Ukraine-Krieg

Berlin bereitet sich auf Gas-Engpass vor

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Jens Anker
Energiepreise: Fünf Tipps um Gas zu sparen

Energiepreise: Fünf Tipps um Gas zu sparen

Mit Blick auf einen drohenden Gasstop in Deutschland und die steigenden Energiepreise ist eine effiziente Gas-Nutzung besonders wichtig. Diese Tipps helfen dabei:

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Die Netzagentur spricht mit Großunternehmen. Private Haushalte sind nicht betroffen. Russlands Rubel-Ultimatum endet.

Berlin. Die Berliner Netzagentur bereitet sich – auch vor dem Hintergrund des russischen Ultimatums, Gas nur noch gegen die Zahlung mit Rubel nach Westeuropa zu liefern – auf mögliche Gas-Engpässe in der Hauptstadt vor. Die Netzagentur befände sich bereits in Gesprächen mit Großkunden, um nach Möglichkeiten zu suchen, den Energieverbrauch zu senken, sagte Sprecher Andreas Wendt. Er betonte, dass die Bundesregierung im Falle eines Engpasses Notfallpläne ausrufen müsste. Diese sehen drei Eskalationsstufen vor. Die erste Warnstufe beinhalte derartige Abstimmungen. Dabei könne es auch um mögliche Produktionssenkungen gehen, um Energie einzusparen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rief am Mittwoch diese erste Frühwarnstufe aus.

Sollte sich die Lage weiter verschlechtern, müsste die Bundesregierung weitere Maßnahmen beschließen, um den Verbrauch zu senken. Erst bei länger andauernden Lieferschwierigkeiten stehe eine Rationalisierung der Gasversorgung im Raum. Dabei sind jedoch private Haushalte und das Gesundheitswesen besonders geschützt. Sie wären als letzte von einer Regulierung der Gaslieferungen betroffen. Allerdings müssen sich Gaskunden auf weiter steigende Preise einstellen, sollte es zu einer weiteren Eskalation der Lage kommen.



Stromnetz Berlin: Können bei Gas-Stopp Wärmeversorgung nicht 100 Prozent elektrisch machen

Angesichts eines möglichen Gaslieferstopps aus Russland und denkbaren Engpässen bei der Gasversorgung hat Stromnetz-Berlin-Chef Thomas Schäfer vor Herausforderungen bei der Berliner Wärmeversorgung gewarnt. „Wir können die Wärmeversorgung im Herbst nicht zu einhundert Prozent elektrisch machen“, sagte Schäfer am Mittwoch in Berlin. Bei möglichen Engpässen in der Gasversorgung könne es passieren, dass die Vattenfall-Kraftwerke, die Berlin versorgen, ihre Wärmeaufgaben nicht mehr voll erfüllen könnten. Würden viele Haushalte als Reaktion darauf elektrische Heizlüfter oder andere Generatoren anschließen, könnte das Stromnetz an seine Grenzen kommen, so Schäfer. Das Landesunternehmen bereite sich darauf vor, das Thema abschätzbar zu machen und werde dazu eine konkrete Strategie entwickeln.

Auf die Stromversorgung Berlins hätte ein Gas-Stopp aber keine Folgen, sagte Schäfer weiter. Wenn Kraftwerke oder andere Erzeugungsanlagen in Berlin nicht laufen würden, reiche die Verbindung zum Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz aus, um benötigte Energie nach Berlin zu transportieren. „Wir sind immer in der Lage, den Strom von außen nach Berlin hineinzubringen“, erklärte der Stromnetz-Chef. Welche Transportwege das dann innerhalb des europäischen Stromnetzes bedeute, könne heute aber noch niemand sagen.

Ukraine-Krieg: Das Rubel-Ultimatum Russlands endet am Mittwoch

Ein Stopp russischer Energielieferungen würde nach Berechnungen von Wirtschaftsforschern das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland mittelfristig um bis zu drei Prozent einbrechen lassen. Müsste sich die Wirtschaft dauerhaft darauf einstellen, kein Öl und Gas mehr aus Russland zu beziehen, würde der entsprechende Umbau bis zu zehn Jahre in Anspruch nehmen, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag in Berlin mit. Andere Wirtschaftsexperten warnten vor einer „tiefen Rezession“.

Am Mittwoch endet das Ultimatum Russlands, wonach die Gaslieferungen künftig in Rubel bezahlt werden sollen. Damit will Russland die in Schieflage geratene Währung stabilisieren. Deutschland und andere Staaten lehnen das ab und verweisen auf die gültigen Lieferverträge, die eine Bezahlung in Euro oder Dollar vorsehen. Minister Habeck hatte nach dem Votum der G7-Energieminister am Montag von einem „klaren Bruch“ der Verträge gesprochen. Ob Russland die Lieferungen einstellt, ist noch unklar, Russland beharrte auch am Dienstag auf Rubel-Zahlungen.

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Gasag und Berliner Netzagentur geben erst einmal Entwarnung

Was die Versorgung der Berliner Kunden auch bei einem sofortigen russischen Gas-Lieferstopp betrifft, gaben Gasag und Netzagentur am Dienstag erst einmal Entwarnung. Deutschland verfüge über ausreichend Reserven, um den Bedarf in den kommenden Monaten zu decken, wurde am Dienstag versichert. „Außerdem gibt es auf dem Weltmarkt weiter Gas zu kaufen“, sagte Gasag-Sprecherin Ursula Luchner. Gleichzeitig werde der Verbrauch mit dem Ende der Heizperiode im April drastisch sinken.

Unterdessen sind die Verhandlungen zwischen beiden Ländern am Dienstag in Istanbul fortgesetzt worden – trotz anhaltender Bombardierungen der russischen Streitkräfte in der Ukraine. Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums zufolge will Russland seine „militärischen Aktivitäten“ in der Ukraine bei Kiew und Tschernihiw deutlich reduzieren. Diese Entscheidung sei angesichts des Verlaufs der Verhandlungen mit Kiew getroffen worden, teilte der Vizeverteidigungsminister Alexander Fomin in Istanbul mit. Der Schritt solle bei den Gesprächen „das Vertrauen stärken“. Der ukrainische Generalstab teilte mit, im Gebiet um die Hauptstadt Kiew und die nordukrainische Großstadt Tschernihiw werde der Abzug einzelner Einheiten der russischen Streitkräfte beobachtet.

Zuvor hatte die Ukraine bei den Verhandlungen zwischen russischen und ukrainischen Unterhändlern in der Türkei Neutralität im Gegenzug für Sicherheitsgarantien angeboten. Damit würde die Ukraine keinem militärischen Bündnis beitreten, sagten die Unterhändler nach den Gesprächen.