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9-Euro-Ticket: "Die Züge waren sehr voll"

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Hier gilt das 9-Euro-Ticket nicht

Hier gilt das 9-Euro-Ticket nicht

Das 9-Euro-Ticket sorgt gerade für Ärger. Denn nicht in jedem Regionalzug gilt das Ticket. Das Video erklärt, wo das Ticket nicht gilt.

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Pfingsten galt als erster Härtetest für das 9-Euro-Ticket. Das Gedränge kam prompt - auch am Berliner Hauptbahnhof.

Berlin/München. Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht sich nach dem ersten Härtetest für das 9-Euro-Ticket am Pfingstwochenende in seiner Kritik bestätigt. "In den Hauptreisezeiten war die Nachfrage auf den Hauptstrecken so stark, dass Züge nicht abfahren konnten. Und einige Bahngesellschaften - etwa die Metronom in Norddeutschland - haben die Fahrradbeförderung ausgeschlossen, weil sie dem Ansturm nicht Herr wurden", sagte Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn am Montag. Das Chaos sei vorhersehbar gewesen und Folge eines politischen Angebots, ohne dafür über die nötigen Kapazitäten im Bahnverkehr zu verfügen.

"Nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut gemacht", sagte Naumann. Gut am 9-Euro-Ticket sei, dass dadurch der öffentliche Nahverkehr wieder ins Gespräch gebracht worden sei. "Es funktioniert aber nur, wenn die Kapazitäten vorhanden sind", betonte Naumann.

Pfingsten galt als erster Härtetest für die Rabattaktion. Am Berliner Hauptbahnhof herrschte am Sonntag erneut dichtes Gedränge bei den Regionallinien nach Rostock oder Stralsund. "Wegen des außergewöhnlich hohen Fahrgastaufkommens" sei eine Beförderung und die Mitnahme von Fahrrädern nicht möglich, teilte die Deutsche Bahn immer wieder per Twitter mit. Die Reisenden wurden gebeten, eine andere Verbindung zu wählen. Dies galt auch für den Regionalexpress zwischen Cottbus und Magdeburg, der über Potsdam und Berlin führt.

9-Euro-Ticket: Züge Richtung Ostsee und Nordsee überfüllt

Zum Start der Pfingstfeiertage waren insbesondere die Züge Richtung Ost- und Nordsee überfüllt, und es gab dichtes Gedränge an den Bahnsteigen. Reisende sprachen von "krachend vollen Zügen", Fahrgäste mussten aussteigen, Fahrräder konnten häufig nicht mitgenommen werden.

Die Deutsche Bahn bat Reisende, darauf zu verzichten, ihr Rad mitzunehmen. Dieser Bitte schloss sich eine Sprecherin des Bahnunternehmens Odeg an. "Die Züge waren sehr voll, Fahrräder mussten oft draußen bleiben", berichtete sie am Sonntag.

„Wie erwartet gab und gibt es regionale Spitzen im Fahrgastaufkommen, insbesondere zu touristischen Zielen“, sagte am Montag ein Sprecher der Deutschen Bahn. Konkrete Strecken nannte er nicht. „Für eine ausführliche Bilanz ist es noch zu früh“, sagte der Bahnsprecher. Überregional sei der Betrieb insgesamt stabil gewesen.

9-Euro-Ticket: Zug um mehr als 200 Prozent ausgelastet

In Stendal in Sachsen-Anhalt wurden Bundespolizisten am Samstag zu einem überfüllten Regionalexpress in Richtung Norden gerufen. Der Zug sei um mehr als 200 Prozent ausgelastet gewesen, sagte ein Sprecher des Bundespolizei am Sonntag auf Anfrage. Der Triebfahrzeugführer habe um Hilfe gebeten, da Reisende nicht bereit gewesen seien, den Zug zu verlassen, schilderte ein Sprecher der Bundespolizei.

Auch in Brandenburg mussten Bundespolizisten am Samstag unterstützen, um Reisende aus einem Regionalexpress nach Magdeburg zu bitten. Hintergrund war in diesem Fall nach Angaben der Deutschen Bahn ein technisches Problem. Mehrere Hundert Reisende mussten den Zug am Bahnhof Kirchmöser in Brandenburg/Havel verlassen und in Taxen oder Busse umsteigen, wie ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin schilderte.

Für Pfingstmontag rechnet die Bahn erneut mit einem stärkeren Andrang wegen erster Rückreisen. Eine Sprecherin empfahl Fahrgästen erneut, sich kurz vor Reiseantritt noch einmal bei den Verkehrsverbünden vor Ort oder über den DB Navigator informieren.

Mit dem 9-Euro-Ticket kann man jeweils einen Monat lang bundesweit den Nahverkehr nutzen, das Ticket ist für Juni, Juli und Augst erhältlich. Es soll etwa Pendler unterstützen und außerdem helfen, neue Nutzer dauerhaft vom Umstieg auf die Bahn zu bewegen.

Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn erwartet für die kommenden Sommermonate weitere Probleme. Bahnreisenden riet er darum, wenn möglich nicht am Wochenende zu fahren, sondern auf Tage in der Wochenmitte auszuweichen und das Ausflugsziel zu überdenken. "Muss es unbedingt Sylt sein, Warnemünde oder der Tegernsee - oder gibt es nicht auch andere schöne Gegenden, wo die Nachfrage geringer ist?", so Naumann.

( dpa )