Verkehrsbetriebe

BVG will neue Tarifangebote entwickeln

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Fahrgäste sind mit einem Bus der BVG unterwegs.

Fahrgäste sind mit einem Bus der BVG unterwegs.

Foto: dpa

BVG-Chefin Eva Kreienkamp spricht sich für neue Tarifoptionen und Ticketangebote aus, darunter auch eine Prepaidkarte.

Berlin. Angesichts der zunehmenden Verbreitung von Home-Office-Regelungen spricht sich die neue Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) für zusätzliche Tarifangebote aus. „Wenn wir jetzt eine Welt haben, in der manche Menschen nur noch drei Tage in der Woche ins Büro fahren, aber zwei Tage zu Hause bleiben und stattdessen den ÖPNV nehmen, um andere Dinge in der Stadt zu erleben, brauchen wir darauf zugeschnittene Tarifmodelle“, sagte die Vorstandsvorsitzende im Interview mit der Berliner Morgenpost.

Die BVG sei dabei, mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) Gespräche zu führen, wie Tarife und das gesamte Ticketing künftig aussehen könnten. „Wir können uns da Best-Buy-Möglichkeiten vorstellen und aufladbare Karten, von denen abgebucht wird, je nachdem wie weit und oft jemand gefahren ist. Das ist noch in den Kinderschuhen, aber da müssen wir hin, sodass es auch Hybrid-Formen von guten Tarifen für unsere Fahrgäste gibt“, sagte Kreienkamp. Bei den Best-Buy-Modellen werde elektronisch über einen gewissen Zeitraum, etwa eine Woche oder einen Monat, gemessen, wie häufig ein Fahrgast mit Bus und Bahn unterwegs gewesen sei. Je nach Nutzungshäufigkeit würde das System dann automatisch den jeweils günstigsten Tarif für den Kunden wählen, also etwa den Kauf mehrerer Einzeltickets, oder einer Wochenkarte.

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Aufladbare Karte könnte Fahrschein bei der BVG ersetzen

Der klassische Fahrschein solle zudem künftig auch durch aufladbare Geldkarten, physisch wie auf dem Smartphone ergänzt werden. „Wir wollen eine aufladbare Prepaidkarte einführen, wo per Touch-Scan beim Fahrscheinverkauf der entsprechende Betrag abgebucht wird. Wenn diese Systeme intelligenter werden, kann man z.B. auch messen, wie häufig jemand gefahren ist und was abgebucht oder vielleicht als Bonus sogar wieder draufgeladen wird“, so Kreienkamp.

Die BVG-Chefin erklärte, die verschiedenen Verkehrsträger in Zukunft noch besser digital vernetzen zu wollen. „Über unsere Plattform Jelbi wollen wir da den besten und effektivsten Weg von A nach B anbieten. Vom klassischen ÖPNV über Angebote wie Fahrrad, E-Roller, E-Auto bis hin zum Taxi werden dann Kombinationen möglich sein.“

BVG will das Angebot am Stadtrand verbessern

Insbesondere am Stadtrand solle sich der öffentliche Verkehr weiterentwickeln, sagte Kreienkamp. So sollten neben den Linien, die ins Zentrum führten, auch die Verbindungen innerhalb und zwischen den Vierteln am Stadtrand verbessert werden. „Wir machen solche Taktverdichtungen, etwa in Spandau und Falkensee. Das werden wir auch im Laufe dieses Jahres sehen. Da, wo neue Nachfrage entsteht, wo zum Beispiel neue Wohnquartiere entstehen, werden wir das Angebot anpassen und erweitern.“ Im Gespräch sei man dazu auch mit den Wohnungsbaugesellschaften, „denn wo autoarme Quartiere entstehen, gibt es eine große Notwendigkeit, guten ÖPNV in seinen verschiedenen Formen einzubringen.“ Helfen solle dabei insbesondere auch der Ausbau eines neuen Rufbussystems in den Außenbezirken, durch das zugleich der Nahverkehr effizienter organisiert werden könne. „Wir fahren mit großen Bussen in Gegenden, wo gar nicht so viel Bedarf ist. Deswegen brauchen wir zum Beispiel Rufbusse in den Außenbezirken“, so Kreienkamp.

Neues Rufbussystem soll den Berlkönig integrieren

Mit der bereits seit einigen Monaten geplanten Ausschreibung für eine neues Rufbuskonzept, wolle die BVG darauf nun reagieren, sagte die Vorstandsvorsitzende. Das neue System solle demnach Rufbusse, den geplanten barrierefreien Transport für mobilitätseingeschränkte Personen sowie das Angebot des Berlkönigs enthalten und kombinieren. Zeil sei „eine möglichst große Handlungsflexibilität zu haben und ein Angebot zu schaffen, dass sich über die Zeit auch finanziell trägt“, erklärte die BVG-Chefin. Ausgeschlossen sei, wie einst geplant den Dienst des Berlkönig in diesem Zusammenhang auf das gesamte Stadtgebiet auszudehnen. Stattdessen solle Berlkönig-Angebot als Ergänzung soweit integriert werden, damit es sich künftig wirtschaftlich trage. Der Fokus liege jedoch klar darauf, auf diese Weise das Angebot in den Außenbezirken zu verbessern. Kein problem sieht die BVG-Chefin darin, dass das bislang in Heiligensee und Schulzendorf getestete Rufbusangebot Berlkönig BC bislang kaum genutzt wird. „Es ist auch da ein Lerneffekt, der vor uns steht, damit wir bereit sind, Sharing-Angebote auch diesem Kontext wahrzunehmen“, so Kreienkamp. Über die Digitalisierung bestehe künftig die Möglichkeit, Sammeltaxis mit kurzfristiger Reaktionszeit anzubieten.