Kriminalität

Wilmersdorf: Geldtransporter überfallen - Video zeigt Flucht

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Ulrich Kraetzer, Alexander Rothe und Philipp Siebert
Geldtransporter-Überfall

Geldtransporter-Überfall

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Am Mittwoch wurde ein Geldtransporter in Wilmersdorf überfallen. Vier Personen wurden verletzt. Täter sind weiter auf der Flucht.

Berlin. Um 11.15 Uhr schreckte Bianka Schmidt vom Tisch der Sportsbar an der Uhlandstraße in Wilmersdorf plötzlich hoch, als sie zwei Schüsse hörte. Sie rannte vor die Tür. „Da waren Männer mit schwarzen Masken, die in einen Kombi stiegen und Richtung Berliner Straße wegfuhren“, schildert sie wenige Minuten später die Szene gegenüber der Berliner Morgenpost.

Vor der Postbank auf der anderen Straßenseite neben dem Geldtransporter hätten die zwei Menschen auf dem Boden gelegen – der eine mit blutverschmiertem Kopf, seine Kollegin mit den Händen vor den Augen. „Sie konnte nichts sehen“, so Schmidt weiter. „Es sah so aus, als ob sie Pfefferspray in den Augen hätten.“

Vier Menschen wurden bei dem Überfall auf den Geldtransporter am Mittwoch verletzt – neben den beiden Boten auch zwei Mitarbeiterinnen der Filiale, die gerade beliefert werden sollte. Drei davon mussten ins Krankenhaus gebracht werden: Eine 39-jährige Beschäftigte des Transportunternehmens stürzte bei dem Vorfall zu Boden und verletzte sich am Arm, ihr 49 Jahre alter Kollege sowie zwei 57-jährige Bankangestellte erlitten Verletzungen durch den Einsatz des Reizgases. Von Kugeln wurde keiner getroffen.

Die Täter des Überfalls sind weiter auf der Flucht. Die Polizei konnte am Donnerstagmorgen zunächst noch keinen Fahndungserfolg vermelden.

Überfall auf Geldtransporter: Räuber entkamen mit Beute, Fluchtwagen hatte falsche Kennzeichen

„Nach jetzigem Erkenntnisstand haben die Täter zum einen mit Reizgas hantiert, und es sollen auch drei Schüsse in die Luft abgegeben worden sein“, sagte Polizeisprecher Martin Dams. Mindestens drei, vermutlich vier seien in dem Fluchtwagen mit der Beute entkommen. Zur Höhe machte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben. Klar sei aber, dass die Boten Bargeld in die Bank bringen wollten, als sie überfallen wurden.

Bei dem Fluchtwagen handelt es sich offenbar um einen schwarzen Audi-Kombi, wie es auf mehreren Fotos und Videos von Zeugen zu sehen war. Die Polizei bestätigte Farbe und Modell zwar zunächst nicht, wohl aber, dass man die Nummernschilder auf den Aufnahmen sehen und überprüfen konnte. Die würden allerdings nicht zu dem Fahrzeug gehören, sondern seien offenbar gestohlen oder gefälscht.

Die Polizei sperrte den Bereich vor der Bank ab, damit Zeugen befragt werden und Ermittler der Kriminaltechnik Spuren sichern konnten. Auch eine Drohne war zeitweise im Einsatz, um den Tatort zu vermessen. Das Gebäude an der Uhlandstraße 85 betraten die Täter laut Polizei nicht. Dennoch sorgte die Tat auch im Inneren für Schrecken. „Wir haben Schüsse gehört und die Beraterin meinte, wir müssten uns sofort auf den Boden legen“, sagte eine Kundin der Bank. „Meine Mutter steht noch unter Schock“, sagte die Frau. „Wir haben Angst, dass so etwas woanders wieder passieren könnte.“

Auf einem dieser Videos, dass offensichtlich direkt nach dem Überfall aufgenommen hat, ist der Fluchtwagen zu sehen, wie er mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Süden davonfährt. – in Richtung der A100.

Immer wieder Überfälle auf Geldtransporter in der City West

Die wurde in der Vergangenheit bei ähnlichen Vorfällen in der Gegend bereits als Fluchtroute genutzt. Am 4. August 2020 versuchten vier Täter eine Filiale der Volksbank am Bundesplatz zu überfallen, flohen nach einem Schusswechsel jedoch ohne Beute. Nur wenige Hundert Meter vom jetzigen Tatort entfernt versuchten zwei Männer am 1. Februar 2021 eine Commerzbank an der Blissestraße zu überfallen.

Knapp zwei Wochen später erbeuteten mehrere als Müllmänner verkleidete Täter auf dem Kurfürstendamm aus einem Geldtransporter rund 600.000 Euro. Ein Mitglied des polizeibekannten Remmo-Clans wurde mittlerweile dafür zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Zum jüngsten Überfall bittet die Polizei um Hinweise und vor allem Fotos und Videos vom Tatgeschehen. Die können im Internet unter https://www.berlin.de/polizei/ hochgeladen werden.