, dass die Mitgliedsunternehmen bereits viel zur Energieeinsparung unternommen hätten. So seien inzwischen 95 Prozent der Bestände teilweise oder vollständigmodernisiert. Die CO2-Emissionen je Wohnung und Jahr seien dadurch von 1990 zu 2018 um 4,21 Tonnen beziehungsweise 77 Prozent gesunken. So sei es auch gelungen, die Vorauszahlungen für Heizung und Warmwasser mit Schwankungen von meistens weniger als einem Prozent pro Jahr von 2015 bis 2021 insgesamt stabil zu halten. Der landesweite Durchschnitt lag 2021 hingegen bei 1,13 Euro pro Monat und Quadratmeter Wohnfläche.

Mieter sollen eine Rücklage bilden

Nun werde die Entwicklung jedoch in die andere Richtung gehen, Preise von zwei und in Einzelfällen sogar drei Euro pro Quadratmeter müssten kalkuliert werden. Die bisherigen Vorauszahlung von rund 814 Euro im Jahr für eine 60-Quadratmeter-Wohnung stiegen dadurch um 410 Euro oder rund 50 Prozent auf 1224 Euro. Durch die verringerten Liefermengen von russischem Gas könnten die Preise weiter steigen. Kern: „Das ist ein enormer Preissprung, den auch die steuerpflichtige Einmalzahlung des Bundes in Höhe von 300 Euro nicht auffängt.“

Den Mietern empfehle der BBU dringend, noch bewusster mit Energie umzugehen sowie eine Rücklage für Nachzahlungen zu bilden. Der Verband biete dazu Beratungen an, die im Herbst noch deutlich verstärkt werden sollen. „Bei Härtefällen muss aber der Staat helfen“, forderte Kern. Immerhin sei es den BBU-Mitgliedern gelungen, die Mieten deutlich unter dem Inflationsniveau und den Instandhaltungspreisen zu halten.