Freibäder in Berlin

Berliner Bäder: Mehr Sicherheit und besserer Ticket-Verkauf

| Lesedauer: 5 Minuten
Alexander Rothe
In den Berliner Freibädern kam es am vergangenen Wochenende zu teils chaotischen Szenen.

In den Berliner Freibädern kam es am vergangenen Wochenende zu teils chaotischen Szenen.

Foto: Jens Büttner / dpa

Nach einer Schlägerei im Sommerbad und Problemen im Online-Shop geloben die Bäder Besserung. Kritik kommt von der Polizeigewerkschaft.

Berlin. Die Berliner Bäder-Betriebe wollen aus den Zwischenfällen des vergangenen Wochenendes lernen. Statt wohltuender Abkühlung im Schwimmbecken kam es vor einer Woche im Sommerbad am Insulaner in Steglitz zu einer Massenschlägerei mit 100 Beteiligten, nachdem unter Besuchern der Einsatz von Wasserpistolen eskaliert war. Die Polizei musste mit 13 Funkwagen und Teilen einer Hundertschaft anrücken, um den Streit zu schlichten. Gleichzeitig sorgte für viel Unmut, dass der Webshop der Berliner Bäder-Betriebe (BBB) aufgrund der hohen Nachfrage zusammengebrochen war. Das führte dazu, dass Hunderte vor den Freibädern warten mussten, es bildeten sich lange Schlangen, so etwa am Kreuzberger Prinzenbad.

Damit sich ähnliche Szenen an diesem Wochenende, das ebenfalls hochsommerlich heiß mit Temperaturen von bis zu 32 Grad werden soll, nicht wiederholen, versprechen die Betreiber Abhilfe. So soll das Sicherheitspersonal aufgestockt werden, wie Pressesprecher Matthias Oloew mitteilt. Letzte Woche seien 170 Sicherheitsfachleute in allen Freibädern Berlins im Einsatz gewesen. Wie viele es nun werden sollen, sei noch nicht klar. „Wir sind noch in der Lagebeurteilung“, so Oloew. Die Einteilung des Personals richte sich nach der Größe der Bäder und der Auslastung. Um die Sicherheit auch im Wasser zu garantieren, suchen die Betreiber der Freibäder weiterhin Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer.

Zudem soll eine Rufbereitschaft am Wochenende für unterschiedliche Themen eingeführt werden, die im Tagesbetrieb anfallen. Dazu gehörten neben dem Sicherheitspersonal auch Mitarbeitende, die einspringen, sollte der Online-Shop erneut dem Andrang nicht standhalten. „Das vergangene Wochenende war der erste Belastungstest für den neuen Webshop der Freibäder der Berliner Bäder-Betriebe und der erste Einsatz dieses Shops an einem Hitze-Wochenende überhaupt“, wird der Systemausfall begründet. „Der Vielzahl der Anfragen nach Eintrittskarten war er nicht gewachsen und war am Sonnabend und Sonntag nicht mehr erreichbar.“ Deshalb sei man nun besser vorbereitet: „Der Webshop ist auf einen neuen Server umgezogen. Wir hoffen, dass er dadurch nicht mehr in die Knie geht“, erklärt Oloew auf Nachfrage der Berliner Morgenpost.

Gewerkschafter fordert: Besucherzahl beschränken, Hausverbote aussprechen

Beim Thema Sicherheit hat sich nun auch die Gewerkschaft der Polizei eingeschaltet. Bodo Pfalzgraf, Berliner Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), teilte zu dem Polizeieinsatz im Sommerbad am Insulaner mit: „Unsere KollegInnen werden regelmäßig wegen Körperverletzungen, sexueller Übergriffe oder Diebstählen in die Freibäder gerufen.“

Damit sich ein Polizeieinsatz wie am vergangenen Wochenende nicht wiederhole, fordert der DPolG-Landeschef nun, eine maximale Besucherzahl für jedes einzelne Bad festzulegen. Dies könne analog zu den Online-Zeitfenstern und Kontingenten während der Corona-Regelungen geschehen und müsse durch die Betreiber kontrolliert werden. „Unsere Kolleginnen und Kollegen können nicht jederzeit mit einem Großaufgebot an Berliner Bädern im Einsatz sein“, so Pfalzgraf.

Weiterhin wird gefordert, auffällig gewordene Badegäste mit Hausverboten von zwölf bis 36 Monaten zu belegen. Für die Kontrollen müssten hauseigene Sicherheitsdienste auch am Wochenende beauftragt werden.

Kapazitäten sind von Freibad zu Freibad unterschiedlich

Die Vorschläge der Polizei sind für die Bäder-Betriebe nicht neu. „Wir haben bereits Oberkontingente in Form von Tageskarten“, sagt Matthias Oloew. Die Kapazitäten seien von Freibad zu Freibad unterschiedlich. Auch die Erteilung von Hausverboten sei gängige Praxis in den Sommerbädern, doch den Strafzeitraum könnten die Bäder-Betriebe als landeseigenes Unternehmen nicht nach Gusto festgelegen. Der Zeitraum des Betretungsverbots richte sich nach der Schwere des Delikts.

Zudem könne das Hausverbot für ein oder mehrere Bäder ausgesprochen werden. Zwar werden die Personaldaten der Gäste nicht an der Kasse aufgenommen, weshalb das Risiko besteht, dass sich eine Person über das Hausverbot hinwegsetzt. Oloew betont jedoch, dass es sich um eine Straftat handele, wenn eine Person trotz Betretungsverbot erneut auffällig werde. „Es ist nicht ratsam, das Hausverbot zu missachten.“

Besucher sollten ihre Tickets wieder online buchen

Für das anstehende Wochenende gehen die Bäder-Betriebe von einer Besucheranzahl im sechsstelligen Bereich aus. Dies sei jedoch schwer einzuschätzen, da die Auslastung der Freibäder sehr stark vom Wetter abhängig sei. Den Gästen rät der Pressesprecher, ihre Tickets im Online-Shop zu buchen. Mit dem QR-Code auf den dort erhältlichen Karten könnten die Inhaberinnen und Inhaber direkt zu den Einlassdrehkreuzen gehen, ohne sich an der Kassen-Warteschlange anstellen zu müssen. „Im Webshop können die Kundinnen und Kunden außerdem sehen, ob ein Freibad bereits ausverkauft ist. In diesem Fall gibt es auch keine Karten an den Kassen des Bades mehr. Dann gibt es noch die Chance, Karten für ein anderes Freibad zu erwerben“, heißt von den Bädern – zum Beispiel für das Strandbad Wannsee, wo die Gäste die Möglichkeit erhalten, die in Berlin stattfindenden Finals zu verfolgen.