Kriminalstatistik

Hier werden in Berlin die meisten Fahrräder gestohlen

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Gerade wenn das Schloss nicht das beste ist, reicht häufig ein Bolzenschneider und das Fahrrad ist weg (Symbolbild).

Gerade wenn das Schloss nicht das beste ist, reicht häufig ein Bolzenschneider und das Fahrrad ist weg (Symbolbild).

Foto: Andreas Gebert / dpa

In Berlin wurden 2020 rund 27.600 Fahrräder gestohlen – 1100 weniger als im Vorjahr. Wo Raddiebe am häufigsten zuschlugen.

Berlin. In Pankow wurden im Jahr 2020 die meisten Fahrräder gestohlen. Insgesamt 3862 Fälle registrierte die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Damit sind es knapp 30 mehr als in Friedrichshain-Kreuzberg. Dort ist allerdings die Gefahr, Opfer eines Raddiebstahls zu werden, ungleich höher.

Denn in Berlins flächenmäßig kleinstem und am dichtesten besiedelten Bezirk leben knapp 120.000 Menschen und weniger damit potenzielle Fahrradbesitzer als im Nordosten der Hauptstadt. Um Vergleiche unter den unterschiedlich einwohnerstarken Bezirken oder Bezirksteilen anzustellen, rechnet die Berliner Polizei die Fallzahlen daher auf 100.000 Einwohner um. Die Liste birgt einige Überraschungen.

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Platz 1: Friedrichshain-Kreuzberg

Friedrichshain-Kreuzberg liegt seit Beginn der Erhebung im Jahr 2012 unangefochten an der Spitze. Pro 100.000 Einwohner wurden dort 2020 insgesamt 1321 Räder gestohlen. Blickt man in die Vergangenheit, lässt sich allerdings seit 2016 ein fast kontinuierlicher Rückgang feststellen. Damals lag die Zahl noch bei 1653 Fällen.

Blickt man auf die absoluten Zahlen, findet sich in Friedrichshain-Kreuzberg auch das Gebiet, in dem Fahrraddiebe im Jahr 2020 am häufigsten zuschlugen. Insgesamt 1071 Fälle zählt die Polizei für die Tempelhofer Vorstadt, besser bekannt als Kreuzberg 61.

Platz 2: Charlottenburg-Wilmersdorf

In den vergangenen Jahren rangierte Charlottenburg-Wilmersdorf immer auf den Plätzen fünf bis drei, 2020 ist der Bezirk, was die Häufigkeit von Fahrraddiebstählen betrifft, auf dem zweiten Platz gelandet. Insgesamt 951 Fälle pro 100.000 Einwohner wurden gezählt. Bei den absoluten Zahlen liegt der westliche Innenstadtbezirk mit 3268 Taten hinter Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte auf Platz vier.

Innerhalb des Bezirks gibt es erhebliche Schwankungen. Im Grunewald wurden im vergangenen Jahr lediglich vier Fälle gemeldet. Da dort niemand lebt, gibt es auch keine Hochrechnung auf die Einwohner. Anders ist das in der Region „Kurfürstendamm“, zu der nicht nur der östliche Teil des Prachtboulevards ab dem Adenauerplatz, sondern auch der Breitscheid- und der Hardenbergplatz inklusive Bahnhof Zoo gehören. Mit 1609 Fällen pro 100.000 Einwohnern führt dieses Gebiet in Charlottenburg-Wilmersdorf die Statistik an und liegt im gesamtberliner Vergleich auf Platz zehn.

Platz 3: Pankow

Berlins einwohnerstärkster Bezirk liegt, was Fahrraddiebstähle betrifft, nur auf dem dritten Platz. 943 waren es im Jahr 2020 pro 100.000 Einwohner. Erfreulich ist dabei, dass die Zahl zuletzt auch sank. So wurden 2016 noch 1225 Fälle gezählt. In absoluten Zahlen führte Berlins nordöstlicher Bezirk im vergangenen Jahr allerdings die Statistik an.

Innerhalb Pankows gibt es dabei große Schwankungen. So wurden in Schönholz, Wilhelmsruh und Rosenthal zusammen lediglich 327 Fälle pro 100.000 Einwohner registriert, in Buchholz 333. Der Bereich „Prenzlauer Berg Nordwest“, der im Westen von der Bezirksgrenze nach Mitte, im Osten von der Schönhauser Allee und im Süden von der Eberswalder Straße begrenzt wird, liegt mit 1680 Fällen berlinweit auf Platz sechs.

Platz 4: Mitte

Zwar führte Mitte die Statistik in den vergangenen neun Jahren nie an, war aber immer unter den Top drei gesetzt. 2020 rutschte der Bezirk erstmals aus der Spitzengruppe und liegt mit 931 Fällen pro 100.000 Einwohnern auf Rang vier. Das sind mehr als 400 weniger als noch 2016 (1369).

In Mitte liegt allerdings auch der Bereich, in dem berlinweit die zweitmeisten Räder gestohlen wurden. Insgesamt 2005 waren es im LOR Tiergarten Süd, zu dem neben dem gleichnamigen Park der südlich davon gelegene Bereich beidseitig des Landwehrkanals bis zur Kurfürstenstraße und der Potsdamer Platz gehören. Anders als im gesamten Bezirk bleiben die Zahlen in diesem Teil seit Jahren weitgehend konstant.

Platz 5: Treptow-Köpenick

In Berlins flächenmäßig größtem Bezirk wurden 2020 insgesamt 851 Räder pro 100.000 Einwohner gestohlen. Entgegen des Trends ist das ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr von knapp 60, liegt jedoch im Durchschnitt der Vorjahre.

Wie auch Pankow ist Treptow-Köpenick gleichsam von ländlichen und einem urbanen Teilen geprägt. Entsprechend unterscheidet sich das in Kriminalitätszahlen. Während die Zahlen am südöstlichen Stadtrand zu vernachlässigen sind, wurden in Alt-Treptow 2335 Fahrraddiebstähle pro 100.000 Einwohner angegeben – berlinweit der höchste Wert.

Mit der Dammvorstadt, also dem Bereich nördlich der Altstadt Köpenick, findet sich mit 1936 Fällen pro 100.000 Einwohnern auch der drittplatzierte Kiez. Niederschöneweide liegt mit 1652 auf Platz acht. Allerdings liegt mit Müggelheim auch der Stadtteil in Treptow-Köpenick, in dem Fahrraddiebe relativ zur Bevölkerung im vergangenen Jahr am seltensten zuschlugen – lediglich 59 mal.

Platz 6: Tempelhof-Schöneberg

Mal Platz fünf, mal Platz sechs: Was Fahrraddiebstähle betrifft, bewegt sich Tempelhof-Schöneberg zuverlässig im oberen Mittelfeld. 686 Fälle pro 100.000 Einwohner registrierte die Polizei im Jahr 2020. Damit werden es wie in Mitte auch dort seit einem Höchststand 2016 (879) kontinuierlich weniger.

Während die Einwohner des Südens des Bezirks, also Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade, weitgehend vor Fahrraddieben sicher zu sein scheinen, steigt diese Gefahr, je weiter man nach Norden kommt. Die meisten Fälle wurden mit 1451 für den Bereich Schöneberg Nord registriert – hinter dem Kurfürstendamm Platz elf. Schöneberg Nord umfasst dabei die Gegend südlich der Kurfürsten- und nördlich der Grunewaldstraße, zu der auch der Wittenberg-, Nollendorf- und Winterfeldplatz zählen.

Platz 7: Lichtenberg

Lichtenberg gehört seit 2012 zum Mittelfeld. Die Zahlen haben sich nach 2016 bei um die 600 Fahrraddiebstähle pro 100.000 Einwohnern eingependelt. Im Jahr 2020 waren es 612. Die Schwankungen zwischen den einzelnen Teilen des Bezirks sind im Vergleich zu anderen deutlich geringer.

Einen Ausreißer gibt es aber doch: Die Rummelsburger Bucht. Mit 1671 gestohlenen Räder pro 100.000 Einwohnern liegt sie berlinweit auf Platz sieben. Gegenüber 2019 ist das allerdings ein deutlicher Rückgang. Damals lag der Bereich an der Spree östlich des Ostbahnhofs mit 2372 Taten auf dem unrühmlichen dritten Platz.

Platz 8: Neukölln

Auch wenn Neukölln bei vielen Straftaten führend ist – Fahrraddiebstahl gehört definitiv nicht dazu. Lediglich 591 Taten pro 100.000 Einwohner wurden im Jahr 2020 registriert. Wirklich gravierende Veränderungen gegenüber den Vorjahren gab es auch nicht – 2019 waren es knapp 90 mehr.

Auch liegt keiner der Bezirksteile unter den ersten zehn. Der Bereich zwischen der Bezirksgrenze zu Kreuzberg beziehungsweise Treptow, der Karl-Marx- und der Wildenbruchstraße (Region Reuterstraße) liegt auf dem 18. Platz. Mit Buckow liegt im Bezirk allerdings auch die Region, wo 2020 mit 115 am zweitwenigsten Räder gestohlen wurden.

Platz 9: Steglitz-Zehlendorf

In Berlins Südwesten ist die Welt noch in Ordnung. Das gilt auch für Radfahrer. Gerade einmal 540 Taten pro 100.000 Einwohner wurden dort registriert. Der Trend ist seit ein paar Jahren bis auf einen leichten Anstieg in den Jahren 2018 bis 2019 um vier auf 695 rückläufig.

Der Bereich Zehlendorf-West wirkt da fast schon wie ein Ausreißer, immerhin wurden dort 806 Räder gestohlen. Vermutlich hängt das jedoch damit zusammen, dass in diesem Bereich ein großer Teil der freien Universität liegt, vor deren Gebäuden vor allem im Sommer viele Räder stehen.

Platz 10-12: Spandau, Marzahn-Hellersdorf und Reinickendorf

In Berlins westlichstem Bezirk werden pro 100.000 Einwohner 1000 Räder weniger gestohlen als in Friedrichshain-Kreuzberg. Gerade einmal 362 waren es. Damit bleibt Spandau auf dem Vorjahresniveau (370).

In Marzahn-Hellersdorf gab es mit 342 im vergangenen Jahr noch weniger Fälle. Allerdings war hier gegenüber dem Vorjahr ein leichter Anstieg zu verzeichnen (292), wenn auch auf niedrigem Niveau.

Wer allerdings besonders auf Nummer sicher gehen und sein Rad mit den geringsten Bedenken draußen anschließen möchte, sollte nach Reinickendorf ziehen. Dort wurden im vergangenen Jahr pro 100.000 Einwohner gerade einmal 338 Fälle bekannt.

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