Schulen in Berlin

Berlins Lehrer streiken erneut für kleinere Klassen

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Nicole Dolif
Ein Plakat mit der Aufschrift "Heute Warnstreik" hängt in einer Berliner Schule an einer Tür (Archivbild).

Ein Plakat mit der Aufschrift "Heute Warnstreik" hängt in einer Berliner Schule an einer Tür (Archivbild).

Foto: dpa

Was fordert die Gewerkschaft? Bleiben die Schulen am Mittwoch geschlossen? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den Ausstand.

Berlin. Genau eine Woche vor den Sommerferien wird es an vielen Berliner Schulen noch einmal zu Unterrichtsausfall kommen: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Berlin (GEW Berlin) hat für Mittwoch zu einem ganztätigen Warnstreik aufgerufen. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Streik.

Wer ist zum Streik aufgerufen?

Alle tarifbeschäftigten Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen und -pädagogen und Schulpsychologinnen und -psychologen an den staatlichen Schulen des Landes, die unter den Geltungsbereich des TV-L fallen.

Warum wird gestreikt?

Die Gewerkschaft will kleinere Klassen an den Schulen erreichen und fordert dafür den Abschluss eines Tarifvertrages zum Gesundheitsschutz, in dem die Klassengröße an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen verbindlich geregelt wird. Der letzte Warnstreik zu diesem Thema war am 7. April dieses Jahres. „Bessere Arbeitsbedingungen sind das beste Mittel gegen Fachkräftemangel“, erklärte Anne Albers, Leiterin des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik bei der GEW Berlin. Eine geringere Arbeitsbelastung würde zum Gesundheitsschutz der Lehrkräfte beitragen und auch die Schülerinnen und Schüler würden von kleineren Klassen enorm profitieren. Die GEW fordert, die Klassengröße in den Grundschulen auf 19 Schüler zu begrenzen. Für Jahrgangsstufe 7 nennt die Gewerkschaft eine Obergrenze von 21 Schülerinnen und Schülern, und für die Jahrgangsstufe 8 bis 13 sollte 24 nicht überschritten werden. Aktuell liegt in Berlin die Richtlinie für Grundschulen zwischen 23 und 26 Kindern pro Klasse.

Gibt es Kritik an der Forderung?

Grundsätzlich finden Politiker aller Parteien die Forderung nach kleineren Klassen begrüßenswert. „Es hapert einfach an der Umsetzung“, sagte zum Beispiel Marcel Hopp, bildungspolitischer Sprecher der SPD. Um die Klassen derart zu verkleinern, bräuchte Berlin deutlich mehr Schulen und zusätzlich auch noch Tausende Lehrer – beides ist jedoch rar. Auch Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher der FDP, findet kleinere Klassen „erstrebenswert“. Doch dafür müsste erstmal das Personal bereitgestellt werden. „Wir können nur für Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer sorgen, wenn die Berliner Landesregierung endlich Anreize schafft, um Lehrpersonal für die Berliner Schulen zu gewinnen und zu halten“, so Fresdorf.

Bleiben die Schulen heute geschlossen?

Es ist von Schule zu Schule sehr unterschiedlich, wie viele Lehrkräfte dem Streikaufruf folgen. Deshalb haben viele Schulen die Eltern gebeten, ihre Kinder zu Hause zu lassen, wenn es ihnen möglich ist. Die Schulen sind aber nicht geschlossen und bieten zumindest eine Notbetreuung an. So kurz vor den Ferien sind alle notenrelevanten Arbeiten erledigt und es finden vor allen Dingen Ausflüge, Klassenfahrten und Projektwochen statt.

Wo wird gestreikt?

Die Demonstration beginnt um 10 Uhr auf dem Dorothea-Schlegel-Platz beim S-Bahnhof Friedrichstraße. Die Abschlusskundgebung findet gegen 12 Uhr vor dem Roten Rathaus statt. Die GEW rechnet mit einer Teilnehmerzahl im vierstelligen Bereich.