Corona-Pandemie

Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen - mehrere Todesfälle

In einem Heim in Tempelhof-Schöneberg sind 68 Menschen mit Corona infiziert, mehrere positiv Getestete starben. Pflegekräfte fehlen.

Neues Corona-Konzept kommt erst in der kommenden Woche

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für die kommende Woche ein längerfristig geltendes Corona-Konzept angekündigt. Am Mittwoch kommender Woche sollten die Beschlüsse auf den Weg gebracht werden, kündigte Merkel nach stundenlangen Beratungen mit den Ministerpräsidenten an.

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Berlin. In Berlin breitet sich das Corona-Virus auch in Pflegeheimen weiter aus. Nach dem schweren Ausbruch in einer Einrichtung des Trägers Kursana in Lichtenberg, wo die Zahl der Verstorbenen inzwischen von zunächst zwölf auf 14 stieg, gibt es weitere Hotspots.

Die Senatsverwaltung für Gesundheit berichtet von drei Heimen in Tempelhof-Schöneberg mit 68 infizierten Mitarbeitern und Bewohnern, von einem Heim in Marzahn-Hellersdorf mit fünf und zwei Fällen in Friedrichshain-Kreuzberg mit zusammen neun Infizierten.

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Mehrere Heimbewohner mit Covid-19 verstorben

Tempelhof-Schönebergs Gesundheitsstadtrat Oliver Schwork (SPD) sagte, bei rund der Hälfte der Infizierten handele es sich um Mitarbeiter der Pflegeheime. Es seien aber auch einige der hochbetagten Bewohner im Zusammenhang mit der Corona-Infektion verstorben. Es handele sich um eine einstellige Zahl von Menschen. Mehrere weitere lägen mit Covid-19-Symptomen im Krankenhaus.

Quarantäne: Heim hat nicht mehr genug Pflegepersonal

In einem der von den jüngsten Ausbrüchen betroffenen Haus gebe es wegen der Infektionen und der Quarantäne von Mitarbeitern nicht mehr genügend Pflegepersonal. Zehn Bewohner seien deshalb in eine Notunterkunft gebracht worden, um sie dort zu versorgen. In den betroffenen Häusern seien Hygieniker dabei, die Schwachstellen aufzuspüren, die die Ausbrüche begünstigt haben könnten.

Die Gesundheitsstadträte tauschten sich am Montag in einer Telefonkonferenz über die Lage in der Pflege aus. Die Bezirksvertreter berichtete von zunehmenden Probleme, angesichts der immer noch hohen Infektionszahlen die Bewohner zu schützen.

Gesundheitssenatorin Kalayci befürchtet: Nicht alle Betreiber halten Hygienevorschriften ein

Im Haus der Senatorin Dilek Kalayci (SPD) ist man wegen dieser Entwicklung in Sorge. Es besteht der Argwohn, dass manche Betreiber aus wirtschaftlichen Interessen die verschärften Verhaltensvorschriften für das Pflegepersonal nicht konsequent umsetzen.

Mitarbeiter sind durch eine seit Freitag geltenden Verordnung verpflichtet bei körpernaher Pflege leistungsfähige FFP-Masken zu tragen, ihre Pausen möglichst draußen und mit nicht mehr als einem Kollegen zu verbringen und bei Pausen in Innenräumen alleine zu bleiben. Atemwegserkrankungen bei Bewohnern und Mitarbeitern sollten streng überwacht werden.

Im Lichtenberger Fall gehen die Behörden davon aus, dass Beschäftigte trotz Krankheitssymptomen zur Arbeit gekommen waren.

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Kalayci kritisierte die Betreiber: „Egal ob in Lichtenberg oder anderswo, Pflegeheime sind keine Gewinnmaximierungsunternehmen auf dem Rücken von Bewohnerinnen und Bewohnern“, sagte die Gesundheitssenatorin. Sie erwarte Transparenz und Kooperation von den Betreibern.

Für Pflegekräfte hat die Gesundheitsverwaltung vergangene Woche die Vorschriften zum Schutz der Bewohner verschärft. Der Senat hat auch seinen Bußgeldkatalog für andere Verstöße gegen die Corona-Auflagen aktualisiert. Bisher war etwa das Öffnen einer Kneipe zwar verboten, in der Verordnung über die Bußgelder kam dieser Fall jedoch nicht vor. Nun soll es bis zu 10.000 Euro kosten, ein Theater, eine Gaststätte oder ein Kino aufzumachen. Das Gleiche gilt für Spielhallen, Saunen oder Tätowierstudios. Auch touristische Übernachtungen anzubieten, wird mit einem Bußgeld geahndet. Wer sexuelle Dienstleistungen von Prostituierten in Anspruch nimmt, muss dafür bis zu 5000 Euro zahlen.