Auf ihm ruhen große Hoffnungen: dem Corona-Impfstoff des Herstellers Novavax, der seit dieser Woche auch in Berlin angeboten wird – und so manchen überzeugen könnte, der die mRNA-Impfstoffe bislang abgelehnt hat. „Wir haben mit vielen anderen Menschen, die auf diesen Impfstoff gewartet haben, lange auf die Lieferung warten müssen“, sagte Berlins Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) am Montag im Impfzentrum Tegel. Am vergangenen Freitag habe Berlin schließlich die ersten 63.000 Dosen erhalten, die Hälfte davon wird in Tegel und im Impf-Drive-in in Lichtenberg verimpft. Die andere Hälfte soll an Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäuser gehen. So wolle Berlin möglichst breit das Interesse abdecken können, das es für diesen Impfstoff gibt, erklärte Gote.

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Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Betreiber des Tegeler Impfzentrums zeigte sich zum Start des proteinbasierten Vakzins Novavax, das auf einem klassischeren Verfahren als die mRNA-Impfstoffe beruht, zufrieden: Für den Montag seien alle 150 verfügbaren Termine ausgebucht gewesen, hieß es. Geimpft wird in einer Impfstraße mit 14 Kabinen, in der zuvor Moderna angeboten wurde. Diesen Impfstoff gibt es nun in Tegel nicht mehr, Biontech wird dagegen weiterhin verimpft.
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Unter den ersten, die an diesem Tag nach Tegel gekommen sind, ist auch Alexander Guse. „Es war eine bewusste Entscheidung, ich wollte auf diesen Impfstoff warten“, sagte der 45-Jährige, der das damit begründete, dass sein Vertrauen in Novavax und dessen Funktionsweise höher sei als bei den bisherigen Impfstoffen. „Das ist eine Gefühlssache“, sagte Guse. Weitere Argumente waren für ihn die Verkürzung des Genesenenstatus auf die drei Monate sowie die Bitte aus seiner Familie, sich impfen zu lassen. Daher habe er sich auch sofort um einen Termin bemüht, als die Vergabe startete. Die Impfung, sagte er, bedeute für ihn vor allem Ruhe. Und die Möglichkeit, wieder in den Urlaub zu fahren.
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Nur gut 9500 Erstimpfungen in Berliner Arztpraxen im Februar
Gesundheitssenatorin Gote sagte, sie sehe durchaus die Möglichkeit, mit dem neuen Impfstoff Gruppen in der Bevölkerung zu erreichen, die dadurch ihre bisherige Impfzurückhaltung überdenken könnten. Sie schränkte aber ein: „Ich erwarte nicht, dass wir allein damit die bestehende Impflücke schließen können.“ Auch mobile Impfteams sollen weiter unterwegs sein. Zuletzt war die Zahl der Impfungen in Berlin deutlich zurückgegangen, wie auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) berichtete. Im Februar, bis einschließlich 27., wurden demnach in Berliner Praxen nur 9513 Personen erstgeimpft. Im Januar waren es 32.563 gewesen, und auch dieser Wert hatte schon deutlich unter denen der Vormonate gelegen. Novavax können die Praxen der KV zufolge seit Montag bestellen – allerdings zunächst nur einmalig 50 Dosen, so eine Sprecherin.
Derzeit sind 77,4 Prozent der Berlinerinnen und Berliner mindestens einmal geimpft. Die Bundesregierung hatte eigentlich das Ziel ausgegeben, dass bis Ende Januar 80 Prozent der bundesweiten Bevölkerung mindestens einmal gegen Corona geimpft sein sollten. Bundesweit liegt der Schnitt bei 76,3 Prozent. Ein neues Datum, bis wann die Quote von 80 Prozent erreicht sein soll, nannte Berlins Gesundheitssenatorin am Montag auf Nachfrage nicht. „Eine konkrete Zielvorgabe geben wir uns nicht“, sagte Gote. Sie gehe aber davon aus, dass es noch das ganze Jahr dauern werde, die Impflücke zu schließen. „Für uns zählt jede Impfung“, sagte sie.
Vivantes-Mitarbeitende können Novavax-Impfungen buchen
Das gilt insbesondere für die Bereiche, in denen bislang noch Ungeimpfte mit vulnerablen Gruppen arbeiten. „Wir wissen, dass gerade aus dem Gesundheits- und Pflegebereich einige Menschen auf den Impfstoff gewartet haben“, berichtete die Grünen-Politikerin. Gote sprach von einem Drittel der in diesem Bereich bislang ungeimpften Mitarbeitenden, die in einer Umfrage Interesse an Novavax signalisiert hätten. Der Klinikkonzern Vivantes nannte auf Nachfrage keine genauen Zahlen zu Impfwilligen oder dem Impfstart in den Krankenhäusern. Vivantes werde „voraussichtlich bald“ erste Novavax-Lieferungen vom Land Berlin erhalten, sagte eine Sprecherin. „Seit Ende letzter Woche können Mitarbeitende von Vivantes entsprechende Impftermine bei der eigenen Personalimpfstelle buchen.“
Im Impfzentrum Tegel sind Novavax-Impfungen bislang nur mit Termin möglich, die Buchungen funktionieren wie bei den anderen Vakzinen über die Plattform doctolib. Künftig soll es dort mehr als 300 Termine am Tag geben. Die Nachfrage gehe nach oben, das habe man am ersten Tag des Angebots gemerkt, sagte Catia Voßberg, Geschäftsführerin des DRK Sozialwerks Berlin. Dennoch sind für Tegel wie für Lichtenberg noch zahlreiche kurzfristige Termine online verfügbar.
Impfzentrum Messe hat ab Dienstag geschlossen
Unterdessen hat am Montag Berlins ältestes Impfzentrum auf dem Messegelände geschlossen. Über 900.000 Impfungen seien dort seit der Eröffnung am 18. Januar 2021 verabreicht worden, hieß es in einer Bilanz der Malteser. Ab Dienstag sind nun noch vier Impfzentren in Berlin in Betrieb: Neben Tegel und Lichtenberg sind das die Standorte im ICC sowie im Ring-Center an der Frankfurter Allee. Für Kinder gibt es außerdem noch die Impfstelle bei Ikea in Lichtenberg. Das Impfzentrum in Tegel soll zunächst bis Mai fortbestehen, sagte Gote. Danach werde man sehen, wie es auch auf Bundesebene mit der Finanzierung der Impfzentren weitergehe.




