Sanierung

Berlins Uferbereiche bröckeln

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In Charlottenburg muss ein halber Kilometer Uferwand saniert werden.

In Charlottenburg muss ein halber Kilometer Uferwand saniert werden.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Um 30 Kilometer an diversen Abschnitten der Spree und des Neuköllner Schifffahrtskanals zu sanieren, werden 600 Millionen Euro fällig.

Berlin. Als das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg im Sommer 2020 den Yaam-Club an der Schillingbrücke sperrte, weil ein Gutachten die Ufermauer zur Spree als baufällig einstufte, dachten viele an ein Einzelproblem. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Yaam ist überall. Die 59 Kilometer Uferbefestigungen an Berlins Flüssen und Kanälen, für die das Land zuständig ist, sind fast flächendeckend marode.

Die zuständige Senatsverwaltung für Verkehr und Umwelt hat in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Abgeordneten Kristin Brinker für die nächsten 20 Jahre Kosten von 600 Millionen Euro aufgelistet. So viel wird es kosten, insgesamt knapp 30 Kilometer Ufermauer an den verschiedenen Spree-Abschnitten und am Neuköllner Schifffahrtskanal zu sanieren.

Für die durch die Corona-Krise ohnehin schon schwer gebeutelte Landeskasse bedeutet dieser Befund eine erhebliche zusätzliche Belastung. Zuletzt hatte Berlin in den letzten zehn Jahren nur 3,3 Kilometer Uferwände für insgesamt 40 Millionen Euro saniert. Künftig müssten 30 Millionen Euro pro Jahr aufgewendet werden.

Kommentar zum Thema: Abwarten ist keine Strategie

Fünf große Ufer-Projekte sind derzeit in Arbeit

Die Finanzpolitiker im Abgeordnetenhaus haben die unangenehme Botschaft über die kommenden Kosten vergangene Woche eher fatalistisch zur Kenntnis genommen. „Wir haben hier ein Problem wie immer, wenn man öffentliche Infrastruktur nicht hegt und pflegt“, sagte der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Daniel Wesener.

Die Tiefbauabteilung der Verkehrsverwaltung hat derzeit fünf Sanierungsprojekte in Arbeit oder in der konkreten Planung. Größte Baustelle ist das Bonhoefferufer in Charlottenburg, wo ein halber Kilometer Ufer für 25 Millionen Euro hergerichtet wird. Auch am Wikingerufer in Tiergarten laufen die Arbeiten. Hier geht es um 400 Meter Uferwände. Dafür sind 19,6 Millionen Euro vorgesehen.

Sofortmaßnahmen zur Sicherung gibt es zudem flussaufwärts am Schleswiger Ufer und am Helgoländer-, Hansa- und Franklinufer. Hier sollen zusammen 1,3 Kilometer saniert werden. Die Kosten werden auf zusammen 10,5 Millionen Euro geschätzt. Für 200 Meter Sanierung am Neuköllner Schifffahrtskanal gibt es noch keine Kostenkalkulation.

Nächster Abschnitt soll der zwischen Schilling- und Elsenbrücke sein

Als nächstes soll jedenfalls der Abschnitt zwischen Schillingbrücke und Elsenbrücke an die Reihe kommen. Die gesamten vier Kilometer seien sanierungsbedürftig und werden Stück für Stück angegangen, sagte Staatssekretär Ingmar Streese: „Wir sind bereit zu planen, sobald das Geld genehmigt wird in der Investitionsplanung.“

Die für Wasserbau zuständige Referatsleiterin in der Tiefbauabteilung, Katrin Vietzke, erläuterte den Parlamentariern die Schwierigkeiten solcher Bauvorhaben. Die Situation sei an unterschiedlichen Orten sehr verschieden. Eine Kalkulation, jeder Meter Uferwand koste 50.000 Euro, sei jedenfalls nicht tragfähig. Sie erklärte, wie die Behörde vorgeht bei der Sanierung. Zunächst müssten die Abschnitte untersucht werden, dann werde geclustert, welche Schäden es gebe und welche besonders prioritär zu beheben seien.

Yaam-Club: Wann Sperrung aufgehoben wird, werde derzeit beraten

Nach ihren Worten wird sicherlich die Wand am Yaam-Club an der Schillingbrücke angegangen werden. Bereits jetzt habe man das Ufer „land- und wasserseitig“ gesichert. Der Club ist geschlossen, der Durchgang zwischen Halle und Ufer zum rückwärtig gelegenen Partystrand gesperrt. Im Fluss halten Tonnen Boote fern. Zunächst müsse man den Fuß der Uferwand befestigen. Wie man weiter vorgehe und wann die Sperrung wieder aufgehoben werden kann, bespreche man gerade mit dem Bezirk.

Eine schnelle Lösung für den Club, um irgendwann bei beruhigter Pandemielage wieder seinen Uferbereich öffnen zu können, konnte die Referatsleiterin aber nicht machen. „Das wäre schon eine große Maßnahme, die öffentlich ausgeschrieben werden müsste.“ Die Finanzierung dafür ließe sich aber womöglich aus Mitteln der baulichen Unterhaltung ermöglichen. „Vor dem Herbst ist aber kein Bagger für eine Sofortsicherung in Sicht“, sagte die Fachfrau.