Digitalisierung

Wo Lösungen für eine smarte Berliner Verwaltung entstehen

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Jens Anker
Nicolas Zimmer, Vorsitzender der Berliner Technologiestiftung, treibt mit dem Citylab die Digitalisierung der Verwaltung voran. 

Nicolas Zimmer, Vorsitzender der Berliner Technologiestiftung, treibt mit dem Citylab die Digitalisierung der Verwaltung voran. 

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Im Berliner „Citylab“ werden Projekte entwickelt, mit denen die Verwaltung digitaler und bürgerfreundlicher werden soll.

Berlin. Noch stehen sie an mancher Kreuzung, sitzen im Wagen und zählen Autos, Fahrräder und Fußgänger. Doch das ist bald vorbei. Im Citylab im ehemaligen Flughafen Tempelhof haben Mitarbeiter eine digitale Zählmaschine entwickelt, die die Arbeit bald erledigt. Ein erster Prototyp ist fertiggestellt, aber es gibt noch Macken. Bei Regen und in der Dämmerung erkennt der Computer die Verkehrsteilnehmer sehr schlecht, sagte der Leiter des Berliner Digital-Labors, Benjamin Seibel, am Mittwoch.

Der Digital-Ausschuss des Abgeordnetenhauses stattete dem Citylab an diesem Tag einen Besuch ab, um zu erfahren, was die Digital-Strategen in den vergangenen drei Jahren entwickelt haben, um die Berliner Verwaltung digitaler und bürgerfreundlicher zu gestalten. Die automatische Verkehrszählung gehört dazu, wie auch eine Anwendung, die sichtbar macht, wann und wo E-Scooter durch die Stadt fahren. Aus den Daten können Verkehrsplaner diejenigen Flächen identifizieren, die für das Abstellen der E-Fahrzeuge besonders geeignet sind, oder an denen das Abstellen besser verboten wird.

Drei bis vier Digitalisierungsprojekte begleitet das Citylab pro Jahr

Drei bis vier Projekte dieser Art entwickeln die 24 Mitarbeiter des Citylabs pro Jahr, erklärt Seibel weiter. Das Labor wurde vor drei Jahren gegründet, um schnell und flexibel Lösungen für die Digitalisierung der Verwaltung zu entwickeln. „Das Citylab soll eine Schaltstelle der Digitalisierungspolitik des Landes sein“, sagte Berlins Chief-Digital-Officer, Ralf Kleindiek.

Dazu arbeiten die Mitarbeiter unabhängig von der Verwaltung an zwei Standorten. Am ehemaligen Flughafen Tempelhof und in der Schöneberger Grunewaldstraße. Nach Ansicht des Vorsitzenden der Technologiestiftung, Nicolas Zimmer, unter dessen Dach das Lab entstand, könnte das Labor noch ein wenig weiter wachsen, bis zu 100 Mitarbeiter seien denkbar, aber nicht darüber hinaus. „Dann würde sich die Arbeitsweise ändern, ich möchte aber nicht, dass daraus eine Digitalisierungsbürokratie entsteht“, sagte Zimmer.

Der Vorteil des Labors bestehe gerade darin, in kleinen, flexiblen Gruppen Lösungen zu schaffen. „Prototyping“, heißt das im Fachjargon der Experten. Wenn die Verwaltung sich mit einem Problem oder einer Idee an das Labor wendet, versuchen die Mitarbeiter, zügig einen Lösungsansatz zu entwickeln, der dann in der Praxis erprobt und bei Bedarf angepasst wird.

Die Mitglieder des Ausschusses zeigten sich von der Arbeit im Citylab beeindruckt. In der Vergangenheit waren immer wieder Digitalisierungsprojekte gescheitert. „Die Verwaltungsdigitalisierung ist ein harter Knochen“, sagte Tobias Schulze (Linke) anerkennend. Die Leistung des Citylab hat sich mittlerweile auch in der Verwaltung herumgesprochen. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot mittlerweile deutlich“, sagte Citylab-Chef Seibel.