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Wohnungsmarkt: Neubau im Berliner Umland, Abriss am Rand

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Isabell Jürgens
Wohnen in Berlin

Wohnen in Berlin

Berlin ist eine typische Mieterstadt. Die wichtigsten Zahlen und Fakten gibt es in diesem Video.

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Der Speckgürtel wächst dank zuziehender Berliner. Doch 22.000 Wohnungen im weiteren Metropolenraum stehen leer.

Potsdam/Berlin.  Brandenburg bleibt, zumindest was den Wohnungsmarkt betrifft, ein Land der starken und sich sogar noch verstärkenden Kontraste. Die Gemeinden im Umland von Berlin boomen dank des Zuzugs von Menschen, die der Hauptstadt den Rücken kehren, Wohnungsunternehmen planen deutliche Investitionsanhebungen. Und im weiteren Metropolenraum, steht jede neunte Wohnung leer, zahlreiche Unternehmen planen deshalb den Abriss leerstehender Häuser, wie aus den Daten hervorgeht, die der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) am Donnerstag vorgelegt hat.

Bis 2026 wollen BBU-Mitgliedsunternehmen im Land Brandenburg demnach insgesamt 6386 Wohnungen fertiggestellt haben. Mit 5276 davon die meisten davon in Potsdam und weiteren Städten des Berliner Umlandes. Eine Besonderheit: Angesichts des Baulandmangels und der langen Genehmigungszeiten für Bauvorhaben in Berlin gehen 3156 und damit rund 60 Prozent dieser Fertigstellungen auf Unternehmen mit Sitz in der deutschen Hauptstadt. Zum Vergleich: In den Jahren 2016 bis 2021 hatte der Anteil noch bei durchschnittlich nur rund 20 Prozent gelegen.

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BBU-Unternehmen planen Ausweitung ihrer Investitionen

Für 2022 planen die BBU-Unternehmen, die aktuell rund 314.000 Wohnungen im Land Brandenburg und damit etwa 43 Prozent des brandenburgischen Mietwohnungsbestandes darstellen, eine Ausweitung ihrer Investitionen um mehr als ein Drittel auf dann rund 856 Millionen Euro (+ 35,7 Prozent). Besonders zulegen soll dann vor allem der Neubau (+ 70,8 Prozent). Er würde mit rund 280 Millionen Euro nicht nur auf den mit Abstand höchsten Stand seit Beginn der Ermittlung dieser Zahlen durch den BBU 1991 steigen, sondern erstmals auch die Modernisierungsinvestitionen übertreffen.

Allerdings: „Natürlich stehen die Bauvorhaben unter dem Vorbehalt der weiteren wirtschaftlichen Entwicklungen, die derzeit völlig unvorhersehbar ist“, so Kern mit Blick auf steigende Inflationsraten, Energie- und Materialkosten sowie den Fachkräftemangel in der Region.

11 Prozent Leerstand im ferneren Metropolenbereich

Während in den Städten des Berliner Umlands die Leerstandsquote bei den BBU-Mitgliedern aktuell bei zwei Prozent liegt, sieht es im ferneren Metropolenbereich besorgniserregend anders aus: Mit einer Quote von elf Prozent liegt sie auf dem höchsten Stand seit 2009 und um 0,1 Prozentpunkte über dem bereits hohen Wert von 2020. Zum 31. Dezember 2021 meldeten die BBU-Mitgliedsunternehmen im weiteren Metropolenraum 22.031 leerstehende Wohnungen. Die Zahl leerstehender Wohnungen entspreche damit einer Stadt in der der Größe Oranienburgs oder Bernaus, verdeutlichte Kern.

Ein weiterer Abriss von Beständen – und deren staatliche Förderung – sei daher unbedingt erforderlich, so Kern weiter. „Wir dürfen beim Stadtumbauprozess nichtnachlassen – weder die Wohnungswirtschaft noch die Kommunen noch das Land. In den derzeit anlaufenden Haushaltsberatungen müssen die Weichen jetzt konsequent hierfür gestellt werden.“ Zudem müsse das Potenzial der leerstehenden Wohnungen deutlich mehr als bisher für die Unterbringung der geflüchteten Menschen aus der Ukraine genutzt werden, so eine weitere Forderung des BBU. Gelungen sei dies beispielsweise in Senftenberg. Bei der Kommunalen Wohnungsgesellschaft Senftenberg (KWG) hätten mehr als 350 Geflüchtete aus der Ukraine eine neue Heimat gefunden.

In 20 Jahren mehr als 65.000 Wohnungen abgerissen

Von den BBU-Mitgliedsunternehmen im weiteren Metropolenraum wurden bislang im Rahmen des Stadtumbauprogramms in den vergangenen 20 Jahren insgesamt 65.270 dauerhaft leerstehende Wohnungen abgerissen. Ohne Abrisse, führte Kern weiter aus, stünde längst jede vierte Wohnung leer: „Das entspricht einer Stadt größer als Cottbus. Ohne diese Maßnahme läge die Leerstandsquote mittlerweile bei über 24 Prozent – ein Viertel des Wohnungsbestandes. Langfristig sei ab 2022 der Abriss von rund 5400 weiteren Wohnungen bei den BBU-Unternehmen geplant.

Entsprechend der geringeren Nachfrage nach Wohnraum sind auch die Mieten in weiterer Entfernung von Berlin deutlich günstiger: Ausweislich des vorgelegten Jahresberichts lag die durchschnittliche Nettokaltmiete bei den BBU-Mitgliedsunternehmen in den Städten des weiteren Metropolenraums lag 2021 bei 5,06 Euro pro Monat und Quadratmeter. Das waren 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Gegenüber dem Mittelwert des Berliner Mietspiegels (6,79 Euro) ist Wohnen in den Städten des weiteren Metropolenraums rund 26 Prozent günstiger. In Potsdam dagegen fällt der Preisabstand zu Berlin deutlich geringer aus: Hier wurden 2021 6,19 Euro nettokalt verlangt – neun Cent mehr als im Vorjahr 2020.