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Berlin prüft Null-Euro-Ticket für Abonnenten im Nahverkehr

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Joachim Fahrun
Die BVG in Zahlen

Die BVG in Zahlen

Das sind die Berliner Verkehrsbetriebe: Wissenswertes über die BVG

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Ab Juni gilt das 9-Euro-Ticket. Berlin könnte einen Sonderweg gehen: Es gibt Überlegungen für ein 0-Euro-Ticket für Abonnenten.

Berlin. Die Idee der Senatsverwaltung für Mobilität, statt des vom Bund angeregten Neun-Euro-Monatstickets die Kunden des öffentlichen Nahverkehrs in den Monaten Juni, Juli und August zum Nulltarif fahren zu lassen, ist in der rot-grün-roten Koalition auf ein geteiltes Echo gestoßen. Aus der SPD kamen kritische Töne zu den Überlegungen des von der Grünen Bettina Jarasch geführten Ressorts. Die Linke signalisierte Zustimmung.

Es wird erwogen – alternativ zum Neun-Euro-Ticket – ein Null-Euro-Ticket für Abonnenten einzuführen. Das geht aus einem Bericht an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hervor, „Es wird gegenwärtig in Berlin diskutiert, als Alternative zum Neun-Euro-Monatsticket die Preise für Abonnements in den Aktionsmonaten auf null Euro abzusenken“, teilte die Verkehrsverwaltung dem Parlament in einem Schreiben mit. Das verstehe man als Chance, neue Kunden zu gewinnen, hieß es weiter. Zuerst hatte der „Tagesspiegel“ über die Pläne berichtet.

Das Neun-Euro-Monatsticket für jedermann, das bei allen Verkaufsstellen im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) erworben werden kann, soll auch für Abonnenten gelten. Bei diesen soll in den jeweiligen Aktionsmonaten der verringerte Preis abgebucht werden. Zudem wird jetzt eben die Möglichkeit geprüft, die Preise für das Monatsticket für Abonnements in den drei Aktionsmonaten auf null Euro abzusenken.

Die Einnahmeausfälle, die das Neun-Euro-Ticket verursacht, will der Bund vollständig übernehmen. Die Rede ist von insgesamt 2,5 Milliarden Euro. Noch laufen aber darüber Gespräche zwischen Vertretern von Bund und Ländern. Aktuell ist ein Ausgleich von eben diesen rund 2,5 Milliarden Euro an die Länder im Gespräch. Offen ist noch der Umgang mit zusätzlichen Kunden, die über die bisher vorhergesehene Nutzung von Bussen und Bahnen hinausgeht. Auch ein Ausgleich für die stark gestiegenen Energiekosten wird noch diskutiert.

Land rechnet mit Kosten von 20 Millionen Euro

Für eine erwogene Vergünstigung für Abonnenten in Berlin, die über das Bundes-Angebot von drei Monaten zu je neun Euro hinausgeht, rechnet das Haus von Senatorin Jarasch mit zusätzlichen Kosten für das Land von etwa 20 Millionen Euro. Das wären für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Mindereinnahmen, die durch das Land Berlin zu tragen seien, so die Verkehrsverwaltung.

Aus Sicht des stadtentwicklungspolitischen Sprechers der SPD-Fraktion, Mathias Schulz, sollte das Land sich diese Ausgaben sparen Das Neun-Euro-Ticket eröffne für viele Menschen neue Ziele für den Sommer, schrieb er auf Instagram. „Eine weitere Absenkung der Preise für 20 Millionen Euro lehne ich ab.“ Priorität müsse der Ausbau der Infrastruktur haben, um bessere Verkehrsverbindungen anbieten zu können. Der Linken-Experte Kristian Ronneburg findet die Idee hingegen positiv. Auch er glaubt zwar nicht, dass sich mit null statt neun Euro zusätzliche Fahrgäste gewinnen lassen. Aber für die BVG bedeute ein Null-Euro-Ticket erheblich weniger Aufwand und Kosten. Im Verkehrsverbund sind aber nicht alle Partner für eine solche Lösung. Darüber werde im Verbund diskutiert, sagte Ronneburg.

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