Gropius-Passagen

Überfall in Bankfiliale: Haftbefehl auch gegen Bruder

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Einsatzkräfte der Berliner Polizei am Mittwochmittag vor den Gropius-Passagen im Neuköllner Ortsteil Rudow.

Einsatzkräfte der Berliner Polizei am Mittwochmittag vor den Gropius-Passagen im Neuköllner Ortsteil Rudow.

Foto: Morris Pudwell

Zwei Täter griffen einen Geldboten im Vorraum der Deutschen Bank an. Der Überfall geht offenbar auf das Konto zweier Brüder.

Berlin. Der Raubüberfall in einer Bankfiliale in Neukölln geht vermutlich auf das Konto zweier Brüder. Nur Stunden nach seiner Flucht wurde auch der zweite Tatverdächtige festgenommen, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Der 20-Jährige wurde demnach von Spezialeinsatzkräften am Mittwochabend kurz vor 18 Uhr an der Graefestraße in Kreuzberg gestellt.

Gegen ihn erging Haftbefehl. Dem dringend Tatverdächtigen werden gemeinschaftlich begangener schwerer Raub und versuchter Mord vorgeworfen, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Donnerstagabend sagte. Der mutmaßliche Täter sitze nun in Untersuchungshaft.

Am Abend wurde auch gegen den jüngeren Bruder als zweiten Verdächtigen mit denselben Vorwürfen Haftbefehl erlassen. Der 18-Jährige liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Er war bei dem Überfall auf einen Geldboten am Mittwochvormittag von diesem angeschossen worden.

Überfall in Bank: Möglicherweise weitere Komplizen

Die Polizei hält es für möglich, dass es weitere Komplizen gibt. Beute haben die Brüder laut Polizei nicht gemacht. Der Unverletzte war zunächst entkommen. Bankangestellte oder Kunden wurden bei der Tat nicht verletzt.

Laut Polizei wollte der Bote im Vorraum der Bank im Einkaufszentrum Gropius Passagen die Automaten mit neuem Geld bestücken, als er mit Reizgas attackiert worden sei. Die Angreifer sollen mindestens zwei Schüsse auf den Geldboten abgegeben haben. Dieser habe das Feuer erwidert, wobei er den 18-Jährigen traf.

Überfall in Bank: Zweiter Verdächtiger ist der Bruder des Angeschossenen

Die Einsatzkräfte nahmen den Heranwachsenden wenig später vor der Bank fest. In Begleitung eines Notarztes kam er ins Krankenhaus. Sein Komplize konnte vor Eintreffen der Polizei ohne Beute zunächst unerkannt flüchten.

Der Wachmann wurde wegen des Reizgases ebenfalls im Krankenhaus behandelt. Er konnte laut Polizei die Klinik kurze Zeit später wieder verlassen.

Nach Erkenntnissen der Berliner Morgenpost aus dem Umfeld der Sicherheitsbehörden soll der 18 Jahre alte Mann, der durch den Schuss des Geldboten verletzt wurde, einen Bezug zu einer polizeibekannten arabischstämmigen Familie aus dem Clan-Milieu haben.

Überfall auf Geldboten in Neukölln: Ermittler hoffen auf Videos und Bilder

Bei Twitter meldete die Polizei: "Wir haben aktuell einen Polizeieinsatz in Rudow. Unsere Kolleg. wurden gg. 10.30 Uhr zu einer Bankfiliale in die Johannisthaler Chaussee alarmiert. Dort soll im Vorraum ein Überfall stattgefunden haben. Der Bereich ist weiträumig abgesperrt."

Auf Bildern des Polizeieinsatzes waren mehrere behelmte Polizisten mit Maschinenpistolen zu sehen. Auch Krankenwagen fuhren vor dem Einkaufszentrum vor. Die Kriminalpolizei befragte Zeugen.

Sie suchte auch nach Fotos oder Videos von dem Überfall, die möglicherweise von Beobachtern gemacht wurden. Zu diesem Zweck verwies die Polizei auf ihr Hinweisportal, über das Bilder oder Videos an die Ermittler übermittelt werden können.

Überfall auf Geldboten in Deutscher Bank - Überwachungskamera in der Nähe

Helfen könnten den Ermittlern Aufnahmen auf einer Überwachungskamera, die nur wenige Meter von der Bankfiliale entfernt an der Gebäudefassade der Gropiuspassagen an einem Sexshop installiert ist. Die Tatverdächtigen könnten auf den Aufnahmen zu sehen sein.

Der Geldbote kann sich nach dem Schuss auf einen der Täter vermutlich auf den Notwehr-Paragrafen berufen. Entscheidend seien die genauen Umstände, sagte Martin Heger, Professor für Strafrecht an der Humboldt-Universität Berlin. Der Angriff des Tatverdächtigen sei aber offensichtlich und ein rechtswidriger Angriff auf die körperliche Unversehrtheit des Geldboten und das Geld der Bank gewesen. Gegen einen solchen Angriff dürfe man sich zur Wehr setzen.

„Bei einer solchen Notwehr muss das mildeste geeignete Mittel gewählt werden“, sagte Heger der Berliner Morgenpost. Die Zeit für eine Warnung oder einen Warnschuss habe der Geldbote aber möglicherweise nicht gehabt. Auch die Abgabe eines Schusses könne daher in einem solchen Fall als Notwehr gelten.

Überfälle auf Geldboten und Banken in Berlin - eine Übersicht

Im vergangenen Jahr und auch Anfang dieses Jahres gab es eine ganze Reihe von Überfällen auf Geldboten und Banken.