Demonstration in Berlin

Polizei stellt sich „Querdenkern“ entgegen

| Lesedauer: 3 Minuten
Julian Würzer und Lea Verstl
Bei dem Querdenker-Protest kam es am Brandenburger Tor zu Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten..

Bei dem Querdenker-Protest kam es am Brandenburger Tor zu Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten..

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Hunderte Corona-Leugner wollten trotz Verbots am Brandenburger Tor demonstrieren. Beamte griffen durch.

Berliner Polizisten stellten sich am Sonnabend den „Querdenker“-Bewegung entgegen. Hunderte Anhänger der Bewegung waren am Mittag zu einer Demonstration rund um das Brandenburger Tor, den Tiergarten und den Potsdamer Platz erschienen – obwohl das Oberverwaltungsgericht (OVG) sie verboten hatte. Am Mittag war die Lage noch ruhig, doch bereits am frühen Nachmittag eskalierte die Lage allmählich. Die Polizei musste hart durchgreifen. Den gesamten Nachmittag lang versuchten sie, den Protest aufzulösen.

Der Kampf gegen die Querdenker entwickelte sich zum Katz-und-Maus-Spiel. Wann immer die Polizei versuchte, die Menge auseinander zu treiben, versammelten die Demonstranten sich wieder an einem anderen Ort in Mitte. Dabei sprachen sie sich offenbar über Messengerdienste wie Telegram miteinander ab.

3000 Beamte im Großeinsatz

Nach dem Verwaltungsgericht hatte auch OVG Berlin-Brandenburg am Freitagabend das Verbot der Querdenker-Proteste bestätigt. Bei der einem wollten am Sonnabend 16.000 Menschen über vier Routen zum Großen Stern im Tiergarten ziehen. Die gleiche Anzahl Menschen wollte sich am Sonntag zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule bewegen.

Die negativen Erfahrungen aus der jüngsten Vergangenheit mit dem zu erwartenden Teilnehmerkreis aus der „Querdenker-Szene“, rechtfertige die Annahme, dass gerade an den prominenten Orten der Stadt die notwendigen Hygienemaßnahmen nicht eingehalten würden, begründete das OVG das Verbot. Ungeachtet der Gerichtsentscheidung war die Berliner Polizei mit rund 3000 Beamte im Großeinsatz.

Kleinere Gruppen der Corona-Leugner trafen sich bereits vormittags im Tiergarten. Dort versuchte die Polizei, große Ansammlungen zu unterbinden. So hatten Beamte Gruppen von 50 bis 100 Menschen, die am Protest teilnehmen wollten, bereits am Vormittag aufgehalten, wie Sprecher Thilo Cablitz mitteilte. Reisebusse wurden demnach zurückgeschickt, an der Siegessäule wurden Lastwagen mit Bühnenaufbauten sichergestellt. Die Beamten waren mit Hubschraubern, Wasserwerfern, Streifenwagen und Pferden im Einsatz. Sie bekamen Unterstützung von Einsatzkräften aus anderen Bundesländern und von der Bundespolizei.

Die "Querdenker"-Demonstration im Liveblog:

Trotz Verbot: Hunderte Teilnehmer bei Querdenker-Demo

Am frühen Nachmittag versammelten sich die Querdenker dann am Brandenburger Tor. Dort kam es zu mehreren Festnahmen, weil die Teilnehmer sich nicht an die Abstands- und Maskenregeln gehalten hatten. Beamte erteilten dann Platzverweise und führten Demonstranten in Handschellen ab. Auf Transparenten hatten diese gegen die Bundesregierung Stimmung gemacht. So wurden Politiker mit einer Puppen-Installation verhöhnt, die die Menge in die Höhe hielt. Polizisten schützten das Brandenburger Tor, indem sie es rund herum absperrten.

Nach dem Einschreiten der Polizei wollte sich der Protestzug in Richtung des Potsdamer Platzes bewegen. Dabei kam es zu Rangeleien zwischen Einsatzkräften und Querdenkern, nachdem Beamte erfolglos versucht hatten, eine Straßensperre zu errichten. Nach Angaben der Polizei mussten bis zum frühen Nachmittag knapp hundert Menschen „in ihrer Freiheit vorübergehend beschränkt“ werden.

Die Querdenker hatten am Tag zuvor in einer Gruppe des Messengerdienstes Telegram angekündigt, trotz des Verbots nicht aufgeben zu wollen. Auch während des Protests riefen Demonstranten in der Gruppe immer wieder andere Anhänger auf, sich ihnen anzuschließen. Nachdem sie daran gehindert wurden, am Potsdamer Platz zu protestieren, wichen die Demonstranten auf die Leipziger Straße und Unter den Linden aus.

Die Polizisten konnten schließlich verhindern, dass der Protestzug bis zum Humboldtforum vordringt. Die letzten Demonstranten zogen dann wieder in Richtung Alexanderplatz, kamen dort aber nicht an. Am Petriplatz nahe dem Kupfergraben setzte die Polizei sie fest. Der Protest konnte am frühen Abend endgültig aufgelöst werden.