Kriminalität

Senatorin weist Kritik an „Femizid“-Begriff zurück

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Jens Anker
Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Linke) verteidigt die Bezeichnung „Femizid“ für die mutmaßliche Ermordung einer Afghanin durch ihre Brüder.

Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Linke) verteidigt die Bezeichnung „Femizid“ für die mutmaßliche Ermordung einer Afghanin durch ihre Brüder.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Elke Breitenbach (Linke) verurteilt die mutmaßliche Tötung einer Mutter durch ihre Brüder: „Bei Mord gibt es keine Ehre“.

Berlin. Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Linke) hat die Kritik an ihren Äußerungen zur mutmaßlichen Ermordung einer zweifachen Mutter durch ihre Brüder zurückgewiesen. „In der Öffentlichkeit wird vom sogenannten Ehrenmord gesprochen, dieser Begriff ist unpassend, darin steckt die Rechtfertigung der Täter“, sagte Breitenbach am Montag. „Bei Mord gibt es keine Ehre.“ Deshalb verwende sie den Begriff „Femizid“. „Dabei geht es immer um patriarchale Strukturen, die Täter sind Ehemänner, Partner, Väter, Söhne, Brüder und andere männliche Angehörige.“ Diese Strukturen gelte es zu durchbrechen.

Zwei afghanische Brüder im Alter von 22 und 25 Jahren stehen im Verdacht, ihre 34-jährige Schwester ermordet zu haben. Die Männer sollen laut Staatsanwaltschaft „aus gekränktem Ehrgefühl“ getötet haben, es soll nicht den Moralvorstellungen der Verdächtigen entsprochen haben, wie die Mutter von zwei Kindern lebte. Das Mordopfer war geschieden, soll einen neuen Partner gehabt haben, sich geschminkt und westlich gekleidet haben.

SPD, CDU und AfD kritisieren Breitenbach

„In Deutschland wird jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Das ist kein Ehrenmord, das ist Femizid“, hatte Breitenbach im „Tagesspiegel“ gesagt. „Und ich habe leider keine Idee, wie man Männer besser integrieren kann. Es geht nicht um die Herkunft und die Nationalität der Täter, es geht um die Frage des Geschlechts.“

Die Äußerungen Breitenbachs hatten scharfe Kritik hervorgerufen. CDU-Spitzenkandidat Kai Wegner warf der Integrationssenatorin Realitätsverlust vor. „Wer die religiös-kulturellen Hintergründe von sogenannten Ehrenmorden abstreitet, schützt die Täter und lässt die Opfer im Stich“, sagte Wegner. Wir brauchen aber eine Kultur des Hinsehens. Bei der Unterdrückung von Frauen im Namen einer vermeintlichen Ehre brauchen wir null Toleranz.“

Auch SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey wandte sich gegen die Einschätzung Breitenbachs. „Nur wenn Zwangsheirat und Ehrenmorde und auch ihre religiösen und kulturellen Hintergründe keine Tabuthemen sind, können wir wirksam gegen die Ursachen vorgehen“, sagte Giffey. AfD-Fraktionschef Georg Pazderski kritisierte Breitenbach ebenfalls. „Kein normal in Deutschland sozialisierter Mensch würde eine Frau ermorden, weil sie nach westlichem Vorbild leben wollte“, sagte Pazderski. „Das Motiv steht für mich absolut außer Frage: mittelalterliche islamische Werte.“

Senatorin wendet sich gegen verharmlosende Begriffe

Dagegen wendet sich Breitenbach grundsätzlich gegen umschreibende Begriffe im Zusammenhang mit Morden an Frauen. Auch Bezeichnungen wie „Eifersuchtsdrama“ oder „Beziehungstat“, wie sie häufig bei der Tötung von Frauen verwendet würden, seien unpassend. „Auch hierbei geht es um patriarchale Strukturen. Es ist wichtig, Frauen zu unterstützen, zu schützen und zu stärken, wenn sie aus diesen Strukturen ausbrechen wollen“, sagte Breitenbach.