Corona

Keine Maskenpflicht mehr an Berliner Grundschulen

| Lesedauer: 5 Minuten
Jens Anker
RKI-Strategie für den Herbst und Winter - das sind die wichtigsten Punkte

RKI-Strategie für den Herbst und Winter - das sind die wichtigsten Punkte

Das RKI hat eine neue Strategie für den kommenden Herbst und Winter erarbeitet. Damit soll ein weiterer Lockdown verhindert werden. Die Strategie ist vorerst nur eine Empfehlung für die Bundesländer.

Beschreibung anzeigen

Der Senat will die Schüler der ersten sechs Klassenstufen entlasten. Erleichterungen gibt es auch ab der siebten Klasse.

Berlin. Seit Montag entfällt an Grundschulen die Maskenpflicht. Der Senat will damit die Schüler der ersten sechs Klassenstufen entlasten. Berlin folgt damit dem Beispiel einiger anderer Bundesländer, in denen die Maskenpflicht für die jüngeren Schüler schon aufgehoben wurde.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) weist ausdrücklich darauf hin, dass das Tragen einer Maske nicht verboten sei. Wer seine Kinder lieber mit Maske in die Schule schicken möchte, könne das tun. Sie rechtfertigt die Entscheidung auch mit dem Hinweis darauf, dass Erst- und Zweitklässler einen Schulalltag ohne Maske bislang gar nicht erlebt haben.

Ab Klassenstufe 7 bleibt die Maskenpflicht grundsätzlich bestehen. Allerdings wird sie für Klassenarbeiten und Klausuren ausgesetzt. Damit soll eine mögliche Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit durch die Maske in Prüfungssituationen verhindert werden. Im Gegenzug bleibt die zweimalige Testpflicht bestehen. In Klassen, in denen ein positiver Corona-Fall auftritt, wird ein dritter Test Pflicht. Auch nach den Herbstferien soll es drei Tests pro Woche geben.

Corona in Berlin, Deutschland und der Welt - mehr zum Thema

Während die meisten Pädagogen- und Schülervertretungen die Entscheidung begrüßen, hat sich auch Widerstand formiert. Einige Eltern wollen gegen die Entscheidung vorgehen – unter ihnen Julia A. Noack, Mutter eines Kindes, das eine Berliner Grundschule besucht. „Die Maske ist im Vergleich zu möglichen Schäden durch eine Infektion nur ein kleines Übel. In der Schule sind unsere Kinder unter 12 durch nichts anderes geschützt“, sagte Noack. Abstände seien quasi nicht einzuhalten, Dutzende Kinder säßen stundenlang gemeinsam in den Räumen. „Ohne Maske wird das eine Durchseuchung mit Ansage“, kritisiert die Mutter.

Corona in Berlin. Petition gegen das Ende der Maskenpflicht gestartet

Noack hat eine Petition gegen das Ende der Maskenpflicht in Berlins Schulen gestartet, Hunderte Menschen haben schon unterzeichnet. Der Beschluss komme zu einer Unzeit, sagt sie: Im Herbst würden sich absehbar die Infektionen in Schulen verstärkt ausbreiten. Zudem warteten Eltern von Kindern unter zwölf Jahren sehnsüchtig auf die Zulassung einer Corona-Impfung für sie, die nun schon fast greifbar scheine. Die Kinder, die die Corona-Maßnahmen und Einschränkungen die ganze Zeit mitgetragen hätten, nun fallenzulassen, „das ist einfach komplett unethisch“, findet Noack. Es sei falsch anzunehmen, Covid-19 sei für Kinder harmlos. „Was nicht richtig kommuniziert wird: Es gibt diese schweren Verläufe. Sie sind zwar seltener, zum Glück, aber dennoch gibt es sie.“

Auch Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, bemängelt den Zeitpunkt der Entscheidung. Eltern von Kindern unter zwölf hätten wegen des für diese Altersgruppe noch nicht zugelassenen Impfstoffs momentan nicht die Wahl, ob sie ihre Kinder impfen ließen. „Man sollte weiter Vorsicht walten lassen und die Infektionen nicht durchlaufen lassen, auch wenn schwere Krankheitsverläufe bei Kindern sehr selten sind“, sagte Watzl. Für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren sei gezeigt worden, dass die Impfung im Vergleich zur Ansteckung das geringere Risiko bedeute. Nach Einschätzung des Immunologen dürfte das Aufheben der Maskenpflicht an Grundschulen in mehreren Bundesländern weiter steigende Inzidenzen bei Kindern in dem Alter zur Folge haben. „Das wird weiter hochgehen.“

Maskenpflicht an Schulen abgeschafft: Städte- und Gemeindebund warnt

Der Städte- und Gemeindebund hat ebenfalls vor einer Abschaffung gewarnt. Schülerinnen und Schüler seien eine besonders gefährdete Gruppe, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. „Deswegen ist es weiterhin wichtig, dass Schülerinnen und Schüler regelmäßig getestet werden und insbesondere in Gebieten, wo die Inzidenzzahlen vergleichsweise hoch sind, auch an der Maskenpflicht festgehalten wird.“

Dagegen hatte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, die bereits beschlossene oder geplante Abschaffung der generellen Maskenpflicht an Schulen in mehreren Bundesländern begrüßt. Die Entscheidung müsse an den Inzidenzwerten und am Lebensalter der Kinder ausgerichtet werden, sagte er unserer Redaktion. Er sehe „keinen Grund, warum Grundschüler im Unterricht grundsätzlich weiterhin Maske tragen sollten, zumal sie erwiesenermaßen erheblich weniger zum Infektionsgeschehen beitragen als Jugendliche und Erwachsene“.

In Berlin liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Fünf- bis Neunjährigen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts aktuell bei 128. Bei den Zehn- bis 14-Jährigen beträgt sie sogar 180 – damit liegt sie mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Altersgruppen in Berlin.

( mit dpa )