Hitze in Berlin

Sommerhitze - Ausnahmezustand in den Berliner Freibädern

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Nicole Dolif
Ausnahmezustand vor dem Sommerbad Kreuzberg:  Zahlreiche Menschen warten am Sonnabend auf Einlass.

Ausnahmezustand vor dem Sommerbad Kreuzberg: Zahlreiche Menschen warten am Sonnabend auf Einlass.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Die Bäderbetriebe rieten dazu, online Karten zu kaufen - doch der Server war dem Ansturm offenbar nicht gewachsen.

Berlin. Die Hitze hat die Hauptstadt an diesem Wochenende fest im Griff: Am Sonnabend wurden Spitzenwerte von 35 Grad gemessen. Nicht einmal die Abendstunden brachten eine wirkliche Abkühlung, der Deutsche Wetterdienst gab eine Hitzewarnung heraus. Und auch am Sonntag soll es mit Temperaturen bis 37 Grad heiß und trocken weitergehen – zumindest bis zum Nachmittag. „Dann könnten auch ein paar Wolken aufziehen, und es sind Schauer und Gewitter möglich“, sagt Helga Scheef, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Potsdam, „in manchen Regionen vielleicht sogar mit Hagel und Starkregen. Die Wetterlage ist aber noch unsicher, die Gewitter können auch an Berlin vorbeiziehen“.

Der beste Ort bei diesen Temperaturen ist – ganz klar – am kühlen Wasser. In den Berliner Sommerbädern herrschte Ausnahmezustand. Die Berliner Bäderbetriebe hatten mit Blick auf das heiße Wochenende Badegäste gebeten, ihre Tickets im Online-Shop vorab zu buchen, das garantiere den Einlass. Doch dem Ansturm an diesem Wochenende waren die Server offenbar nicht gewachsen. „Leider ist unser Ticketshop derzeit nicht erreichbar, Tickets für die Sommerbäder gibt es bis auf Weiteres nur an den Badkassen“, teilen die Bäderbetriebe auf ihrer Homepage mit.

Laut Bäderbetriebe-Sprecher Matthias Oloew habe der Server den vielen Nachfragen seit 9.15 Uhr nicht mehr standgehalten. Bis zum Abend war es laut Oloew noch nicht wieder gelungen, den Server wider ans Laufen zu bekommen. "Die Berliner Bäder-Betriebe bedauern dies sehr und bitten alle Kundinnen und Kunden um Verständnis", so Oloew weiter.

Hunderte Menschen warten vor den Freibädern auf Einlass

Doch an den Badkassen brauchen die Besucher nicht nur Verständnis , sondewrn vor allem eins: Geduld. Im Sommerbad Humboldthain ist die Warteschlange teils an die hundert Meter lang – und auch drinnen ist es überfüllt. Und auch am Kreuzberger Prinzenbad drängen sich schon um 11 Uhr Hunderte Menschen. Kinder mit Wasserspielzeug, Erwachsene mit Picknicktaschen stehen in der glühenden Sonne, um noch ein Ticket zu ergattern. Auch Mareike (18) und Lisa (32) haben sich eingereiht. „Wir stehen hier schon länger als eine halbe Stunde, und es wird sicher noch eine ganze Weile dauern, bis wir endlich drinnen sind“, sagt Mareike.

Die beiden sind auf gut Glück einfach zum Prinzenbad gekommen und hoffen, noch eingelassen zu werden. Denn anders als in den Jahren vor der Pandemie gibt es ab dieser Saison Obergrenzen in den Bädern. „Das heißt: Ist ein Bad voll, also ausverkauft, gibt es auch keine Karten an den Kassen mehr“, sagte Oloew.

Darum müssen sich Oliver (54) und Lars (50) keine Sorgen machen. Sie sind Stammgäste im Prinzenbad und haben eine 20er-Karte. „Damit müssen wir uns gar nicht in die Schlange stellen, sondern können direkt links neben den Kassen ins Bad gehen“, sagt Oliver gut gelaunt. „Da haben wir heute echt Glück.“

Eigentlich wollten sich auch Thomas (45) und sein Sohn Bent (14) im Prinzenbad ein bisschen abkühlen – aber sie haben aufgegeben. Sie waren um kurz vor 11 Uhr da, haben die Menschenmassen gesehen und wieder umgedreht. „Wir waren offenbar einfach zu spät dran“, sagt Vater Thomas etwas frustriert. Jetzt sitzen die beiden mit ihrer großen Schwimmtasche auf einem Stein am Urbanhafen und denken über einen Plan B nach. „Es ist nicht so einfach“, sagt Thomas, „alles am Wasser ist heute bestimmt total voll. Wenn, dann müsste man richtig weit raus fahren, um noch einigermaßen entspannt schwimmen gehen zu können.“ Die beiden beschließen, den Tag anderweitig zu verbringen. „Vielleicht starten wir gegen Abend noch einmal einen Versuch, in ein Freibad zu kommen“, sagt Thomas, „vielleicht wird es da langsam etwas leerer.“

Die Chancen dürften gering gewesen sein: Laut Bäderbetriebe-Sprecher Oloew hätten die Bäder in Pankow, Kreuzberg und Neukölln ab dem späten Nachmittag wegen zu hoher Nachfrage keine Gäste mehr eingelassen. Gäste, die zuvor bereits ein Online-Ticket gebucht hätten, vermutlich vor dem Server-Ausfall, seien aber noch eingelassen worden.

Oloew führt den Ansturm auf das Ende der Corona-Beschränkungen zurück: "Nach mehr als zwei Jahren Pandemie ist dies das erste heiße Wochenende ohne Zeitfenster und Zugangsbeschränkungen in den Freibädern der BBB. Das wollten sehr viele Menschen gerne für einen Freibadbesuch nutzen."

Für Sonntag empfehlen die Bäder-Betriebe, bereits sehr zeitig zu kommen, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Genaue Besucherzahlen für den Sonnabend habe man - auch wegen des Server-Ausfall - zwar nicht, aber, so konstatiert Oloew: "Es war in allen Freibädern sehr voll."

Überschattet wurde der bislang heißeste Tag des Jahres von zwei Badeunfällen: Am Weißen See in Pankow und im Flughafensee in Tegel kamen jeweils ein Mensch ums Leben.

Ins Museum statt ans Wasser

Am Urbanhafen, an dem sonst am Wochenende viel los ist, ist es am Sonnabendvormittag bei den heißen Temperaturen wie ausgestorben. Kaya (27) und ihr Freund Matthias (35) haben sich ein schattiges Plätzchen unter einer Weide gesucht und frühstücken mit Croissants und Kaffee. „So lässt es sich ganz gut aushalten“, sagt Kaya. Das sei ein guter Start in den Tag, den sie bei der Hitze entspannt angehen lassen wollen. Auch Franziska (46) und ihre Tochter Lilly (6) genießen die Ruhe im Schatten an der Kreuzberger Grimmstraße. „Es ist so schön leer“, sagt die Mutter, „das genießen wir richtig. Im Schwimmbad wäre es uns jetzt zu voll.“ Am heutigen Sonntag steht bei den beiden eigentlich Reiten auf dem Programm. „Aber bei den Temperaturen bekommen die Ponys nur eine kühle Dusche“, sagt Franziska.

Auch Nadiia ist auf der Suche nach etwas kühleren Temperaturen. Die junge Frau aus der Ukraine hat sich für einen Museumsbesuch entschieden. „Ich war erst im Pergamon Museum und jetzt noch im Alten Museum“, sagt sie. „Es war angenehm kühl und vor allem nicht so voll. Das war eine gute Idee.“ Anneli (19) und Wiebke (20) aus Frankfurt am Main zieht es in die Ausstellung „Paul Gauguin – Why Are You Angry?“ in der Alten Nationalgalerie. „Wir wollen möglichst viel von Berlin sehen, denn wir überlegen, hier im Oktober zu studieren“, sagt Anneli. Sie haben sich im Schatten vor dem Museum niedergelassen und besprechen die Eindrücke, die sie bis jetzt gewonnen haben. „Es ist schon ein großer Schritt, von Zuhause wegzugehen und alles so hinter sich zu lassen“, sagt Anneli, „aber Berlin finden wir schon richtig toll und könnten es uns hier gut vorstellen.“

Die Hauptstadt zeigt sich an diesem hochsommerlichen Sonnabend aber auch wirklich von einer besonders schönen Seite.

( mit dpa )