Lieferdienst

Gorillas: Wahl des Betriebsrats kann weitergehen

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Die Auseinandersetzung zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung bei dem Berliner Lieferdienst Gorillas schwelt seit Monaten.

Die Auseinandersetzung zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung bei dem Berliner Lieferdienst Gorillas schwelt seit Monaten.

Foto: Reto Klar

Das Berliner Landesarbeitsgericht hat am Dienstag eine Beschwerde des Lieferdienstes Gorillas abgewiesen.

Berlin. Die in dieser Woche begonnene Wahl eines Betriebsrats bei dem Schnelllieferdienst Gorillas kann weitergehen. Das hat am Dienstag das Berliner Landesarbeitsgericht entschieden und damit eine Beschwerde der Firma zurückgewiesen. Gorillas hatte den Abbruch der Betriebsratswahl verlangt, weil nach ihrer Auffassung der Wahlvorstand nicht ordnungsgemäß gebildet worden sei und erhebliche Mängel im Wahlverfahren vorlägen.

Es lägen keine Voraussetzungen für einen Abbruch der Betriebsratswahl vor, teilte hingegen das Gericht am Nachmittag mit. Das Q-Commerce-Unternehmen, das in Berlin mit mehreren Tausend Fahrern Supermarktprodukte binnen Minuten an Kunden ausliefert, hatte bereits in der vergangenen Woche vor dem Arbeitsgericht versucht, die Betriebsratswahl zu stoppen und formale Mängel bei der Vorbereitung angeführt. So sei der Wahlvorstand nicht ordnungsgemäß gebildet worden. Schon das Arbeitsgericht hatte das anders gesehen, und auch die nächsthöhere Instanz wies nun die Beschwerde zurück. Dem Arbeitgeber bleibe laut LAG indes die Möglichkeit eines Wahlanfechtungsverfahrens. Dafür aber bleibe der gewählte Betriebsrat zunächst im Amt.

Die Beschäftigten bei Gorillas können nun noch bis diesen Sonnabend über ihre künftigen Arbeitnehmervertreter abstimmen. In dem rasant wachsenden Unternehmen tobt bereits seit Monaten ein Streit zwischen Teilen der Belegschaft und der Geschäftsführung. Zwischenzeitlich hatte es nach der Entlassung eines Mitarbeiters wilde Streiks vor einzelnen Lagern des Lieferdienstes gegeben. Kritisiert wurden von den Beschäftigten unter anderem befristete Arbeitsverträge, eine zu geringe Bezahlung und die mangelhafte Ausstattung der Kuriere. Das Unternehmen betonte stets, auf viele Forderungen bereits eingegangen zu sein.

Gorillas ist nach wie vor der Auffassung, dass die Betriebsratswahl unwirksam ist

Auf das neue Gerichtsurteil reagierte Gorillas am Nachmittag: „Wir bedauern, dass das Gericht den Antrag entgegen unserer Rechtsauffassung zurückgewiesen und einem Abbruch der Betriebsratswahl nicht stattgegeben hat“, hieß es in einer Mitteilung. Als Unternehmen sei man nach wie vor der Auffassung, dass die Einleitung der Betriebsratswahl aufgrund diverser schwerwiegender Fehler unwirksam gewesen sei und somit die Gültigkeit der aktuellen Wahl in Frage stelle.

Gorillas teilte weiter mit, bereits bei der letzten Verhandlung über eine Veränderung der Unternehmensstruktur informiert zu haben. Diese sei seit dem 16. November in Kraft. „Denn Gorillas plant in ausgewählten Warehouses in Berlin ein Franchise-Modell zu testen, um diesen mehr Eigenständigkeit und Gestaltungsspielraum zu ermöglichen“, hieß es. Das habe auch Auswirkungen auf die Betriebsratswahl. Generell unterstütze Gorillas aber uneingeschränkt die Mitbestimmung der Rider sowie den Prozess der Bildung eines Betriebsrats, „sofern dieser ordnungsgemäß abläuft und alle MitarbeiterInnen einbezieht“, so das Unternehmen weiter.

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