Corona-Pandemie

Schulen in Berlin fordern: „Wir wollen halbe Klassen haben“

Der Start in den Schultag wird an Bildungseinrichtungen in Berlin bis zu zwei Stunden gestreckt. Auch Hybridunterricht ist möglich.

Der Mund-Nasen-Schutz wird nun dauerhaft in den höheren Klassen getragen – während des gesamten Schultages.

Der Mund-Nasen-Schutz wird nun dauerhaft in den höheren Klassen getragen – während des gesamten Schultages.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Berlin. Auf einmal geht es doch mit dem hybriden Unterricht – zumindest ein bisschen. „Viele Berliner Schulen haben bereits ein Alternativszenario mit hybridem Lernen entwickelt und teils auch schon ausprobiert“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). „Eine Testphase von ein, zwei oder drei Tagen die Woche untersagen wir auch keineswegs.“ Danach müsse es dann aber auch wieder vorbei sein mit dem digitalen Fernunterrichten. „Eine komplette Umstellung wollen wir derzeit vermeiden“, so die Politikerin.

Obwohl die Schule in „Orange“ eingeordnet war, griff faktisch das Szenario „Rot“

Genau das musste jetzt das Gymnasium Tiergarten in Mitte erfahren. Dort gibt es aktuell in allen Jahrgangsstufen Coronafälle oder Verdachtsfälle unter Schülern, zum Teil mit starken Symptomen. Deshalb hatte die Schulaufsicht am letzten Donnerstag genehmigt, das die Klassen der Sekundarstufe 1 halbiert werden dürfen und Unterricht teilweise digital stattfindet. Die Jahrgänge 11 und 12 befinden sich momentan eh in Quaratäne. De facto griff hier also das Alternativszenario der Stufe „Rot“, obwohl die Schule auf „Orange“ eingeordnet ist.

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Obwohl der hybride Unterricht gut klappt, soll ab Freitag damit wieder Schluss sein, sagt nun die Schulaufsicht. Alle, die nicht in Quarantäne sind, müssen dann zurück in die Schule – Klassenstärken von 30 Kindern in einem Klassenraum. Dabei sind längst nicht alle Testergebnisse ausgewertet. Warum dieses Risiko? „Präsenzunterricht bleibt derzeit die Regel“, heißt es aus der Senatsbildungsverwaltung. Für das Gymnasium in Mitte gelte weiterhin der Corona-Stufenplan – und dort stünde es auf Orange. Ob die Schule womöglich doch in Rot (Alternativszenario) eingestuft wird, „darüber entscheiden die Gesundheitsämter am Donnerstag nach Rücksprache mit der Schulaufsicht“.

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Ältere Schüler tragen nun den gesamten Schultag eine Maske

Am Mittwoch gab es an weiterführenden Schulen eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen. So gilt ab jetzt über den ganzen Schultag für ältere Schüler eine Maskenpflicht. Außerdem wurde der Unterrichtsbeginn gestaffelt. Die Schüler starten nun zeitlich versetzt in den Unterricht, damit sie sich nicht bei der Anfahrt in Bussen und Bahnen drängen müssen. Aufgabe der weiterführenden Schulen war es nun, diese neue Vorgabe der Senatsbildungsverwaltung sehr kurzfristig umzusetzen.

„Das ist für jede Schule eine Mammutaufgabe“, glaubt Andreas Krenz, Schulleiter des Schadow-Gymnasiums in Zehlendorf. Im Moment sei es noch nicht ohne Unterrichtsausfall zu realisieren, denn die Stundenpläne könnten nicht einfach umgestellt werden. Aber ab der kommenden Woche versuche er, ein Modell für jede einzelne Klasse zu entwickeln, indem beispielsweise die erste Stunde auf die achte Stunde verschoben wird. Im Willy-Graf-Gymnasium in Lichterfelde wird der Start in den Schultag auf fast zwei Stunden von 8 Uhr bis 9.55 Uhr gestreckt. „Wir haben die Schüler auf fünf Gruppen verteilt, die zu fünf verschiedenen Zeiten ankommen“, heißt es aus der Schule.

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Auch auf Lehrkräfte mit schulpflichtigen Kindern müsse man Rücksicht nehmen

Der versetzte Unterrichtsbeginn für verschiedene Jahrgänge der Otto-von-Guericke-Oberschule in Wilmersdorf werde sowohl intern als auch mit umliegenden Schulen abgesprochen, sagte Felix Iwert, stellvertretender Rektor der Oberschule. „Wir befinden uns noch immer in Abstimmungen“, berichtete Iwert. Dabei müsse auch auf Kollegen Rücksicht genommen werden, die selbst Kinder haben und diese zur Schule bringen müssen. Generell bewertet Iwert die Entscheidung, die Schülerströme zu entzerren, positiv.

An der Carl-Benz-Oberschule in Reinickendorf wurde ebenfalls versetzter Unterricht angeordnet. „Es fällt aber kein Unterricht aus“, versprach eine Mitarbeiterin der Schule. Genauere Angaben wollte sie nicht machen.

Auch in Spandau werden die Neuerungen umgesetzt. So informiert das Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasium auf seiner Internetseite, dass es nun wöchentliche Wechsel geben werde: In einer Wochen fangen die Klassen 7 und 8 um 8 Uhr an und die Klassen 9 und 10 um 8.30 Uhr, in der nächsten Woche ist es andersrum. An der Carlo-Schmid-Oberschule betrifft die Staffelung nur die erste Unterrichtsstunde, hier habe man das Eintreffen der Klassen etwas auseinandergezogen, sagte Schulleiterin Bärbel Pobloth. Was an Unterricht verloren geht, soll durch zusätzliche Hausaufgaben oder Unterricht über die Plattform „Lernraum Berlin“ ersetzt werden. Sie meinte aber auch: „Wir hatten auf eine richtige Lösung gehofft und sind enttäuscht. Wir wollen unbedingt, dass wir endlich halbe Klassen haben.“ Die nun beschlossenen Maßnahmen sieht sie als „kleine Pflaster für große Wunden“.

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Kommende Woche werden die Schüler in zwei Gruppen aufgeteilt

In Friedrichshain-Kreuzberg erklärt Schulstadtrat Andy Hehmke (SPD), dass die Schulen die neue Regelung selbstständig umsetzen sollen. Die Ferdinand-Freiligrath-Schule an der Bergmannstraße etwa verbindet die neue Staffelung mit einer gesamten Umstellung der Unterrichtsform. Wie Schulleiterin Anke Schmidt sagte, kommen die rund 220 Schüler schon jetzt in zwei Schüben. In der kommenden Woche werden die Schüler in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils Präsenz- und Distanzunterricht erhalten. Dann beginnt für eine Gruppe die Schule um acht Uhr, für den Rest um elf Uhr.