Extremismus

Anschlag in Berlin geplant: IS-Anhänger angeklagt

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Foto: Berliner Morgenpost

Der Mann soll sich in Berlin Materialien für Sprengvorrichtungen besorgt und begonnen haben, sich selbst eine Maschinenpistole zu bauen

Berlin/Karlsruhe. Er soll einen Anschlag geplant haben, mit dem er möglichst viele Menschen töten wollte – und muss sich deswegen bald vor dem Berliner Kammergericht verantworten: Wie die Behörde des Generalbundesanwalts am Dienstag mitteilte, wird dem 28 Jahre alten Abdullah H. vorgeworfen, im Jahr 2019 einen Anschlag geplant zu haben, „der in seiner Dimension früheren Anschlägen des IS („Islamischer Staat“) in Europa ähneln sollte“. Nun erhob die Karlsruher Behörde wegen des mutmaßlichen Terrorplans Anklage.

Abdullah H. hatte sich demnach Material zum Bau von Sprengsätzen besorgt, etwa Aceton, Wasserstoffperoxid und Schwefelsäure. Mit Metallteilen und Werkzeugen habe er zudem eine Maschinenpistole bauen wollen. Hierfür habe er sich auch Patronenhülsen und Treibladungspulver verschafft.

„Ganz oben auf der Liste islamistischer Gefährder“

Umsetzen konnte Abdullah H. die mutmaßlichen Anschlagspläne nicht. Denn am 19. November 2019 nahmen ihn Spezialeinsatzkräfte der Berliner Polizei in seiner Wohnung in der Meraner Straße in Schöneberg fest.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte damals, der Festgenommene stünde „ganz oben auf der Liste islamistischer Gefährder“. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprach von Hinweisen, „dass der Verdächtige ein konkretes Vorhaben in Berlin oder darüber hinaus umsetzen möchte, einen Anschlag“. Der Hinweis auf den Terrorverdächtigen stammte, wie so oft, von einem ausländischen Nachrichtendienst.

Die Strafverfolgungsbehörden führten Abdullah H. fortan gleich in zwei Verfahren als Beschuldigten. Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft warf dem Islamisten vor, in einem IS-nahen Internet-Chat Anleitungen zum Bau von Sturmgewehren und Maschinenpistolen und zur Herstellung von Sprengstoff verbreitet zu haben.

Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten

Der Vorwurf in diesem Verfahren: Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Im Mai 2020 fiel das Urteil. Das Gericht verurteilte H. zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten. Im März dieses Jahres erlangte das Urteil Rechtskraft.

Die Behörde des Generalbundesanwaltes in Karlsruhe ermittelte nach der Festnahme im November 2019 unterdessen wegen der Anschlagspläne, die H. selbst zugeschrieben wurden. Mit der nun erfolgten Erhebung der Anklage geht auch dieses Verfahren in die Schlussphase.

Abdullah H. war 2014 als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Vor seiner Festnahme hatte er als Reinigungskraft in einer Grundschule und im Bode-Museum gearbeitet. Nach Ende des Verfahrens droht ihm die Abschiebung.