Bündnis

Sitzstreik gegen die Verlängerung der A100

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Sebastian Goddemeier
Aktivisten und Aktivistinnen üben, wie man einen Sitzstreik ausführt und auflöst.

Aktivisten und Aktivistinnen üben, wie man einen Sitzstreik ausführt und auflöst.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

60 Menschen kamen am Donnerstag zusammen, um einen Protest gegen den Ausbau der A100 zu üben. Man wünscht sich eine autofreie Stadt.

Etwa 60 Personen simulieren auf dem Tempelhofer Feld, wie man sich von der Polizei wegtragen lässt. Dazu legen sich Aktivisten und Aktivistinnen auf den Boden, haken sich ein und versuchen möglichst still liegen und sitzen zu bleiben. Andere Aktivisten und Aktivistinnen mimen die Polizei, die diese Sitzblockade auflösen sollen. Währenddessen steht die tatsächliche Polizei wenige Meter von dem „Aktionstraining“ entfernt und schaut aus einem Fahrzeug zu.

Worum es geht: Das Aktionsbündnis „Sand im Getriebe“ setzt sich gegen den Klimawandel ein und plant eine Blockade der A100 am kommenden Sonnabend. Mit dem Aktionstraining auf dem Tempelhofer Feld am Donnerstagnachmittag sollen alle Teilnehmenden auf diese Demonstration vorbereitet werden.

Jassin Braun (27) engagiert sich bei “Sand im Getriebe” und erklärt, was deren Ziel ist: „Wir wollen den Weiterbau blockieren. Jede weitere Autobahn führt uns tiefer in die Klimakrise. Das müssen wir stoppen.“ Dazu organisiere man immer wieder “Massenaktionen zivilen Ungehorsams”, bei denen Menschen an Orte gingen, „wo Klimazerstörung stattfindet. Wie die Autobahn in Berlin.“

„Schneise der Verwüstung“ für 700 Millionen Euro

Neben dem Klima seien auch die Kosten ein Problem. „Die Autobahn wird durch Neukölln bis zum Ostkreuz gebaut. Ich glaube, das ist der teuerste Meter Autobahn überhaupt, der da entsteht. 200.000 Euro kostet die A100 pro Meter.“ Tatsächlich wurden die Baukosten erst im März hochgesetzt: Von ursprünglich geplanten 500 Millionen Euro auf 700 Millionen Euro für 3,2 Kilometer Autobahn. 2024 sollen die Bauarbeiten voraussichtlich beendet werden.

Ein weiterer Grund für den Protest von „Sand im Getriebe“ sei, Berlin als Stadt schützen zu wollen. „Die Autobahn macht ganz Berlin kaputt und schlägt eine Schneise der Verwüstung durch Neukölln und Treptow.“ Clubs wie das ‘about:blank’ und ‘Die Wilde Renate’ müssten schließen, beziehungsweise würden abgerissen. „Und ganz viele Wohnungen müssten abgerissen werden, für eine Autobahn, die niemand braucht. Nur ein Drittel aller Menschen in Berlin haben ein Auto.“ „Sand im Getriebe“ fordert deshalb weniger Autos, weniger Autobahnen, weniger Emissionen und mehr Platz für Fahrräder und ÖPNV.

Protest soll friedlich bleiben

Um den Protest am Sonnabend möglichst unversehrt zu überstehen, üben Jassin Braun und seine Mitstreiter und Mitstreiterinnen auch, wie man während eines Streiks miteinander kommuniziert und Entscheidungen fällt. „Von uns wird keine Eskalation ausgehen“, versichert er, „Wir werden versuchen, mit möglichst vielen Menschen den Ausbau für einen Tag zu verhindern.“ Genaue Pläne darüber möchte er nicht verraten. Ein Hygienekonzept für die Aktion wird auf der Website erklärt: Abstand, negativer Schnelltest und Maskenpflicht.

Unterstützt wird das Aktionsbündnis am Sonnabend durch eine Fahrrad-Demonstration der Initiative „A100 stoppen“. Diese kooperiert unter anderem mit „Fridays for Future“ und „Changing Cities“. Neben Berlin sollen am selben Tag in knapp 50 weiteren Städten Aktionen gegen den Ausbau von Autobahnen und Bundesstraßen stattfinden.

Das Bündnis von Klimaaktivisten und -aktivistinnen „Sand im Getriebe“ wurde 2019 gegründet, um die „Internationale Automobil-Ausstellung“ (IAA) in Frankfurt am Main zu blockieren. „So eine Autoschau kann in Zeiten einer Klimakrise nicht stattfinden“, findet Jassin Braun. Im September wolle man die IAA in München blockieren.