Wohnen der Zukunft

So klappt es mit dem Klimaschutz für das Eigenheim

Wer ein Gebäude energetisch sanieren will, steht vor großen Herausforderungen und Investitionen. Der Staat fördert aber das Engagement.

Aus Alt mach Neu: Unsanierte Altbauten aus der Gründerzeit verschwenden besonders viel Energie.

Aus Alt mach Neu: Unsanierte Altbauten aus der Gründerzeit verschwenden besonders viel Energie.

Foto: Alexander Stein / picture alliance

Berlin. Heizung, Strom, Warmwasser: Insgesamt 35 Prozent aller Energie in Deutschland wird in Gebäuden verbraucht. Auch die eigenen vier Wände emittieren meist noch CO₂ und tragen so zum Klimawandel bei. Berlin und Deutschland haben sich allerdings den Klimazielen von Paris verschrieben und wollen bis 2050 klimaneutral werden.

Daher sind auch Immobilienbesitzer gefordert. Es gilt, Eigenheim oder Mietshaus energetisch zu sanieren, sodass keine Schadstoffe mehr ausgestoßen werden – also die alte Öl- oder Gasheizung durch eine neue zu ersetzen, moderne Fenster einzubauen, die Fassaden zu dämmen, um den Wärmeverlust zu mindern, und den Strom mit der eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach zu produzieren. Dank der vielen Förderprogramme ist es unter dem Strich auch gar nicht mehr so teuer.

Carsten Brückner, Berliner Landeschef des Immobilieneigentümerverbands Haus & Grund, rät dazu, den Aufwand und die damit verbundenen Investitionen nicht zu scheuen oder aufzuschieben. „Es gibt keinen Grund abzuwarten.“ Die energetische Sanierung sei nicht nur der Beitrag des Einzelnen, sondern bis 2050 schlicht nicht vermeidbar.

Allerdings könnten im Laufe der Zeit bestehende gesetzliche Regelungen verschärft werden, was das Projekt möglicherweise verteuert. „Außerdem ist es gut für das Gebäude, weil man es sich insgesamt ansieht und meist mehrere Dinge anfasst“, so Brückner weiter. Eine Photovoltaikanlage sei meist auch mit einer Dachsanierung und Erneuerung der Elektroanlage verbunden.

„Erst nach der richtigen Bestandsaufnahme kann man verbessern“

Immobilienbesitzer sind häufig keine Energiefachleute. Dabei gibt es bei einer energetischen Sanierung vieles zu beachten. „Bevor man eine neue Heizung einbaut, sollte man eine Wärmedämmung anbringen“, nennt Florian Munder, Regionalmanager Energie bei der Verbraucherzentrale (VBZ) Berlin, ein Beispiel.

Denn andernfalls müsste die neue Heizung zu viel leisten. Und selbstverständlich sei der Umfang der Maßnahmen am selbst genutzten Einfamilienhaus ein anderer als an einem vermieteten Altbau. Munder empfiehlt in diesem Fall genauso wie Haus-&-Grund-Landeschef Brückner zunächst den Gang zu einem Experten wie Günter Merkel. „Erst nach der richtigen Bestandsaufnahme kann man verbessern“, sagt der Energieberater, der seine Expertise kostenfrei im Rahmen einer Erstberatung bei der VBZ anbietet .

Nicht alle würden ihr Haus von Anfang an emissionsfrei machen wollen, sagt Merkel. Es sei aber wichtig, das mit zu betrachten. „Ich rede keinem den Einbau einer modernen Gastherme aus.“ Sinnvoller sei eine Wärmepumpe oder eine Solarthermieanlage, die Wärme komplett ohne die Verbrennung fossiler Energien erzeugen. „Wenn ihr das macht, macht das richtig“, laute seine Devise, sagt Merkel.

Die Wärmepumpe ist in Neubauten mittlerweile häufig Standardtechnologie. Sie funktioniert praktisch andersherum als ein Kühlschrank. Sie entnimmt der Luft Energie und lässt sie auf ein Kältemittel treffen, das bei niedriger Temperatur verdampft. In einem Kompressor wird der Dampf verdichtet und dadurch sehr warm. Diese Wärme wird an den Heizkreis abgegeben.

Allerdings sind die Anschaffungskosten hoch. Mehrere Hersteller beziffern sie auf 12.000 bis 15.000 Euro plus weitere 6000 bis 12.000 Euro für die Erschließung einer Wärmequelle im Boden. Zum Vergleich: Eine Gastherme kostet je nach Größe zwischen 1500 und 6000 Euro. Allerdings gibt es bei einer Wärmepumpe abgesehen von den Strom- kaum Betriebskosten. Eine vierköpfige Familie hat hingegen eine jährliche Gasrechnung von bis zu 1200 Euro.

Im Schnitt 2,89 Euro pro Quadratmeter für energetische Sanierung

Die energetische Sanierung aller Berliner Mehr-, Ein- und Zweifamilienhäuser würde in den kommenden 30 Jahren 91 Milliarden Euro kosten. Das geht aus einer gemeinsamen Studie der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, der Industrie- und Handels- sowie der Handwerkskammer Berlin aus dem Juni hervor. Wohnungsvermieter müssen in einem Mehrfamilienhaus pro Quadratmeter und Monat 2,89 Euro Extrakosten für die energetische Sanierung kalkulieren.

Die VBZ gibt etwa die Kosten für eine Außenwanddämmung mit 100 bis 200 Euro pro Quadratmeter an . Sie empfiehlt, sie im Rahmen einer ohnehin anstehenden Fassadensanierung mitzumachen. Den Ausgaben stehen dann eingesparte Heizkosten von mehr als 24.000 Euro in einem Zeitraum von 30 Jahren gegenüber. „Ich habe gerade ein Projekt mit zehn unterschiedlich großen Fenstern inklusive einer Balkontür mit drei Scheiben Wärmeverglasung für rund 9000 Euro“, nennt Energieberater Merkel ein weiteres Beispiel.

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach würde bei idealen Bedingungen, also 30 Grad Neigung und direkter Südlage, bei einem Einfamilienhaus im Schnitt mit 5100 Euro zu Buche schlagen, so Merkel weiter. Die Kosten für einen Energiespeicher beziffert der Experte auf 1000 Euro pro Kilowattstunde.

Da deutlich weniger Strom von außen bezogen werden muss, hat sich der Einbau laut der VBZ nach zehn bis 14 Jahre amortisiert. Mit dem Sanierungskonfigurator des Bundes können Hausbesitzer verschiedene Vorhaben simulieren, die genauen Kosten ermitteln und herausfinden, welche staatlichen Fördermittel dafür bereitstehen.

Kredite und Zuschüsse: Staat fördert energetische Sanierung

Zum Anfang des Jahres hat der Bund eine Reihe neuer Förderinstrumente aufgelegt. Die Liste der Kredit- und Zuschussprogramme der öffentlichen Hand für Berliner Immobilienbesitzer ist lang. Sie findet sich auf einer Internetseite der Verbraucherzentrale . Laut Regionalleiter Munder ist es „noch nie so günstig gewesen, etwa eine Heizung auszutauschen“.

Wer eine energetische Komplettsanierung plant, kann bei der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einen Kredit von bis zu 120.000 Euro aufnehmen. Wer sich dieses Geld über die landeseigene Investitionsbank Berlin leiht , bekommt einen effektiven Jahreszins von 0,75 Prozent und eine Zinsbindung von bis zu zehn Jahren. Für Einzelmaßnahmen wie die Umstellung der Heizungsanlage auf erneuerbare Energien gibt es bis zu 50.000 Euro.

Neben Krediten gibt es auch Zuschüsse. So gibt die KfW bis zu 48.000 Euro bei einer Komplettsanierung der selbst genutzten Immobilie und 10.000 Euro für Einzelmaßnahmen.

Vermieter hingegen können sich an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wenden, das etwa den Einbau einer neuen Heizung mit 25.000 Euro bezuschusst. Daneben gibt es noch mehrere kleine Förderprogramme für Einzelmaßnahmen.

Auch Inanspruchnahme des Energieberaters wird bezuschusst

Laut Haus-&-Grund-Landeschef Brückner droht nicht, bei der Vielzahl der Fördermöglichkeiten den Überblick zu verlieren. „Man muss ja einen Energieberater und später möglicherweise einen Architekten einschalten, und die kennen sich mit Fördermaßnahmen aus.“

Energieberater wie Günter Merkel erstellen zunächst einen Sanierungsplan. „Der Teufel liegt oft im Detail“, beantwortet der Experte die Frage nach seinen Kosten. Das BAFA fördert das Hinzuziehen eines Energieberaters in jedem Fall mit bis zu 1700 Euro.

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