Einzelhandel

Winterschlussverkauf in Berlin: „Die Lager sind voll“

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Charlotte Bauer
Sale in der City West: Schilder weisen auf Rabatte im Schlussverkauf nach dem Jahreswechsel hin.

Sale in der City West: Schilder weisen auf Rabatte im Schlussverkauf nach dem Jahreswechsel hin.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Viele Berliner Geschäfte werben beim Winterschlussverkauf mit Rabatten. Die Winterware soll in den Lagern Platz machen.

Berlin. Der Winterschlussverkauf hat begonnen: Am Kurfürstendamm in der City West sind die Schaufenster der Geschäfte plakatiert mit großen Schildern, auf denen „Sale“ steht. Die reduzierten Angebote variieren von 25 bis 75 Prozent Rabatt.

Der Grund für die hohen Rabatte liegt auch in den schlechten Verkaufszahlen der vergangenen Wochen. „Die Lager sind voll“, bestätigt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Das liege vor allem daran, dass in vielen Läden das Weihnachtsgeschäft „schlecht“ lief. Hinzukomme, dass im Januar kaum noch jemand Wintermode kaufe.

Viele Händlerinnen und Händler würden versuchen, die noch übrig gebliebene Winterware loszuwerden. Für die Geschäfte sei es besser, die Ware zu einem geringeren Preis zu verkaufen, als gar nicht. Die meisten Geschäfte hätten laut Busch-Petersen 20 bis 40 Prozent weniger Umsätze gemacht als vor der Corona-Pandemie. Die Reduzierungen betreffen die ganze Bandbreite an Waren, weil „nirgendwo das Geschäft richtig gut lief“.

Volles Lager bei Peek und Cloppenburg

Am Schaufenster vor dem Kaufhaus Peek und Cloppenburg an der Tauentzienstraße bildete sich am Montagnachmittag eine lange Schlange. „Bis zu 50 Prozent reduziert“ stand groß am Schaufenster. „Es ist einfach noch sehr viel Ware da, unser Lager ist voller als normalerweise“, erklärte eine Sprecherin. Zwar habe man versucht, beim Einkauf der Ware darauf zu achten, weniger zu bestellen, aber dennoch müsse das Kaufhaus viel Ware einlagern. Denn durch die Corona-Regeln seien deutlich weniger Kunden gekommen und hätten somit auch weniger gekauft. Planbar war das nach Auskunft der Sprecherin nicht. „Die Maßnahmen haben uns hart getroffen“, sagte sie.

Auch im Schuhgeschäft Budapester am Kurfürstendamm blieb die Kundschaft aus. Geschäftsführer Andreas Schläwicke sagte, das liege vor allem daran, dass nach wie vor in Berlin Touristen fehlen. Der Winterschluss-Verkauf werde allerdings gut angenommen. „Vor allem viele Stammkundinnen und Kunden wissen, dass wir zu dieser Zeit reduzieren und kommen dann extra her, um sich vielleicht einen Schuh zu kaufen, der ihnen vorher zu teuer war“, so Schläwicke.

So steht im Laden eine braune Lederhandtasche der Marke Alexander McQueen, die statt 795 Euro jetzt 498 Euro kostet. Insgesamt ist derzeit laut Schläwicke rund 60 Prozent der Winterware reduziert. Der Preisnachlass variiert zwischen 25 und 35 Prozent. „Wir konzentrieren uns jetzt auf die Frühjahrs- und Sommerware“, sagte er. Das Lager sei jedoch nicht außerordentlich voll, er könne sich gut vorstellen, dass andere Geschäfte mehr Probleme haben und an Ware „ertrinken“.

Mohssen Zargan, Ladenmanager bei dem Modegeschäft „GANT“ im Einkaufszentrum Bikini, ist erleichtert, dass er seine übrig gebliebene Ware ans Zen- trallager und an die Outlet-Geschäfte schicken kann. „Die Kaufkraft der Menschen hat im letzten Jahr stark nachgelassen“, sagte er. „Das merken wir deutlich.“ Um Kunden zum Kaufen zu motivieren, will er nun erneut die Rabatte erhöhen. Aktuell sei gut die Hälfte des Sortiments um 30 Prozent reduziert. Auch er zählt auf die Stammkunden, die vom Wintersale wissen und extra dafür in den Laden kommen.

Besonders gefragt sei dementsprechend die Wintermode. Ein Lammwollpullover kostet bei „GANT“ derzeit mit 130 Euro etwa 39 Euro weniger als sonst. Ab Dienstag sollen die Rabatte auf 40 bis 50 Prozent erhöht werden. Zudem soll das Angebot auf noch mehr Produkte ausgeweitet werden. Zargan sieht sich dazu auch veranlasst, weil die meisten Nachbargeschäfte schon vor Silvester bis zu 50 Prozent Preisnachlässe angeboten hätten.

Rund 80 Prozent der Ware reduziert

Das gilt etwa für das Geschäft Blutsgeschwister, das sich ebenfalls im Einkaufszentrum Bikini befindet. In dem Modeladen ist ein Großteil der Ware zwischen 20 und 40 Prozent reduziert. Das Angebot gelte bereits seit Weihnachten, sagte die Ladenmanagerin. Auch bei Blutsgeschwister überlege man den Preisnachlass noch weiter zu erhöhen, eine finale Entscheidung dazu stehe allerdings noch aus. „In unserem Online-Shop haben wir weniger reduziert, weil wir bewusst den Menschen einen Anreiz zum Einkaufen im Laden bieten wollen“, sagte die Ladenmanagerin ihr Konzept beim Wintersale, das sich in diesem Jahr ganz grundsätzlich von dem der Vorjahre unterscheide. „Normalerweise reduzieren wir immer stückweise“, sagte sie, „aber in diesem Jahr haben wir gleich einen Großteil der Ware reduziert.“ Rund 80 Prozent des Sortiments seien aktuell zu einem niedrigeren Preis erhältlich. Die Aktion zahle sich aus: Tatsächlich würden mehr Kunden ins Geschäft kommen.