Klimaschutz

Klimabürgerrat: Das erwarten Mitglieder von der Politik

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Tomas Panesso Gomez ist Mitglied im Klimabürger:innenrat in Berlin.

Tomas Panesso Gomez ist Mitglied im Klimabürger:innenrat in Berlin.

Foto: Davids / DAVIDS

Berliner Klimabürger:innenrat übergibt am Donnerstag Empfehlungen an die Politik. Drei Mitglieder ziehen ein Fazit ihres Engagements.

Berlin.  In acht Sitzungen haben sie diskutiert, wie die Klimapolitik Berlins in Zukunft aussehen und wie das Land in Themenfeldern wie Energie, Mobilität oder Gebäuden handeln soll, um dem Ziel einer klimaneutralen Hauptstadt näher zu kommen: die 100 Mitglieder des Klimabürger:innenrats. An diesem Donnerstag werden sie ihre erarbeiteten Empfehlungen offiziell an die zuständige Senatorin Bettina Jarasch (Grüne) übergeben.

Für Aline Schütte endet damit eine spannende, aber auch anstrengende Zeit. „Ich habe eine Menge gelernt und denke bei vielen Sachen anders als vorher“, sagt sie. Als Beispiel nennt sie das Thema Mobilität: In der Stadt sei es ihr bislang schwer gefallen, sich aufs Fahrrad zu trauen. „Das hat sich tatsächlich geändert“, berichtet die Erzieherin an einer Grundschule. Inzwischen nutze sie auch das Fahrrad öfter. „Der Klimabürger:innenrat war für mich ein Anstoß zu sagen, ich probiere es mal. Und zu Hause diskutieren wir auch, ob wir das Auto ganz abschaffen“, erzählt Schütte.

Die Arbeit in dem Gremium beschreibt sie aber auch als Herausforderung. Weil die Sitzungszeit begrenzt war, während es zugleich viele Fragen gab und unterschiedliche Meinungen diskutiert wurden. „Für so eine Verantwortung war es doch sehr wenig Zeit“, sagt Schütte, für die aber dennoch klar ist, dass sie sich immer wieder an einem solchen Bürgerrat beteiligen würde. „Es wäre toll, wenn alle diese Erfahrung machen könnten. Diese Debatte muss nach außen getragen werden, und so viele wie möglich sollten sich persönlich damit auseinandersetzen.“

Tomas Panesso Gomez: Eine lehrreiche Erfahrung

Auch Tomas Panesso Gomez spricht bei den vergangenen Wochen von einer „lehrreichen Erfahrung“, bei der er selbst auch Personen mit ganz verschiedenen Hintergründen oder Berufen kennengelernt hat. „Obwohl es Situationen gab, in denen mehrere Meinungen aufeinandergeprallt sind, waren die Diskussionen immer zentriert auf das Thema und sind nie auf persönlicher Ebene eskaliert“, berichtet der Arzt.

Wenngleich er, wie die anderen Mitglieder, noch nicht verraten darf, was genau sie beschlossen haben, erwartet er nun, dass Senat und Abgeordnetenhaus die Empfehlungen ernst nimmt. „Es ist mir mit dieser Erfahrung klarer geworden, wie dringend der Wandel ist und wie langsam wir Dinge verändern“, sagt er. „Ich hoffe, wir konnten unsere Prioritäten für die Politik klar machen, sodass diese schnellstmöglich umgesetzt werden.“

Jacqueline Bänsch: „Ich bin stolz darauf, was für Lösungen wir gefunden haben“

Darauf, dass die Empfehlungen ernsthaft aufgenommen werden, setzt auch Jacqueline Bänsch. „Anfangs war ich skeptisch, ob wir etwas bewegen können“, gibt sie zu. „Aber jetzt hoffe ich sehr, dass wir etwas erreichen. Ich bin stolz darauf, was für Lösungen wir gefunden haben.“ Gerade die Frage, wie klimafreundliches Wohnen und bezahlbare Mieten zusammenkommen können, war für sie eine zentrale.

Die Zehlendorferin räumt aber auch ein, dass sie ihr manche Veränderungen, die von anderen Mitgliedern des Bürgerrats befürwortet wurden, zu schnell gehen – etwa wenn es um das eigene Auto geht. „Das war mir manchmal ein bisschen zu radikal“, sagt sie.

Dennoch betont Bänsch, dass die Erfahrungen der vergangenen Wochen sie motiviert haben, noch mehr auf Klimaschutz zu schauen. „Ich achte im Kleinen darauf, beim Konsum oder dabei, wie ich mit Energie umgehe“, erzählt die Standesbeamtin. Insgesamt, so ihr Fazit, ist ihr Interesse an Politik und Klima durch die Mitarbeit in dem Gremium gewachsen. „Wenn es um Klimapolitik geht“, sagt sie, „drehe ich jetzt immer das Radio lauter.“