Kriminalität

Polizisten sollen für Kokainschmuggler gearbeitet haben

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Andreas Gandzior
Kokain auf Palettenschiene

Kokain auf Palettenschiene

Foto: BKA

Ein Polizist und eine Mitarbeiterin eines Bezirksamtes wurden verhaftet. Beide sind in U-Haft. Ermittlungen gegen weitere Verdächtige.

Berlin. Am Dienstagmorgen hat das Bundeskriminalamt (BKA) in Zusammenarbeit mit der Berliner Staatsanwaltschaft zu einem großer Schlag gegen die organisierte Drogenkriminalität ausgeholt. Ziel war eine Bande, die knapp fünf Tonnen Kokain von Südamerika nach Deutschland geschmuggelt haben soll. Die Staatsanwaltschaft und das BKA sprachen von einem „herausragenden Erfolg“.

Im Zusammenhang mit diesen Ermittlungen stehen auch ein Polizist und zwei Mitarbeiter eines Bezirksamtes unter anderem wegen Bestechlichkeit und Falschbeurkundung unter Verdacht. Zwei Haftbefehle wurden vollstreckt. Das teilte die Berliner Staatsanwaltschaft gemeinsam mit der Berliner Polizei mit.

Die Verdächtigen sollen gegen Entgelt Abfragen in den Informationssystemen für die Bande vorgenommen beziehungsweise gefälschte Dokumente erstellt haben.

Bei den Ermittlungen wegen des Verdachts des Kokainschmuggels von Südamerika nach Deutschland hatte das Bundeskriminalamt am Dienstag mehr als 40 Objekte im In- und Ausland durchsucht und 14 Haftbefehle vollstreckt, zehn davon in Berlin. Zeitgleich ermittelte die Berliner Polizei in den eigenen Reihen. Etwa 50 Polizistinnen und Polizisten vollstreckten bei insgesamt acht Beschuldigten Durchsuchungsbeschlüsse. Insgesamt durchsuchten die Einsatzkräfte in Berlin zwölf Örtlichkeiten, darunter mindestens einen Polizeiabschnitt.

Polizist der Direktion City verhaftet

Nach Informationen der Berliner Morgenpost wurde ein Polizeibeamter von der Direktion City (ehemals Direktion 5 und Direktion 3) verhaftet. Gegen ihn werden noch weitere Vorwürfe erhoben. Auch gegen eine Mitarbeiterin des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg wurde ein Haftbefehl erlassen. Beide bleiben vorerst in Untersuchungshaft, wie am Donnerstag bekannt wurde. Beschuldigt ist außerdem ein Kollege der Frau. Beide arbeiten im Bürgeramt des Bezirkes.

Der Polizeibeamte und die Mitarbeiterin des Bezirksamtes wurden bei den Durchsuchungen angetroffen, verhaftet und einem Haftrichter vorgeführt.

Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte, ergaben sich bei den Ermittlungen weitere Verdachtsmomente, die nicht im Zusammenhang mit dem Hauptermittlungskomplex wegen Bestechlichkeit und Falschbeurkundung stehen. Betroffen sind fünf weitere Beschäftigte der Polizei. Sie werden der Strafvereitelung beziehungsweise Urkundenfälschung verdächtigt. Die Staatsanwaltschaft leitete Verfahren gegen sie ein.

Drei der fünf Verdächtigen sollen laut Staatsanwaltschaft versucht haben, Verdachtsmomente der Bestechlichkeit und der Falschbeurkundung gegen ihre Kollegen zu „vertuschen“. Bei den Durchsuchungen wurden zahlreiche Beweismittel, darunter Mobiltelefone und andere Datenträger gefunden und beschlagnahmt. Diese werden nun ausgewertet.

„Das sind schwere Vorwürfe, die gegen unsere Kollegen erhoben werden und wir hoffen, dass sich die für jeden geltende Unschuldsvermutung bewahrheitet“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Sollten sich die Vorwürfe jedoch bestätigen, reden wir über schwerwiegende Straftaten im Bereich der Organisierten Kriminalität, die dann entsprechende Folgen haben müssen. In der Berliner Polizei ist kein Millimeter Platz für diejenigen, die alle rechtschaffenen Kolleg*Innen mit solchen Taten diskreditieren.“

Über Scheinfirmen in Berlin Kokain nach Deutschland geschmuggelt

Mehr als ein Jahrzehnt lang hat eine internationale Bande tonnenweise Kokain aus Südamerika nach Deutschland geschmuggelt. In Berlin und im Umland der Metropole liefen alle Fäden zusammen. Am Dienstag konnten Ermittler des BKA und die Berliner Staatsanwaltschaft die mutmaßliche Bande von Organisatoren und Logistikern zerschlagen. Über ein Geflecht von Scheinfirmen in Berlin und im Umland wurde der Kokainschmuggel abgewickelt und verschleiert.

Den Beschuldigten wird unter anderem vorgeworfen, an insgesamt neun Kokainlieferungen in einem Umfang von knapp fünf Tonnen Kokain beteiligt gewesen zu sein. Zudem konnten potenzielle Kokainabnehmer in Berlin identifiziert werden.

Zehn Tatverdächtigen wurden am Mittwoch die Haftbefehle verkündet, sie sind in Untersuchungshaft, wie die Generalstaatsanwaltschaft über Twitter mitteilte. Ein weiterer Beschuldigter war bereits in anderer Sache in Haft. Ein Tatverdächtiger sei in Spanien und zwei Tatverdächtige in Lettland in Haft.

Rauschgift in Stahlpaletten eingeschweißt

Die Kokainpackungen waren mit Blei ummantelt, damit sie von den Röntgengeräten beim Zoll nicht entdeckt werden konnten. Anschließend wurden sie in Stahlpaletten eingeschweißt, auf denen Stahlplatten verschifft wurden. Daher spricht die Berliner Staatsanwaltschaft auch vom „Stahlträgerverfahren“. Die Ermittlungen des BKA führten zu einer professionellen Bande, die sich 2011 zusammengeschlossen hatte.

Begonnen hatten die Ermittlungen des BKA im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin im November 2018. Im Hafen von Santos in Brasilien wurden von den dortigen Sicherheitsbehörden 690 Kilogramm Kokain sichergestellt, Verkaufswert laut Staatsanwaltschaft ungefähr 140 Millionen Euro. Adressiert war die Lieferung an eine Firma in Berlin.

Die Beschuldigten sollen laut BKA über diese Firmen auch Corona-Subventionen erschlichen und illegale Gelder gewaschen haben. Dabei sollen auch ein ehemaliger ranghoher Stasi-Offizier und die Niederlassung eines Kölner Versicherungskonzerns in Kreuzberg beteiligt gewesen sein.