Antisemitismus

Neue Kampagne: Mit Plakaten gegen Antisemitismus

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In Berlin wird ab Montag mit Plakaten auf Antisemitismus aufmerksam gemacht. Ziel ist, Berlinerinnen und Berliner zu sensibilisieren.

Berlin. Das Land Berlin und die Jüdische Gemeinde der Hauptstadt wenden sich mit einer neuen Kampagne gegen Antisemitismus an Zeuginnen und Zeugen solcher Vorfälle. Der Kampf dagegen sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Montag bei der Vorstellung der Plakataktion „Hinsehen, Erkennen und Handeln – Das ist Antisemitismus“.

Antisemitismus sei oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen, sodass die Vorfälle häufig nicht als solche angezeigt oder dokumentiert würden. Entsprechend groß sei das Dunkelfeld, dass es zu erhellen gelte, sagte Spranger. Auf den Plakaten sind vermeintlich alltägliche Situationen abgebildet. Insgesamt vier Motive gibt es: Einen älteren lachenden Mann, der offensichtlich gerade einen Witz erzählt hat, einen Jungen, der bedroht wird, ein Klassenzimmer während des Unterrichts und einen Rapper am Mikrofon.

„Das ist Antisemitismus und kein Witz“, „… und kein Streit“, „… und keine These“ sowie „...und kein Reim“ lauten die Überschriften. Dabei wird auf die Internetseite der zur Innenverwaltung gehörenden „Landeskommission Berlin gegen Gewalt“ verwiesen.

Sensibilisierung für Antisemitismus schafft Aufklärung

Es gehe zunächst um die Sensibilisierung für verschiedene Ausprägungen antisemitischer Vorfälle, sagte der Beauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gegen Antisemitismus, Sigmount Königsberg. „Dies wäre ein erster, wichtiger Schritt, denn Sensibilität schärft Aufmerksamkeit, und wer aufmerksam ist, schaut hin, lässt Antisemitismus nicht ohne weiteres geschehen und stärkt somit dessen Bekämpfung.“

Die Plakate sollen in den kommenden zwei Wochen überall in der Stadt zu sehen sein. Außerdem werden für Schulen und für außerschulische Bildungsarbeit Materialien zur Verfügung gestellt. Finanziert wurde die Kampagne aus dem Fonds zur Unterstützung Betroffener politisch-extremistischer Gewalt.

Im ersten Halbjahr 2021 insgesamt 522 antisemitische Vorfälle in Berlin

Dokumentiert werden solche Vorfälle unter anderem von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS). Die legte zuletzt im Dezember Zahlen für das erste Halbjahr 2021 vor. Demnach wurden in Berlin in diesem Zeitraum 522 Vorfälle registriert – 122 mehr als im Vergleichszeitraum 2020.

Als Ursachen wurde vor allem das Aufflammen des israelisch-palästinensischen Konflikts im Frühjahr und die Corona-Pandemie benannt. In ihrem Zusammenhang werden vor allem aus den Reihen der Impfgegner und Querdenker judenfeindliche Verschwörungserzählungen verbreitet.

Die Zahlen der RIAS bilden allerdings nur das Hellfeld der Vorfälle ab, die tatsächlich als antisemitische erkannt und gemeldet wurden. Mit der Kampagne erhoffen sich Innenverwaltung und Jüdische Gemeinde nun zusätzlich, das Dunkelfeld weiter zu verkleinern.

Ab 21. Januar auch Kampagne gegen antimuslimischen Rassismus

„Jede Berlinerin und jeder Berliner kann auf Vorfälle achten, sie benennen, den Betroffenen zur Seite stehen, den Berliner Register- und Meldestellen mitteilen und antisemitische Gewalt zur Anzeige bringen“, sagte Innensenatorin Spranger. „Gemeinsam können wir so Antisemitismus zielgerichteter bekämpfen.“ Ab dem 21. Januar soll eine weitere Kampagne gegen antimuslimischen Rassismus folgen.