Falschaussage

Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen gegen Rapper Kay One

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Der Rapper Kay One lebt nach eigenen Angaben mittlerweile in München (Archivbild).

Der Rapper Kay One lebt nach eigenen Angaben mittlerweile in München (Archivbild).

Foto: Felix Hörhager / dpa

Kay One könnte im Prozess gegen Clanchef Arafat Abou-Chaker nicht die Wahrheit gesagt haben. Die Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen.

Berlin.  Nachdem er vor zwei Wochen im Zeugenstand mit seinen Aussagen im Gerichtsprozess gegen Clanchef Arafat Abou-Chaker für einige Irritation sorgte, könnte der Rapper Kay One nun selbst juristische Probleme bekommen. „Die Einleitung eines Verfahrens wegen falscher uneidlicher Aussage gegen Kenneth Brodowski aka Kay One wird derzeit geprüft“, sagte Sebastian Büchner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft.

„Anhaltspunkte hierfür sind insbesondere die Angaben des Zeugen zu nicht erfolgter Gewalt durch Arafat Abou-Chaker wie auch die möglicherweise bewusst falsche Behauptung, sich jedenfalls daran nicht erinnern zu können“, so Büchner weiter. Brodowski gab am 72. Prozesstag am 15. Juni an, nie Angst vor dem Clanchef gehabt zu haben oder von ihm oder von Personen, die mit ihm in Verbindung stehen, bedroht oder geschlagen worden zu sein. „Arafat war mein bester Freund“, so der 37-Jährige.

Dem gegenüber steht eine Aussage, die Brodowski, im Oktober 2013 bei der Berliner Polizei gemacht hat. Damals gab er laut Staatsanwaltschaft an, dass Arafat Abou-Chaker im Jahr 2012 knapp eine Viertelstunde mit einem Baseballschläger auf ihn eingeschlagen haben soll. Auch den Umstand, dass er gegen seinen Willen einen Vertrag mit dem Clanchef unterschrieb, begründete Kay One damals wie folgt: „Ich hatte große Angst, dass ich hier nicht mehr lebend rauskomme.“

Kay One stand nach seinem Bruch mit dem Abou-Chaker-Clan unter Polizeischutz

Brodowski, der, bis er den Nachnamen seines Stiefvaters annahm Kenneth Glöckler hieß, lebte ab 2007 in Berlin, verließ die Stadt 2012 fluchtartig und stand zeitweise unter Polizeischutz. Zuvor stand er beim Label „ersguterjunge“, dass Abou-Chaker damals gemeinsam mit dem Rapper Bushido führte, unter Vertrag und feierte während dieser Zeit erste kommerzielle Erfolge. Nach dem Bruch sprach er in Interviews darüber, dass der Abou-Chaker Clan mafiöse Strukturen habe.

Arafat Abou-Chaker (46) und drei seiner Brüder müssen sich seit fast zwei Jahren vor der 38. Strafkammer des Berliner Landgerichts wegen Freiheitsberaubung, versuchte schwere räuberische Erpressung, Nötigung, gefährliche Körperverletzung und Beleidigung verantworten. Opfer ist laut Anklage Bushido, der bürgerlich Anis Ferchichi heißt und im Prozess als Nebenkläger auftritt.

Der heute 43-Jährige brach 2017 mit dem Clan, woraufhin ihn die Beschuldigten eingesperrt, bedroht und misshandelt haben sollen, um eine Ablöse von ihm zu erpressen. Die Kammer sah die Vorwürfe zuletzt nicht als erwiesen an, wie es am 71. Verhandlungstag am 1. Juni in einem Zwischenfazit heißt. Der Prozess soll am kommenden Montag fortgesetzt werden, wobei Bushido selbst erneut in den Zeugenstand treten soll, wie es vom Gericht heißt. Ein Urteil ist erst für Ende Oktober geplant.

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