Vor fast zwei Jahren, im Frühjahr 2020, erklärte ein Virologe in der „Tagesschau“, dass eine Pandemie ein, eher zwei Jahre dauern werde. Ich erinnere mich genau, so groß war mein Schock. Ich rief meinem Mann zu: „Hast du das gehört? Zwei Jahre! Ein Jahr schaffe ich, aber nicht zwei.“ Nun, es ist genau zwei Jahre her, als Ende Dezember die ersten Nachrichten aus dem chinesischen Wuhan eintrafen, in denen von einer neuen Lungenkrankheit mit oft tödlichem Verlauf die Rede war. Zwei Jahre Corona-Pandemie liegen hinter uns – und ja, wir haben es geschafft.

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So mag Ihnen und mir an diesem Jahreswechsel wahrscheinlich nicht zum ausgelassenen Feiern zumute sein, weil uns die Sorgen vor der vierten oder einer fünften Corona-Welle umtreiben, weil die neue Omikron-Variante so viel ansteckender ist, weil sich die Intensivstationen europaweit wieder füllen, weil man sich wundert, wie unvorbereitet Deutschland jetzt wieder agiert und wie viele Daten nach den Weihnachtsfeiertagen fehlen, wie schlecht es nach zwei Jahren Corona-Pandemie noch immer um die Ausstattung in den Gesundheitsämtern, um die Digitalisierung der Behörden bestellt ist.

Aber: Wenn wir uns an den Jahreswechsel 2020/21 zurückerinnern, dann fällt doch auf, wie viel weiter wir gekommen sind. Es gibt kostenfreie Corona-Schnelltests, es gibt zum Glück die Impfungen, jetzt auch für die Kinder und Jugendlichen. Die Impfzentren sind geöffnet und funktionieren, viele Hausärzte impfen mit einer wohltuenden Selbstverständlichkeit und Routine. Wir haben uns daran gewöhnt, die FFP2-Masken zu tragen und uns im Öffentlichen Nahverkehr oder bei Zugfahrten zu schützen. In diesem Monat wurden auch die ersten Medikamente gegen das Coronavirus zugelassen, die verhindern, dass Menschen schwer erkranken oder sterben müssen. Das macht Hoffnung, uns allen, aber vor allem denjenigen, die zu den Risikogruppen zählen.

Mein Respekt gilt nach diesem Jahr vielen Menschen – dem Pflegepersonal in Kliniken und Seniorenheimen, den Ärztinnen und Ärzten, den Feuerwehr-Leuten und Polizistinnen und Polizisten, die für unsere Gesundheit und Sicherheit sorgen, aber auch den vielen Einzelhändlern, Verkäuferinnen, den Gastronomen und Hoteliers, all denen, die nicht aufgeben und sich nicht abschrecken lassen von Rückschlägen und politischem Durcheinander. Und ganz besonders bewundere ich die Kinder und Jugendlichen, die seit zwei Jahren so viele Einschränkungen hinnehmen müssen, die lange Zeit im Homeschooling waren, die in der Schule wieder Maske tragen müssen, die ihr Aufwachsen nicht unbeschwert erleben können. Sie sind meine Helden dieses Jahres.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für 2022 – und viel Mut und Zuversicht.

Ihre Christine Richter, Chefredakteurin

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