Rot-Grün-Rot

Das ist der neue Senat von Berlin

| Lesedauer: 11 Minuten
Die SPD Politikerin Franziska Giffey am 21. Dezember 2021 bei der Ernennung der Senatoren im "Roten Rathaus" in Berlin. vl. erste Reihe Lena Kreck (Justizsenatorin Linke), Katja Kipping (Sozialsenatorin Linke), Franziska Giffey (Regierende Bürgermeisterin SPD), Bettina Jarasch (Verkehrssenatorin Grün), Klaus Lederer (Kultursenator Linke) vl. zweite Reihe, Ulrike Gote (Gesundheissenatorin Grüne), Stephan Schwarz (Wirtschaftssenator Parteilos), Andreas Geisel (Bausenator SPD), Iris Spranger (Innensenatorin SPD), Astrid Busse (Bildungssenatorin SPD) und Daniel Wesener (Finanzsenator Grüne). Foto: Reto Klar / Funke Foto Services

Die SPD Politikerin Franziska Giffey am 21. Dezember 2021 bei der Ernennung der Senatoren im "Roten Rathaus" in Berlin. vl. erste Reihe Lena Kreck (Justizsenatorin Linke), Katja Kipping (Sozialsenatorin Linke), Franziska Giffey (Regierende Bürgermeisterin SPD), Bettina Jarasch (Verkehrssenatorin Grün), Klaus Lederer (Kultursenator Linke) vl. zweite Reihe, Ulrike Gote (Gesundheissenatorin Grüne), Stephan Schwarz (Wirtschaftssenator Parteilos), Andreas Geisel (Bausenator SPD), Iris Spranger (Innensenatorin SPD), Astrid Busse (Bildungssenatorin SPD) und Daniel Wesener (Finanzsenator Grüne). Foto: Reto Klar / Funke Foto Services

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Franziska Giffey lenkt künftig mit neun Senatorinnen und Senatoren die Geschicke der Hauptstadt. Der Berliner Senat in Einzelporträts.

Franziska Giffey – Die Chefin

Name: Franziska Giffey, Regierende Bürgermeisterin von Berlin
Familienstand: verheiratet, ein Kind
Geburtsdatum: 3. Mai 1978
Wohnhaft in: Friedrichshain
Partei: seit 2007 in der SPD
Berufsbildung: Giffey studierte Verwaltungsrecht an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (FHVR) in Berlin. 2001 Abschluss als Diplom-Verwaltungswirtin (FH). Anschließend an der FHVR Berlin von 2003 bis 2005 ein Studium der Fachrichtung Europäisches Verwaltungsmanagement, Abschluss Master of Arts. Von 2005 bis 2010 berufsbegleitendes Promotionsstudium in Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. 2010 wurde sie an der FU Berlin zur Dr. rer. pol. promoviert. Der Doktorgrad wurde ihr im Juni 2021 wieder entzogen.
Letzte Tätigkeit: Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (14. März 2018 bis 19. Mai 2021)
Erstes politisches Vorhaben: Kaum vier Stunden im Amt, nahm die SPD-Chefin als neue Regierende Bürgermeisterin Berlins am Dienstag erstmals an der Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Lage teil. Ihre größte Herausforderung wird es aber sein, die rot-grün-rote Regierungskoalition zusammenzuhalten, denn die erste große Zerreißprobe wird nicht lange auf sich warten lassen. Spätestens in einem Jahr, wenn die Expertenkommission zum Umgang mit dem Volksentscheid zur Enteignung großer Wohnungskonzerne ihr Votum abgibt, wird sich zeigen, ob Giffey dieses offene Streitthema abräumen kann.

Iris Spranger – Mieten-Expertin führt die Polizei und die Feuerwehr

Name: Iris Spranger, Senatorin für Inneres, Digitalisierung und Sport
Familienstand: verheiratet, ein Sohn
Geburtsdatum: 19. September 1961
Wohnhaft in: Frohnau
Partei:
Spranger trat 1994 in die SPD ein. Sie sitzt seit 1999 im Abgeordnetenhaus. Zwischen 2006 und 2011 war sie Finanzstaatssekretärin. Seit 2018 ist sie SPD-Kreisvorsitzende in Marzahn-Hellersdorf. Berufsausbildung: Iris Spranger studierte von 1986 bis 1991 Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (ohne Abschluss). Ab 1993 arbeitete sie als Bilanzbuchhalterin und gründete ein Jahr später ein Unternehmen im Bereich Finanzbuchhaltung.
Letzte Tätigkeit:
Zuletzt war Spranger bau- und mietenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.
Erstes politisches Vorhaben:
Als neue Innensenatorin wird es für Spranger darauf ankommen, die begonnene Einstellungsoffensive bei der Polizei und Feuerwehr voranzutreiben und vor allem die lange versprochene Digitalisierung der Verwaltung zu vollziehen.

Stephan Schwarz – Unternehmer soll Wirtschaft durch die Pandemie bringen

Name: Stephan Schwarz , Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe
Familienstand: ledig, keine Kinder
Geburtsdatum: 15. Mai 1965
Wohnhaft in: Steglitz-Zehlendorf
Partei: parteilos
Berufsbildung: Nach dem Abitur in Berlin studierte Schwarz bis 1986 Philosophie und Geschichtswissenschaften an der Freien Universität Berlin, von 1987 bis 1989 an der Université de Paris IV (Sorbonne) und schloss er mit einem Magister-Abschluss ab.
Letzte Tätigkeit: Geschäftsführender Gesellschafter der GRG Services Berlin GmbH & Co. KG. Den Gebäudereiniger hatte er zusammen mit seinem Bruder Heiko geführt. Seit November 2019 war er zudem Mitglied im von der Bundesregierung berufenen Expertengremium Rat der Arbeitswelt.
Erstes politisches Vorhaben: Als neuer Wirtschaftssenator wird Schwarz dafür sorgen müssen, dass die Berliner Unternehmen gut durch die neuerliche Corona-Welle kommen – und danach wieder auf den vor der Pandemie eingeschlagenen Wachstumspfad zurückkehren.

Lena Kreck – Juraprofessorin führt die Justiz ins digitale Zeitalter

Name: Lena Kreck, Senatorin für Justiz, Vielfalt, Antidiskriminierung
Familienstand: keine Angaben
Geburtsdatum: 1980
Wohnhaft in: keine Angaben
Partei: Seit 2007 Mitglied der Linkspartei, zuvor seit 2005 in der PDS.
Berufsbildung: Die Juristin studierte Rechtswissenschaft an der Humboldt-Universität und promovierte am Zentrum für Europäische Rechtspolitik der Universität Bremen mit der Arbeit „Exklusionen/Inklusionen von Umweltflüchtlingen“.
Letzte Tätigkeit: Professorin an der Evangelischen Hochschule Berlin, Fachbereich „Recht und Gesellschaft“.
Erstes politisches Vorhaben: Lena Kreck hat angekündigt, die Digitalisierung der Justiz voranzubringen und das Personal aufzustocken. Zudem werde sie sich dafür einsetzen, dass der offene Vollzug ausgebaut wird und der Resozialisierungsgedanke mehr im Vordergrund steht. Außerdem wolle sie Räumungstitel verhindern, damit niemand seine Wohnung verliert.

Astrid-Sabine Busse – Schulleiterin soll Lehrermangel in Berlin beseitigen

Name: Astrid-Sabine Busse, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie
Geburtsdatum
: 23. Oktober 1957
Wohnhaft in: Tempelhof
Familienstand
: ledig
Berufsausbildung
: Busse studierte von 1976 bis 1981 an der Pädagogischen Hochschule Berlin Geographie auf Lehramt. Ihr Referendariat absolvierte sie von 1982 bis 1984 an einer Grundschule in Marienfelde. Danach arbeitete sie unter anderem als Lehrerin an der Neuköllner Hans-Fallada-Schule und der Peter-Petersen-Grundschule. 1992 wurde sie Schulleiterin der Schule in der Köllnischen Heide.
Partei
: Busse ist erst seit einer Woche SPD-Mitglied. „Ich musste nicht in die Partei eintreten, für mich gehört es aber zum Gesamtpaket dazu“, sagt Busse.
Letzte Tätigkeit:
Busse war von 1992 bis zum gestrigen Dienstag Schulleiterin der Schule in der Köllnischen Heide.
Erstes politisches Vorhaben:
Eine Lösung des Personalproblems an den Schulen steht für Busse ganz oben auf der Agenda und „muss energisch verfolgt werden“. Dazu gehöre auch die Verbeamtung der Lehrkräfte, die „ich so schnell wie möglich hinbekommen möchte“, sagte Busse.

Andreas Geisel – Ökonom soll Wohnungsnot in Berlin beheben

Name: Andreas Geisel, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Geburtsdatum: 1. März 1966
Wohnhaft in: Lichtenberg
Partei: seit 1990 SPD-Mitglied, 1989 Austritt aus der SED
Berufsausbildung: Berufsausbildung mit Abitur zum Facharbeiter für Nachrichtentechnik, später an der Hochschule für Verkehrswesen in Dresden, Abschluss als Diplomökonom. 1992 bis 1995 Aufbaustudium in Betriebswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität.
Letzte Tätigkeit: Senator für Inneres von 2016 bis 2021
Erstes politisches Vorhaben:. Geisel, der bereits von 2014-2016 Stadtentwicklungssenator in Berlin war, muss vor allem den Neubau in Gang bringen: Die rot-grün-rote Landesregierung hat sich darauf geeinigt, 200.000 bezahlbare Wohnungen bis zum Jahr 2030 zu errichten. Dazu muss er ein Neubaubündnis mit den Privaten und den Genossenschaften schließen.

Bettina Jarasch – Frühere Journalistin treibt die Verkehrswende voran

Name: Bettina Jarasch, Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz
Familienstand: verheiratet, zwei Söhne
Geburtsdatum: 22. November 1968
Wohnhaft in: Wilmersdorf
Partei
: Grünen-Mitglied seit 2009
Berufsbildung
: Nach dem Abitur absolvierte sie ein Volontariat bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung, bevor sich nach Berlin zog und Politik und Philosophie studierte. Danach wechselte sie als Referentin in den Bundestag. 2011 wurde sie zusammen mit Daniel Wesener Vorsitzende der Berliner Grünen.
Letzte Tätigkeit:
Jarasch war religionspolitische Sprecherin der Fraktion und Spitzenkandidatin der Grünen.
Erstes politisches Vorhaben
: Ihre erste Aufgabe wird darin bestehen, die Mobilitätswende mit mehr Tempo voranzutreiben und die Verfahren zu verkürzen. Jarasch ist aktiv in der Katholischen Kirche, mit einem RBB-Journalisten verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in Wilmersdorf

Ulrike Gote – Krisenmanagerin in einer epidemischen Notlage

Name: Ulrike Gote, Senatorin für Gesundheit und Wissenschaft
Familienstand
: verheiratet, drei Kinder
Geburtsdatum
: 26. Oktober 1965
Wohnhaft in
: Kassel
Partei
: Gote war politisch lange in Bayern tätig, unter anderem als stellvertretende Landtagspräsidentin und Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen.
Berufsbildung
: Diplom-Geoökologin.
Letzte Tätigkeit
: Die letzten drei Jahre arbeitete Gote als Gesundheitsdezernentin in Kassel. Sie hat sich einerseits einen guten Ruf als Krisenmanagerin erworben, andererseits aber auch Kritik ausgelöst, weil sie sich gegen Luftfilter in Klassenzimmern aussprach und stattdessen Stoßlüften empfahl.
Erstes politisches Vorhaben:
Sofort nach der Vereidigung hielt sie ihre erste Rede im Abgeordnetenhaus und reichte die Vorlage zur Ausrufung der epidemischen Notlage ein. Gote befindet sich von er ersten Stunde an im Corona-Krisenmodus.

Katja Kipping – Rechtsexpertin kämpft für Alleinerziehende

Name: Katja Kipping, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales
Geburtsdatum
: 18. Januar 1978
Familienstand
: verheiratet, eine Tochter
Wohnhaft in: Dresden und Berlin
Berufsausbildung
: Kipping studierte von 1997 bis 2003 Slawistik mit den Nebenfächern Amerikanistik und Öffentliches Recht an der TU Dresden und schloss als Magistra Artium ab.
Partei
: 1998 wurde sie Mitglied der PDS (heute: Linke). 1999 bis 2003 gehörte sie dem Stadtrat von Dresden an, von 1999 bis 2005 dem sächsischen Landtag. Danach zog sie für ihre Partei in den Bundestag ein.
Letzte Tätigkeit:
Von 2012 bis 2021 war Kipping zusammen mit Bernd Riexinger Bundesvorsitzende der Linken.
Erstes politisches Vorhaben:
Neben dem Einsatz für Geflüchtete und Obdachlose liege es ihr vor allem am Herzen, die soziale Lage von Alleinerziehenden zu verbessern, sagte Kipping bei ihrem ersten landespolitischen Auftritt bei einer Linken-Veranstaltung.

Klaus Lederer – Jurist bietet Künstlern Perspektive nach der Krise

Name: Klaus Lederer, Senator für Kultur, Medien und Europa
Familienstand
: verheiratet
Geburtsdatum
: 21. März 1974
Wohnhaft in
: Prenzlauer Berg
Partei:
Lederer trat 1992 der damaligen PDS (heute Linke) bei. Er sitzt seit 2003 im Berliner Abgeordnetenhaus. Er rückte für Harald Wolf nach, der damals Wirtschaftssenator wurde. 2005 wurde er Landesvorsitzender. Lederer ist zudem in der Queer-Szene aktiv und wirbt für gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Beziehungen.
Letzte Tätigkeit:
Lederer war bereits im rot-rot-grünen Senat seit 2016 Kultursenator.
Erstes politisches Vorhaben:
Für ihn wird es zuerst darum gehen, die Kulturszene in Berlin weiter durch die Corona-Krise zu führen und gerade den vielen soloselbstständigen Künstlern eine Überlebensperspektive zu geben. Dabei wird es darauf ankommen, erneut landesweite Hilfsprogramme auf den Weg zu bringen, da die Künstler und Club-Betreiber meist nicht von den Bundesprogrammen profitieren.

Daniel Wesener – Kunsthistoriker ordnet die Finanzen der Hauptstadt

Name: Daniel Wesener, Senator für Finanzen
Geburtsdatum
: 5. Dezember 1975
Familienstand
: verpartnert
Wohnhaft in:
Friedrichshain-Kreuzberg
Berufsbildung:
Studium der Geschichte und Kunstgeschichte (ohne Abschluss)
Partei:
Wesener ist seit 2001 Mitglied der Grünen. Er arbeitete für den Bundestagsabgeordneten Christian Ströbele. 2011 wurde er zusammen mit Bettina Jarasch Landesvorsitzender. Seit 2016 sitzt er im Abgeordnetenhaus.
Letzte Tätigkeit:
In der vergangenen Legislaturperiode war Wesener haushaltspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion und deren Parlamentarischer Geschäftsführer.
Erstes politisches Vorhaben:
Zeit zur Eingewöhnung wird Wesener nicht haben, gleich nach Amtsantritt muss er den nächsten Landeshaushalt auf den Weg bringen, der wegen der andauernden Pandemie erneut mit vielen Fragezeichen ausgestattet sein wird. Zudem muss er sicherstellen, dass die Hilfsgelder bereit stehen und zügig an die Betroffenen ausgezahlt werden.