Hochwasser

Berlin schickt weitere Helfer in Hochwassergebiete

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Julian Würzer und Dominik Bath
Noch immer 170 Vermisste in Rheinland-Pfalz

Noch immer 170 Vermisste in Rheinland-Pfalz

Die Polizei in Koblenz hat ihre Bilanz der Hochwasserkatastrophe in besonders betroffenen Kreis Ahrweiler vorgelegt. Demnach gibt es 117 Todesopfer, mehr als 750 Menschen wurden verletzt. 170 Menschen gelten als vermisst.

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Polizisten, das DRK, die DLRG und Experten des Technischen Hilfswerks aus Berlin sind vor Ort im Einsatz. Hilfsgütertransporte rollen.

Berlin.  Berlin schickt weitere Helfer in die Hochwassergebiete im Westen Deutschlands. Am Dienstag fahre eine Einsatzhundertschaft der Polizei nach Rheinland-Pfalz, teilte Carsten Müller, Referent in der Innenverwaltung, mit. Die Polizisten sollen die Bergungs- und Suchmaßnahmen unterstützen. Auch Organisationen wie das Technische Hilfswerk (THW) und das Deutsche Rote Kreuz aus Berlin sind im Einsatz.

Der THW-Landesverband Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt werde voraussichtlich mit etwa 150 Kräften in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Einsatz sein, teilte Referentin Stefanie Berger mit. Während am Montag bereits Experten für die Sicherheit von Gebäuden und Versorgungshelfer angereist sind, wurden am Dienstag weitere Kollegen alarmiert, darunter Bergungshelfer und Fachleute für die Elektroversorgung. Letztere sollen etwa zwei Wochen lang beim Betrieb einer Kläranlage in Eschweiler (Nordrhein-Westfalen) helfen. Das DRK habe in der Nacht zu Montag einen Hilfsgütertransport mit zwölf Einsatzkräften nach Rheinland-Pfalz geschickt, sagte Referent Hendrik von Quillfeldt. Zwei weitere DRK-Helfer unterstützten die bundesweite Koordinierung der Einsätze.

Auf Anforderung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz brachen am Dienstagabend auch Helfer der DLRG Berlin in das Hochwassergebiet nach Rheinland-Pfalz auf. Bei den Berliner Einsatzkräften handelt es sich um eine verstärkte Verpflegungsgruppe des Betreuungsdienstes. Die zwölf ehrenamtlichen Einsatzkräfte werden voraussichtlich mit der Verpflegung der zahlreichen Einsatzkräfte am Nürnburgring beauftragt. Dazu fährt die DLRG Berlin mit vier Fahrzeugen und zwei Feldküchen nach Rheinland-Pfalz. Der Einsatz der DLRG Berlin ist zunächst für fünf Tage vorgesehen.

Brandenburg schickt mehr als 300 Einsatzkräfte zur Hochwasserhilfe

Mehr als 300 Einsatzkräfte für den Katastrophenschutz schickt Brandenburg zur Hilfe in die Hochwassergebiete. Sie seien unterwegs zum Nürburgring, um von dort aus in den kommenden Tagen die Kräfte bei der Bewältigung der Flutkatastrophe zu unterstützen, teilte das Innenministerium am Mittwoch in Potsdam mit.

Darunter sind zwei Medizinische Einsatzgruppen mit rund 200 Kräften und mehr als 50 Fahrzeugen, die am Sonntag starten. Zu ihren Aufgaben gehörten die Einsatzführung sowie die Behandlung und der Transport von Patienten.

Am späten Mittwochnachmittag sollten 125 Feuerwehrleute von Beelitz-Heilstätten in das Einsatzgebiet im Westen Deutschlands verlegt werden. Sie sollen bei der Rettung und Bergung von Menschen, bei der Förderung von Wasser, der Erzeugung von Strom und der Beleuchtung helfen.

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Flutkatastrophe: Einsatz von weiteren Helfern wird geprüft

Bereits am Sonnabend hatte sich eine erste Einsatzhundertschaft der Polizei Berlin auf den Weg in die Region gemacht. Die weiteren Polizisten sollen nun die Kollegen ablösen, die bereits im Einsatz waren. Darüber hinaus werde derzeit noch geprüft, ob weitere Helfer von Feuerwehr und Hilfsorganisationen nach Rheinland-Pfalz reisen, sagte der Referent der Innenverwaltung. Das Land habe Hilfe angefordert. „Nach unseren Informationen ist die Lage weiterhin angespannt und daher ist mit weiteren Unterstützungs- und Hilfeleistungsersuchen zu rechnen“, so Müller. Auch Organisationen wie der Berliner Landesverband der Malteser könnten jederzeit in die Krisengebiete fahren, um zu helfen. „Wir sind vorbereitet“, sagte Sprecherin Charlotte Rybak.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte der Berliner Morgenpost gesagt, jetzt müssten „alle solidarisch und unbürokratisch unterstützen“. Er sei auch in engem Kontakt mit der Charité. „Diese steht ebenfalls bereit, entweder Patienten aufzunehmen oder mit Personal zu unterstützen.“

Die Abgeordneten der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus spendeten 10.000 Euro. „Wir sind zutiefst betroffen vom Ausmaß der Hochwasserkatastrophe in Deutschland und in benachbarten Ländern", erklärte der Berliner Linken-Vorsitzende Carsten Schatz am Dienstag. "Mit unserer Spende wollen wir helfen, Leid zu lindern und den Betroffenen neue Zuversicht zu geben." Neben dem Helfen sei es wichtig, politisch zu handeln. Es müsse ein nachhaltiges Leben und Wirtschaften ermöglicht werden, um der globalen Klimaerwärmung wirksam zu begegnen.

Merkel besucht erneut Katastrophengebiete - Aufräumarbeiten in Gange

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte sich am Dienstag ein Bild von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen. Zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der zugleich Unionskanzlerkandidat ist, kam sie nach Bad Münstereifel. Der Ort im Kreis Euskirchen ist von dem Unwetter der vergangenen Tage heftig betroffen. Merkel wollte mit Vertretern von Hilfsorganisationen sowie Helferinnen und Helfern sprechen und durch das Gebiet gehen.

Am Wochenende war Merkel in Rheinland-Pfalz und hatte sich dort mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ein Bild von der Lage im Hochwassergebiet rund um Adenau gemacht. Der Bundespräsident war bereits am Sonnabend nach NRW gekommen: Frank-Walter Steinmeier hatte sich auf Einladung von Laschet die Situation im vom Hochwasser zerstörten Erftstadt angeschaut. Dort hatte im Stadtteil Blessem ein gewaltiger Erdrutsch Straßen und Häuser mitgerissen. Die Abbruchkante am Rand des Kraters galt zuletzt weiter als Risikozone.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach bei ihrem Besuch im Hochwassergebiet in Rheinland-Pfalz den Betroffenen schnelle Hilfe und kündigte mehr Engagement beim Klimaschutz an. Am Mittwoch werde die Bundesregierung ein Programm für schnelle Hilfen, mittelfristige Aufgaben und zur Wiederherstellung der Infrastruktur verabschieden, versicherte Merkel: „Wir sehen, mit welcher Gewalt die Natur agieren kann. Wir werden uns dieser Naturgewalt entgegenstemmen – kurzfristig, aber auch mittel- und langfristig.“ Es bedürfe einer Politik, „die die Natur und das Klima mehr in Betracht zieht, als wir das in den letzten Jahren gemacht haben“. Zum Weiterlesen: Diese Karte zeigt, welche Kreise und Städte vom Hochwasser betroffen sind

Corona-Risiko in den betroffenen Regionen erhöht

Nach der Flutkatastrophe sehen die betroffenen Länder auch die Gefahr erhöhter Corona-Risiken, etwa durch Hilfsaktionen oder die Unterbringung in Notunterkünften. „Derzeit kommen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Bewältigung der Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event wird“, sagte David Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). Das Landesgesundheitsministerium bereite in Absprache mit den Behörden der betroffenen Landkreise eine Sonderimpfaktion in den Katastrophengebieten vor. Viele Rettungskräfte hätten bereits vollen Impfschutz.

Auch in Nordrhein-Westfalen sieht man die Gefahr erhöhter Corona-Risiken. „Eine erhöhte Gefahr der Ausbreitung von SARS-CoV-2 könnte sich vor allem durch die Unterbringung von Personen in Notunterkünften entwickeln“, zitierte der RND das Düsseldorfer Gesundheitsministerium. Die Gesundheitsämter vor Ort seien sich aber der zusätzlichen Gefahr bewusst. Sie könne durch Testungen, Masken und Lüften reduziert werden.