Corona-Krise

Wie ein Berliner Caterer die Weihnachtsfeier retten will

Wegen Corona ist geselliges Beisammensein keine Option. Berlin Cuisine sieht das als Chance – und verlagert die Glühwein-Party ins Netz

Berlin-Cuisine-Gründer Max Jensen in seiner Showküche: Mit dem technischen Equipment und der Box will er Firmen-Weihnachtsfeiern retten.

Berlin-Cuisine-Gründer Max Jensen in seiner Showküche: Mit dem technischen Equipment und der Box will er Firmen-Weihnachtsfeiern retten.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Der Caterer Berlin Cuisine ist für gewöhnlich das ganz Jahr über gefragt. Und so hat das Unternehmen vor der Corona-Krise etwa für guten Geschmack und satte Teilnehmer bei Events, Galas oder auch Sportveranstaltungen gesorgt. Zu den Kunden zählten laut Homepage unter anderem Vodafone, Porsche und auch Hertha BSC. Besonders im Dezember hatte die Firma von Gründer Max Jensen gut zu tun. „Es kam vor, dass wir acht Weihnachtsfeiern pro Tag organisiert haben“, sagt Jensen. Doch in diesem Jahr ist alles anders.

Die Corona-Krise und damit verbundene Kontakt-Beschränkungen haben dafür gesorgt, dass Vor-Ort-Veranstaltungen im Grunde nicht möglich sind. Viele Unternehmen, die damit ihr Geld verdienten, gehen derzeit durch ihre schwerste Zeit. Auch Max Jensen musste einen Teil seiner Belegschaft entlassen oder in Kurzarbeit schicken. Doch nun ist Jensen angetreten, um wenigstens eine liebgewonnene Gewohnheit der Deutschen am Jahresende zu retten: die Weihnachtsfeier.

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Firma versendet Weihnachtsboxen – Mitarbeiter öffnen gemeinsam per Videostream

Etwa 50 Anfragen am Tag erhalte Berlin Cuisine derzeit. Nahezu alle drehen sich um die Frage, wie das gesellige Beisammensein in diesem Jahr wohl doch noch möglich wäre. Jensen hat dafür bei Berlin Cuisine mehrere Angebote parat. Eines – und das ist das derzeit gefragteste – ist das Versenden von Weihnachtsboxen. Unternehmen können darin für ihre Mitarbeiter zum Beispiel Stollen, Glühwein und auch Grußkarten verpacken lassen. Die kleinste Box beginnt preislich bei 29 Euro.

Ist eine Firma bereit, 100 Euro pro Box auf den Tisch zu legen, ist auch ein echtes Premium-Produkt möglich: Dann gibt es Champagner anstatt Wein und zum Gin-Tonic noch ein Kristall-Glas, sagt Max Jensen. Berlin Cuisine liefert die Box an jeden Mitarbeiter. Auspacken und Verkostung findet dann zu einem festen Termin per Videocall statt.

Im Kochstudio muss der Chef seine Künste zeigen

Für die – so Jensen – weitaus unterhaltsamere Variante der digitalen Weihnachtsfeier hat Berlin Cuisine das firmeneigene Kochstudio mit Kameras, Mischpult und Internetverbindung ausgestattet. So ist es möglich eine eigene Kochshow zu produzieren. Der Chef eines Unternehmens kocht, verwechselt Zucker mit Salz, erzählt allerhand Anekdoten und die Mitarbeiter an den Bildschirmen zu Hause lachen und haben eine gute Zeit, erzählt Jensen.

„Das ist ein Highlight. Der Chef geht die Extra-Meile und sorgt vielleicht für Lacher. Genau das will die Belegschaft sehen“, so Jensen. Auch bei dieser Form der Weihnachtsfeier können die Mitarbeiter eine Box geliefert bekommen. Letztlich sei alles möglich, was der Kunde sich wünscht, erzählt der Firmenchef.

Berlin Cuisine macht dennoch deutlich weniger Umsatz als sonst im Dezember

Das gewöhnliche Dezember-Geschäft lässt sich nach Angaben des Unternehmens durch die Weihnachtsfeier-Variante im Netz allerdings nicht auffangen. Der Umsatz liege derzeit nur bei 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Berlin Cuisine habe sein Geschäft dennoch erweitern können. Vorher sei der Caterer regional festgelegt gewesen. Neben Berlin hat das Unternehmen noch eine Zweigstelle in München. Durch das Internet sei nun ganz Deutschland ein denkbarer Markt. 3000 Weihnachtsboxen hatte Berlin Cuisine Mitte November bereits verkauft. Während der Pandemie hatten die Berliner auch andere Formate ausprobiert: So bot Berlin Cuisine etwa auch Käse- Weinverkostungen über das Internet an.

Max Jensen ist gebürtiger Münchner, aber in Berlin aufgewachsen. 2006 begann er eine Lehre bei TV-Koch Kolja Kleeberg, später arbeitete er im Zwei-Sterne-Restaurant Reinstoff. Jensen aber hatte schon immer den Drang, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. In seinen Urlauben mischte er deshalb stets als Praktikant in anderen Küchen mit. „Ich habe schon in Restaurants auf der ganzen Welt gearbeitet“, sagt Jensen. Mit seinem Geschäftspartner Felix Metzger machte er auf einer Asien-Reise 18 Praktika in 13 Ländern. Später entstand daraus der Dokumentarfilm „Guerilla Köche“.

Berlin-Cuisine-Gründer Jensen betreibt auch Clärchens Ballhaus in Mitte

Zurück in der deutschen Hauptstadt gründeten Jensen und Metzger im November 2012 Berlin Cuisine. Ursprünglich wollten beide ein Restaurant eröffnen. Doch als Jensen und sein Geschäftspartner immer wieder an verschiedenen Orten und für unterschiedliche, mögliche Investoren kochten, gründeten sie schließlich ein Catering-Unternehmen.

Mittlerweile allerdings hat sich für Jensen und Metzger doch noch der Traum vom stationären Gourmet-Tempel erfüllt. Im Sommer übernahmen sie mithilfe des Investors Yoram Roth die Gastronomie in Clärchens Ballhaus in der Auguststraße in Mitte. Im Nachhinein habe sich die Übernahme des Betriebs als Glücksfall erwiesen, vor allem für die Belegschaft von Berlin Cuisine, sagt Max Jensen. Ein Teil der Angestellten wechselte aus dem kriselnden Catering in den Restaurant-Betrieb und konnte – auch mithilfe des Instruments Kurzarbeit – gehalten werden. Wegen Corona musste sich die Firmengruppe aber dennoch von einem Teil der Mitarbeiter trennen. Von zuvor 80 Kräften seien derzeit noch etwa 60 bei den Firmen tätig.

Schade um den Tätowierer

Jensen will nun abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Ein ursprünglich geplanter Weihnachtsmarkt auf dem Hof von Clärchens Ballhaus sei zunächst auf Eis gelegt. Dafür dient das stationäre Restaurant nun mitunter als Hub. Mitarbeiter von Firmen, die bei Berlin Cuisine, ein Weihnachtsessen gebucht haben, können sich dort ihr Essen abholen. Bei einer großen Belegschaft richte das Unternehmen mehrere Abholmöglichkeiten dieser Art in Berlin ein, so Jensen.

Der Unternehmer geht davon aus, dass sich ein Teil des Internetgeschäfts auch über die Corona-Pandemie hinaus durchsetzen wird. „Digitale Veranstaltungsformate werden nicht mehr weggehen, weil sie günstiger sind und den Teilnehmern Zeit sparen“, sagt Jensen. Angebote wie die von Berlin Cuisine werden dazu gebraucht, glaubt der gelernte Koch.

Nur mit Blick auf die diesjährige Weihnachtsfeier seines eigenen Unternehmens spürt Jensen ein bisschen Wehmut: Bei den Zusammentreffen würden ja schon immer ganz lustige Dinge passieren. Berlin Cuisine habe etwa seit drei Jahren immer einen Tätowierer dabei gehabt. Vier oder fünf Mitarbeiter hätten sich bereits das Berlin-Cuisine-Firmenlogo auf die Haut stechen lassen. Dieses Jahr allerdings wird niemand Neues dazukommen.