Sie sind gewissermaßen ein vorzeitiges, wenn auch recht teures Weihnachtsgeschenk: die beiden neuen Doppeldecker, die ersten Serienfahrzeuge der nächsten Generation, die bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) angekommen sind. Bereits an diesem Donnerstag wird einer der zwei Busse auf der Linie X83 in Steglitz-Zehlendorf in den Fahrgastbetrieb gehen. Insgesamt 198 Serienfahrzeuge hat die BVG beim schottischen Hersteller Alexander Dennis bestellt. Kosten pro Fahrzeug: rund 600.000 Euro.
Schon im Herbst 2020 waren zwei Prototypen der Doppeldecker mit 80 Sitzplätzen nach Berlin gekommen, die bereits in der Stadt unterwegs sind und ausgiebig getestet wurden. Im Ergebnis habe es noch einmal 130 Änderungswünsche gegeben, von denen die meisten der BVG zufolge auch umgesetzt wurden.
USB-Lademöglichkeiten und Außenkamera
Rolf Erfurt, Betriebsvorstand der BVG, sprach bei einer Probefahrt am Mittwoch, bei der er selbst hinterm Steuer saß, von einem sehr modernen Fahrzeug. Fahrgästen zeigt etwa ein Display mit Videobild an, wie voll das Oberdeck ist. Die Treppen sind beleuchtet, es gibt USB-Lademöglichkeiten. Auf dem Oberdeck habe sich zudem die Heizung und die Klimatisierung verbessert, sagte Torsten Mareck, Bereichsleiter Bus bei der BVG.
Und wie Betriebsvorstand Erfurt aus eigener Erfahrung berichten konnte, gibt es auch für Fahrerinnen und Fahrer Verbesserungen, durch ein leichteres Lenken oder mehr Sitzkomfort. Eine Außenkamera erfasst zudem Fußgänger oder Fahrradfahrer beim Rechtsabbiegen.

Mit den neuen Fahrzeugen wird die stark geschrumpfte Doppeldecker-Flotte der BVG deutlich verstärkt: 113 der alten Fahrzeuge aus den Jahren 2005 bis 2009 sind derzeit noch einsatzfähig. Gegeben hatte es einmal mehr als 400 von ihnen. Die verbliebenen werden nun schrittweise abgelöst.
Die Linien, auf denen die neuen Doppeldecker fahren, sollen grundsätzlich denen entsprechen, wo auch schon heute doppelstöckige Busse fahren, sagte Buschef Mareck. „Es sind Linien mit hohem Fahrgastaufkommen, wo Fahrgäste auch häufig längere Strecken zurücklegen.“
Im kommenden Frühjahr soll planmäßig die Serienlieferung der Doppeldecker beginnen. Fünf Fahrzeuge werden pro Woche erwartet, die letzten Anfang 2023. „Wir liegen wirklich im Lieferplan“, betonte Erfurt, und das trotz erschwerter Bedingungen durch die Corona-Pandemie. Normalerweise fahre man zum Hersteller, mache die Abnahme der Busse vor Ort, erklärte der Betriebsvorstand. „Vieles davon war aufgrund von Reisebeschränkungen nicht möglich.“
Die letzten Dieselfahrzeuge, die beschafft werden
Stattdessen mussten auch hier, wie bei so vielen im Berufsalltag während der Pandemie, Videokonferenzen genügen. Mit der Qualität der ersten Fahrzeuge ist man bei der BVG aber zufrieden, zugleich sind die Erwartungen hoch, wie Mareck deutlich machte. Man habe auf eine erprobte Technik, etwa beim Motor, gesetzt, erklärte der Bus-Chef. Davon verspricht sich die BVG weniger technische Probleme und eine hohe Verfügbarkeit der neuen Flotte.

Für das Verkehrsunternehmen läuten die Doppeldecker aber auch das Ende einer Ära ein: „Es sind die letzten Dieselfahrzeuge, die wir bekommen“, sagte Rolf Erfurt. Knapp 140 Elektrobusse sind bereits heute bei der BVG im Einsatz.
Mitte des Jahrzehnts hoffe man, dann auch die ersten Elektro-Doppeldecker bestellen zu können, sagte der Betriebsvorstand. Alternative umweltfreundliche Antriebsarten seien explizit auf ihre Eignung für doppelstöckige Busse im Stadtverkehr untersucht worden. Auch Wasserstoff hatte man dabei im Blick, die Entscheidung fiel aber auf die Batteriefahrzeuge. „Aus Kostengründen“, so Erfurt.
Ein weiterer Vorteil sei, dass man so einer Technologie treu bleibe, der Fokus kann so also klar auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur und den entsprechenden Umbau der Betriebshöfe gesetzt werden. Noch aber ist die Technik noch nicht so weit, um bereits jetzt auf Doppeldecker mit Batterie zu setzen. „Es gibt heute noch keine Elektro-Doppeldecker, die die Berliner Anforderungen erfüllen“, sagte Erfurt.
2022 kommen 90 weitere E-Busse
Bei den einstöckigen Bussen sieht das anders aus. Erst am Dienstag hat die BVG für 90 weitere E-Fahrzeuge den Zuschlag an den niederländischen Hersteller Ebusco erteilt. Das erste Fahrzeug wird bereits im kommenden Sommer erwartet, das letzte soll Ende 2022 eintreffen. Mit dieser Bestellung werde man Elektrobusse erstmal auch in den Westen und Süden Berlins bringen, sagte Erfurt. Dazu werden die Betriebshöfe Britz und Cicerostraße derzeit mit Ladeinfrastruktur für je 30 E-Busse ausgerüstet.
Erfurt verwies dabei auch auf die deutlich verbesserte Reichweite gegenüber den ersten Batteriebussen. Die würden etwa 130 Kilometer schaffen, bei den neuen sind es bis zu 290. „Der Technologiesprung ist schon spürbar“, so Erfurt. Insgesamt liegt das Budget für den Kauf der neuen Fahrzeuge inklusive dem Ausbau der Ladeinfrastruktur bei 65 Millionen Euro.



