Stadtentwicklung

Tempelhofer Feld: Hohe Zustimmung für Randbebauung

2014 hatte sich die Mehrheit der Berliner dagegen ausgesprochen. Eine Umfrage zeigt, dass die FDP mit ihrem Vorstoß Erfolg haben könnte

Ist an den Rändern des Tempelhofer Feldes noch Platz für weitere Wohnungen? Darüber sollen die Berliner erneut abstimmen.

Ist an den Rändern des Tempelhofer Feldes noch Platz für weitere Wohnungen? Darüber sollen die Berliner erneut abstimmen.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin.  Mit dem Anfang Oktober gestarteten Volksbegehren „Baut auf diese Stadt“ hat die Berliner FDP einen neuen Anlauf für die Randbebauung des Tempelhofer Feldes mit Wohnungen initiiert. 2014 hatte sich die Mehrheit der Berliner noch dagegen ausgesprochen. Eine aktuelle Umfrage zeigt nun, dass die Liberalen mit ihrem Vorstoß durchaus Erfolg haben können: Nur bei den Parteianhängern der AfD findet sich keine Mehrheit für die Bebauung, bei allen anderen überwiegt die Zustimmung.

Besonders SPD-Wähler finden die Bebauung „gut“

„Wie bewerten Sie die Forderung, auf dem Rand des Tempelhofer Feldes neue Wohnungen zu bauen?“, lautete die Frage, die das Meinungsforschungsinstitut Insa im Auftrag des FDP-Landesverbandes im Oktober durchgeführt hat. An der repräsentativen Umfrage nahmen 1007 Personen teil. Besonders stark fiel demnach die Zustimmung unter den Wählern der SPD aus, die diese Forderung zu 70 Prozent als „gut“ bewerteten. Die Wähler der FDP, die das entsprechende Volksbegehren gestartet haben, landen mit 65 Prozent auf Platz zwei, dicht gefolgt von den CDU-Wählern auf Platz drei (62 Prozent). Auch deutlich mehr als die Hälfte der derzeitigen Grüne-Wählern (57 Prozent) und Linken-Wähler (54 Prozent) findet den Vorschlag gut.

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Nur die Wähler der AfD sind in dieser Frage gespalten: So bewerten nur 44 Prozent der derzeitigen AfD-Wähler die Forderung als gut und 41 Prozent als schlecht und weiteren zwölf Prozent ist es egal, ob auf dem Rand des Tempelhofer Feldes neue Wohnungen gebaut werden oder nicht.

Höhere Zustimmung bei Menschen über 60 Jahre

Interessant ist das Abstimmungsverhalten auch aufgeschlüsselt nach Alter und Geschlecht: So unterstützen 60 Prozent der Befragten ab 60 Jahren die Forderung nach einer Bebauung in den Randbereichen des 2008 geschlossenen Flughafens Tempelhof. Am geringsten ist die Zustimmung in der Altersgruppe der Befragten zwischen 30 und 39 Jahren mit lediglich 46 Prozent. Männliche Befragte bewerten die Forderung, auf dem Rand des Tempelhofer Feld neue Wohnung zu bauen, zudem häufiger als gut als weibliche Befragte (55 zu 49 Prozent).

„Der Wohnungsbau am Tempelhofer Rand finde in der ganzen Stadt über fast alle politischen und gesellschaftlichen Lager hinweg eine Mehrheit. Die Stadt erkennt damit neue Notwendigkeiten an“, sagt Sebastian Czaja, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Das derzeit ungenutzte THF-Areal sei eine der größten Potenzialflächen der Stadt. „Wichtig ist, dass wir nicht das bauen lassen, was politisch gerade angesagt ist, sondern das, was wir Menschen in unserer Stadt tatsächlich brauchen und bezahlen können“, so Czaja weiter.

Platz für 12.000 Wohnungen

Nach dem Abstimmungsvorschlag der FDP sollen je ein Drittel der zu errichtenden Wohnungen von Genossenschaften, ein weiteres Drittel als öffentlich geförderter Wohnungsbau und ein Drittel von privaten Bauherren errichtet werden. Weiter wird vorgeschlagen, auf dem Tempelhofer Feld rund 202 Hektar Parkfläche für die Allgemeinheit und den Naturschutz zu erhalten sowie auf den äußeren Rändern 90 Hektar Fläche vornehmlich mit Wohnungen zu bebauen.

Eine genaue Anzahl der Wohnungen ist in dem Abstimmungstext nicht enthalten – nach Auffassung der FDP könnten es aber rund 12.000 sein. „Das soll aber keine starre Vorschrift sein. Viel wichtiger ist uns, dass der Tempelhofer Rand gemeinsam mit der Stadt entwickelt wird“, so FDP-Sprecher Peter Kastschajew. Das sei auch die Lehre aus 2014 – niemand habe eine „Wowereit-Gedenkbibliothek“ gewollt und auch das habe die Negativstimmung während des Entscheids damals stark beeinflusst.

Zur Erinnerung: 2014 erteilten die Berliner den Plänen der damaligen rot-schwarzen Koalition eine Absage, knapp 5000 Wohnungen sowie Gewerbeflächen für bis zu 8000 Menschen und einen Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek an drei Seiten des Feldes zu errichten.

Unterschriftensammlung coronabedingt nur Online und per Post

In der ersten Stufe auf dem Weg zu einem erneuten Volksentscheid müssen nun erst einmal Unterschriften gesammelt werden: 20.000 sind erforderlich, damit zunächst einmal das Volksbegehren überhaupt eingeleitet werden kann. In der zweiten Stufe müssen dann nicht nur mehr „Ja“-Stimmen als „Nein“-Stimmen, sondern auch mindestens rund 613.000 „Ja“-Stimmen zusammenkommen. 2014 hatten fast 700.000 Bürger dafür gestimmt, das Feld frei zu lassen.

Wie viele Stimmen in den ersten sechs Wochen seit Beginn der Sammlung zusammengekommen sind, kann der FDP-Landesverband indes nicht sagen. Aktuell würden aufgrund des Lockdowns keine Unterschriften in physischer Präsenz gesammelt, so der FDP-Sprecher. „Wir gehen aber online und per Post gezielt auf Leute zu, die dann in ihren Haushalten oder Büros – also da, wo sie sich so oder so aufhalten – Unterschriften sammeln und als Brief an uns schicken“, so der Sprecher weiter. Das funktioniere so gut, dass nahezu täglich neue Unterschriften „bei uns aufschlagen“, sagt Kastschajew. Unterschriftenliste und Inhalte des neuen Volksbegehrens sind unter baut-auf-diese-stadt.de abrufbar.