Nahverkehr in Berlin

Berlin plant fahrscheinlosen Tag für Bus und Bahn

Am 22. September 2021 sollen alle Berliner kostenlos mit Bus und Bahn fahren können. Die Aktion ist Teil des "Autofreien Tags".

Ohne einen Fahrschein zu lösen, sollen Berliner am 22. Seotembe rin der Stadt unterwegs sein können.

Ohne einen Fahrschein zu lösen, sollen Berliner am 22. Seotembe rin der Stadt unterwegs sein können.

Foto: Jörg Krauthöfer / FFS

  • Der Berliner Senat will die Ticketpflicht im öffentlichen Nahverkehr der Hauptstadt für einen Tag aussetzen.
  • An diesem Tag können alle Berliner kostenfrei in U-Bahnen, S-Bahnen, Trams und Bussen unterwegs sein.
  • Die Aktion soll stattfinden am 22. September 2021, als Teil des europaweiten „Autofreien Tags“.
  • Kritik kommt vom Fahrgastverband Igeb.

Berlin. Wie sich ein kostenfreier, öffentlicher Nahverkehr anfühlt, sollen alle Berliner in diesem Jahr zumindest an einem Tag erleben können. Der Senat plant, die Ticketpflicht für einen Tag lang auszusetzen. Eine entsprechende Vorlage von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) hat der Senat auf seiner Sitzung am Dienstag beschlossen.

Eingebettet werden soll die Aktion in den „Autofreien Tag“, der europaweit auch 2021 wieder am 22. September stattfinden wird. Derzeit arbeiteten die Senatsverkehrsverwaltung und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) an der Umsetzung für einen fahrscheinlosen Tag, heißt es in der Vorlage, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Angestrebt wird auch eine Beteiligung des Landes Brandenburg, damit die Aktion im kompletten VBB-Tarifbereich stattfinden kann.

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Nötig sei dafür zu ermitteln, wie das Fahrplanangebot für diesen Tag verstärkt werden muss. Da der Autofreie Tag an einem Werktag stattfinde, könnte das reguläre Verkehrsangebot an diesem Tag nicht ausreichend sein, da zusätzliche Nutzerinnen und Nutzer von dem Angebot Gebrauch machen könnten, schreibt Günther in der Vorlage. Zusammen mit den Mindererlösen, die die Verkehrsunternehmen an diesem Tag voraussichtlich verzeichnen werden, ergeben sich die Kosten der Aktion. Detaillierte Abschätzungen gebe es noch nicht, so Günther.

In einer ersten, groben Rechnung gehe die Verkehrsverwaltung demnach jedoch von geschätzten Kosten in Höhe von 570.000 bis 700.000 Euro aus. Sie würden den Verkehrsunternehmen durch das Land Berlin ausgeglichen. Da die Aktion für den Doppelhaushalt 2020/2021 sowie in den Nachtragshaushalten nicht berücksichtigt wurde, könne dies „ggf. zu Lasten anderer Aufgaben im ÖPNV gehen“, heißt es in der Mitteilung.

Der bereits im vergangenen Herbst vom Abgeordnetenhaus beschlossene fahrscheinlose Nahverkehr für 24 Stunden ist nur eine von mehreren Aktionen rund um den Autofreien Tag. Wie im vergangenen Jahr plant die Verkehrsverwaltung, auch 2021 in Kooperation mit den Bezirken und dem Bündnis Temporäre Spielstraßen an diesem Tag zahlreiche Straßenabschnitte für den Verkehr zu sperren, um Kindern Platz zum Spielen zu bieten. Im vergangenen Jahr wurden dazu 24 Straßenabschnitte mit einer Länge von insgesamt drei Kilometern temporär gesperrt.

Fahrgastverband Igeb sieht die Aktion kritisch

Zufrieden zeigte sich Verkehrspolitiker Kristian Ronneburg (Linke). „Der Tag ist gut, um einen Test zu haben, wie sich die Zahlen im ÖPNV entwickeln würden, wenn das Angebot kostenlos wäre.“ Für verschiedene Verbindungen könnten so die Auswirkungen auf die Nutzerzahl untersucht werden.

Kritischer sieht Jens Wieseke, stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbands Igeb, die Aktion. „Wir brauchen endlich handfeste Verbesserungen. Es passiert im Nahverkehr substanziell viel zu wenig.“ Darüber, so Wieseke, könne auch ein solcher Tag nicht hinwegtäuschen. Unglücklich findet er auch den Wochentag, ein Mittwoch. „Ich fände es persönlich besser, das am Wochenende zu machen, um das System in Pandemiezeiten nicht weiter zu belasten.“ Verkehrspolitiker Ronneburg hält eine Verschiebung für möglich. „Über das Datum kann man auf jeden Fall reden, das muss kein Werktag sein.“ Wichtig sei vor dem Hintergrund der Pandemie in jedem Fall, dass das Angebot an diesem Tag ausreichend erhöht werde.