Abgeordnetenhaus

Gollaleh Ahmadi ist neue Vorsitzende des Innenausschusses

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Gollaleh Ahmadi ist seit dem 24.01.2022 neue Vorsitzende des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus.

Gollaleh Ahmadi ist seit dem 24.01.2022 neue Vorsitzende des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus.

Foto: Vincent Villwock / Grüne Fraktion Berlin

Gollaleh Ahmadi ist die erste Grüne, die dem Innenausschuss im Abgeordnetenhaus vorsitzt. Am Montag wurde sie einstimmig gewählt.

Berlin. Ob zum Breitscheidplatz-Attentat, zu mutmaßlich rechten Umtrieben in der Berliner Polizei oder zum Dauerthema Rigaer Straße: Nicht selten ging es in den vergangenen Jahren im Innenausschuss des Abgeordnetenhaus heiß her. Wenn dann die Parlamentarier der unterschiedlichen Lager lautstark aneinandergerieten, war es Peter Trapp, der sie mit ruhig-moderierendem Ton wieder zur Räson brachte. Insgesamt 22 Jahre stand der CDU-Politiker dem Gremium vor und leitete 350 Sitzungen. Künftig wird Gollaleh Ahmadi diese Aufgabe übernehmen.

Am Montag wurde Ahmadi zur Vorsitzenden und Nachfolgerin des pensionierten Kriminalpolizisten Trapp gewählt, der mit 74 Jahren im September nicht mehr für das Abgeordnetenhaus kandidierte. Sie ist nicht nur die erste Frau an der Spitze des Ausschusses, sondern auch die erste Grüne. „Es ist eine ganz besondere Ehre“, sagte die 39-Jährige der Berliner Morgenpost nach ihrer Wahl.

Ahmadi, seit 2013 Mitglied der Grünen, ist in dieser Legislatur erstmals im Abgeordnetenhaus vertreten und zog über die Landesliste ein. Sie kommt wie Peter Trapp aus Spandau und war dort in der Bezirksverordnetenversammlung zwischen 2016 und 2021 Chefin der Grünen-Fraktion. Im Abgeordnetenhaus ist sie für die Bereiche Sicherheits- und Medienpolitik zuständig.

Ahmadi ist mit ihren Eltern 1996 aus dem Iran geflüchtet

Ahmadis Geschichte beginnt knapp 3500 Kilometer von Berlin entfernt. 1982 wurde sie als Tochter einer Journalistin und eines Gewerkschaftsfunktionärs in der iranischen Hauptstadt Teheran geboren. 1996 flüchtete die Familie vor dem Regime nach Deutschland und lebte fortan im brandenburgischen Fürstenwalde.

Dort habe sie auch Rassismus erfahren. „In der Regionalbahn war mein Vater die einzige Person, die kontrolliert wurde und seinen Ausweis vorzeigen musste.“ Auch Gewalt habe es gegeben – etwa Angriffe von Nazis vor einem Club in Fürstenwalde und fehlende Unterstützung durch die Polizei. „Das sind Momente, die ich erlebt habe und die mich geprägt haben“, sagt Ahmadi. Auf der anderen Seite habe es auch viel Solidarität gegeben.

Beschäftigt habe sie sich bislang vor allem mit den Themen Gewaltschutz, Gewalt gegen Frauen und Racial Profiling. „Ich weiß, dass Veränderungen nicht von heute geschehen, da braucht es eine andere Perspektive.“

Enge Zusammenarbeit mit Stellvertreter aus der CDU

Sie sehe sich als Ausschussvorsitzende in einer moderierenden Rolle, sagt Ahmadi. „Wenn sich Diskussionen im Kreis drehen, werde ich eingreifen.“ Dabei wolle sie vor allem ihren Stellvertreter Alexander Herrmann mit einbeziehen. Der stammt aus der CDU und damit aus der Opposition.

Im Ausschuss stehen als nächstes wohl eine Regierungserklärung der neuen Innensenatorin Iris Spranger (SPD) an. Außerdem werden laut Ahmadi vor allem die Corona-Spaziergänge und der Infektionsstand bei Polizei und Feuerwehr auf der Tagesordnung stehen.