Elektromobilität

Weltweit erstes emissionsfreies Schiff auf Spree unterwegs

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Die „Elektra“ ist das erste emissionsfreie Schiff und jetzt auf der Spree unterwegs.

Die „Elektra“ ist das erste emissionsfreie Schiff und jetzt auf der Spree unterwegs.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Taufe im Westhafen: Mit „Elektra“ nimmt ein Null-Emissions-Kanalschubboot die Arbeit auf. Es kann 150 Meter lange Schubverbände fahren

Berlin. Ausflugsdampfer, Güterschiffe und Schubboote haben alle eins gemeinsam. Sie dieseln schwarz-graue Wolken in den Himmel über Spree und Havel. Nur vereinzelt gleiten lautlos mit Solarenergie angetriebene Schiffe über die Spree. Doch das ist die Ausnahme. Mit der „Elektra“ hat am Montag die emissionsfreie Zukunft auf den Binnengewässern begonnen, zumindest im Gütertransportverkehr auf dem Wasser.

Nach einer knapp zweijährigen Bauzeit hat im Westhafen die Langzeiterprobung bis 2024 des weltweit ersten emissionsfreien und energieeffizienten Kanalschubboots begonnen. Die „Elektra“ wurde auf einer Werft in Sachsen-Anhalt gebaut und zu Wasser gelassen. Sie wird mit Wasserstoff-Brennstoffzellen und E-Akkumulatoren betrieben und stößt lediglich Wasserdampf aus.

„Elektra“ ist ein Leuchtturm-Projekt

In Anwesenheit von etwa 250 Gästen rund um das Hafenbecken II sprach Bundesminister für Digitales und Verkehr, Volker Wissing (FDP), über die Bedeutung der Wasserstoffmobilität für das Erreichen der Klimaschutzziele der Bundesregierung und nannte die „Elektra“ ein „Leuchtturm-Projekt“. „Sie ist das weltweit erste Schubboot, bei dem ein batterieelektrischer Antrieb mit Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik kombiniert wird“, sagte er in seiner Rede. „Das gesamte Projekt ist eine Blaupause für die klima- und umweltfreundliche Binnenschifffahrt und nicht nur technisch, sondern auch regulatorisch eine echte Pionierleistung.“

Die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey (SPD), die das Schiff offiziell taufte, sprach von einem beeindruckenden Ergebnis der Zusammenarbeit von Beteiligten aus dem Bereich des Schiffbaus und der Energie- und Antriebstechnik. Sie freute sich über den Berliner Erfindergeist, der in die Entwicklung und den Bau von „Elektra“ geflossen ist. „Dieses Leuchtturm-Projekt zeigt uns exemplarisch, wie es gelingen kann, mit innovativen Ideen langfristig eine Klimaverbesserung auf unseren Wasserstraße zu erreichen“, sagte sie „Berlin will hier Vorreiter sein.“

Energiesystem der „Elektra“ auf viele Schiffstypen übertragbar

Unter der Projektleitung des Fachgebietes Entwurf und Betrieb Maritimer Systeme der Technischen Universität Berlin sind zahlreiche Unternehmen aus den Bereichen Logistik, Schiffswerft, Brennstoffzellen, Wasserstoffsysteme, elektrische Energiesysteme, Akkusysteme und nautischer Betrieb an der Entwicklung, am Bau und der Erprobung als Partner beteiligt. Neben der Vorbildfunktion, die die „Elektra“ einnimmt, ist das Energiesystem so konzipiert, dass es auf eine Vielzahl von Binnenschiffs- und Küstenschiffstypen übertragbar ist, heißt es in einer Mitteilung der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (Behala).

Das Projekt kostet etwa 14,6 Millionen Euro und wird mit 9,1 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert.

Die Erprobung wird vorwiegend in der Berliner Region stattfinden, ab 2023 soll das moderne Schubboot auch verstärkt im Fernverkehr zwischen Berlin und Hamburg getestet werden. Die Anforderungen an das 20 Meter lange und 8,25 Meter breite Schiff im regionalen Betrieb liegen bei einer Reichweite von etwa 65 Kilometern innerhalb von acht Stunden und einer Geschwindigkeit zwischen acht und zehn Kilometern in der Stunde. Dabei wird das Schiff hauptsächlich über Akkus angetrieben. Zwischen Berlin und Hamburg liegt die Anforderung bei einer Reichweite von 130 Kilometern in 16 Stunden. Der Antrieb wird Hybrid-elektrisch sein.

Ladestationen in Berlin und Lüneburg

Mit 750 Kilogramm nutzbarem gasförmigen Wasserstoff und einer Batteriekapazität von etwa 2500 Kilowattstunden liegt die Gesamtreichweite je nach Belastung und Verbandskonstellation bei mindestens 400 Kilometern, ohne erneute Energieaufnahme. Insgesamt können mit der „Elektra“ Schubverbände bis 150 Meter Länge gefahren werden. Sowohl im Westhafen als auch im Hafen Lüneburg werden Stationen für den Wechsel der Wasserstofftanks und elektrische Ladestationen 2023 in Betrieb genommen.

Es geht bei der Erprobung aber nicht ausschließlich um den Schiffsantrieb, sondern auch um die Energie für die Besatzung, die an Bord wohnt, kocht und wäscht. Auch die Wohnräume und das Steuerhaus müssen im Winter beheizt und im Sommer gekühlt werden können. Zusätzlich benötigen die Akkus eine bestimmte Temperatur für einen effizienten Betrieb und eine lange Lebensdauer.

„Am Ende werden wir viel gelernt haben, und wir können dann auch sagen, wie zukünftige marktfähige Binnen- und Küstenschiffe für viele Anwendungszwecke in dieser Leistungsklasse optimal ausgerüstet sein müssen und wie die Konzepte bei anderen Schiffstypen und Leistungsklassen aussehen können“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Behala und der TU Berlin.