Margot Friedländer

Holocaust-Überlebende: „Ich reiche euch meine Hände“

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Julian Würzer
Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer bei der Eröffnung der Ausstellung „Gegen das Vergessen" im Berliner Hauptbahnhof.

Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer bei der Eröffnung der Ausstellung „Gegen das Vergessen" im Berliner Hauptbahnhof.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Bis Anfang Juli werden 15 Porträts von Holocaust-Überlebenden am Berliner Hauptbahnhof gezeigt. Eine Überlebende fand starke Worte.

Am Berliner Hauptbahnhof werden in den kommenden Wochen großflächige Fotos von Holocaust-Überlebenden zu sehen sein. 15 Porträts des Fotografen Luigi Toscano werden im Erdgeschoss des Gebäudes gezeigt, die Bilder sind Teil des Projekts „Gegen das Vergessen“. Dafür hat der deutsch-italienische Fotograf mehr als 400 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen fotografiert. Rund eine Million Menschen haben seine Fotos weltweit bereits gesehen, unter anderem in Kiew und New York.

„Es ist ein Zeichen für Freiheit und gegen Antisemitismus“, sagte Bahnchef Richard Lutz am Dienstag bei der Eröffnung im Hauptbahnhof. Auf den Bahnhöfen, wo sich Menschen aus allen Nationen, Religionen und Kulturen treffen, wolle die Bahn damit auch mahnen, dass sich die Verbrechen des Nationalsozialismus niemals wiederholen dürften.

„Unsere Aufgabe die Erinnerung der Überlebenden wach zu halten ist nicht endlich“, sagte Lutz. „Wir müssen ihre Geschichten erzählen, damit wachrütteln und niemals vergessen.“

Holocaust-Überlebende Margot Friedländer spricht bei Eröffnung

Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte am Dienstag, die Bilder seien an den Bahnhöfen am richtigen Platz – „nicht nur, weil es Bahnhöfe waren, an denen für Millionen jüdischer Frauen, Männer und Kinder der Weg in den Tod begann“. In der Bahnhofshalle seien diese Menschen „mitten im Leben“ zu sehen, und es sei ein Ort, der für alle Menschen zugänglich sei.

Bei der Eröffnung der Ausstellung sprach auch die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer (99). Ihr Vater wurde 1942 in Auschwitz ermordet. Friedländer, ihr vier Jahre jüngerer Bruder Ralph und die Mutter wollten 1943 nach Schlesien flüchten, als die Gestapo den damals 17-jährigen Ralph abholte. Er und seine Mutter wurden im Vernichtungslager ermordet.

Margot Friedländer versteckte sich 15 Monate lang in Berlin, ließ sich sogar zur Tarnung die Nase operieren. 1944 wurde sie von jüdischen Spitzeln verraten und nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebte allerdings und zog nach New York. Am Dienstag sagte sie: „Ich reiche Euch meine Hände, Ihr sollt die Zeitzeugen sein, die wir nicht mehr lange sein können. Es ist für Eure Zukunft, dass so etwas nie wieder passiert.“

Die 15 Porträts werden bis zum 2. Juli am Hauptbahnhof in Berlin zu sehen sein. Anschließend werden sie in den Hauptbahnhöfen von Wiesbaden (5.-14. Juli), München (17.-26. Juli), Nürnberg (29. Juli-7. August), Karlsruhe (10.-19. August), Köln (22.-31. August), Braunschweig (3.-12. September) und Dresden (15.-24. September) gezeigt. Im kommenden Jahr soll die Ausstellung in zwölf weiteren Bahnhöfen gezeigt werden.