Corona-Pandemie

Flughafen Tempelhof soll Corona-Impfstation werden

Der Senat verhandelt auch mit der Messe und dem Velodrom, um Impfzentren einzurichten. Schon in vier Wochen sollen sie fertig sein.

Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland auf neuem Höchststand

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland hat ein neues Rekordhoch erreicht. Laut dem Robert-Koch-Institut wurden mehr als 23.500 neue Ansteckungsfälle innerhalb eines Tages erfasst.

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Berlin. Die sechs Berliner Impfzentren zur Versorgung der Bevölkerung mit dem Corona-Impfstoff sollen in leerstehenden Hallen entstehen. Der Senat hat dazu verschiedene Anfragen bei Hallenbetreibern gestartet, darunter dem Flughafen Tempelhof, der Messe und dem Velodrom. Jede der sechs Impfstellen soll nach Information der Morgenpost zudem über ein Impf-Mobil verfügen, das Patienten versorgen soll, die nicht in das jeweilige Zentrum kommen können.

Das ehrgeizige Ziel ist es, schon in vier Wochen bereit zu sein, sollte der Impfstoff bis dahin zugelassen werden. Deswegen werden bereits Messe-Bauer kontaktiert, die sofort mit der Ausstattung der Hallen beginnen, sobald die Mietverträge unterschrieben sind. Ursprünglich sollten die Zentren an bestehenden Gesundheitsstandorten errichtet werden, wo bereits Infrastruktur zur Behandlung von Patienten vorhanden ist. Doch angesichts des zu erwartenden Andrangs in den Zentren und den geltenden Abstands- und Hygieneregeln wurde davon Abstand genommen.

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Die Hallen sollen für Patienten gut erreichbar sein

Nach Zulassung des Impfstoffs sollen bis zu 20.000 Berliner pro Tag gegen das Virus geimpft werden, insgesamt in der ersten Phase 400.000, die besonders von einer Infektion gefährdet sind. Für den ehemaligen Landesbranddirektor und Chef des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme, der die Zentren für Berlin einrichten soll, keine leichte Aufgabe.

Zu klären ist insbesondere, wie die Menschen durch die Impfstellen geschleust werden können, ohne sich der Gefahr einer Infektion auszusetzen. Insgesamt sollen 90 Impfplätze in den sechs Zentren eingerichtet werden, je nach Zustand und Größe der Halle, können es auch mehr werden, heißt es.

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Der Senat sucht derzeit nach weiteren Standorten, auch der gerade still gelegte Flughafen Tegel wird als möglicher Standort geprüft – gilt aber wegen der eingeschränkten Erreichbarkeit nicht als Favorit für eines der sechs Zentren. In der kommenden Woche sollen die sechs Standorte für die Zentren endgültig feststehen und mit der Einrichtung begonnen werden.

50 Millionen Impfdosen bis Ende des Jahres

Der Flughafen Tempelhof und die Messe bestätigten der Berliner Morgenpost die Anfragen des Senats. Die Messe sucht derzeit nach einer verfügbaren Halle, die zusätzlich zu den drei bereits für das Notfall-Krankenhaus bereit gestellten Hallen hinaus, genutzt werden kann. Sie soll für Patienten gut erreichbar sein und sich daher an den Außengrenzen des Messegeländes befinden, um lange Wege durch das Messegelände zu vermeiden.

Um die Zentren betreiben zu können, sollen die Bundeswehr, private Sicherheitsdienste und das Rote Kreuz beteiligt werden. Für das medizinische Personal sorgt die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Noch nicht geklärt ist, wie lange die Hallen als Impfzentren genutzt werden. Für eine erfolgreiche Behandlung mit dem vom Mainzer Unternehmen Biontech entwickelten Serum sind zwei Impfungen innerhalb von drei Wochen notwendig.

Nach Impfung: Immunität gegen Corona erst nach drei Monaten

Drei Monate wird es deshalb mindestens dauern, bis die ersten 400.000 Berliner immun gegen das Virus sind. Aber auch danach könnten die Zentren weiter betrieben werden, da befürchtet wird, dass der Andrang in der zweiten Phase der Impfungen nicht von den Hausärzten bewältigt werden kann, die danach weite Teile der Bevölkerung mit dem Impfstoff versorgen sollen.

Außerdem geht die Gesundheitsverwaltung davon aus, dass in den kommenden Monaten weitere Impfstoffe zugelassen werden, so dass deutlich mehr Serum zur Verfügung stehen wird. Biontech hat angekündigt, bis Ende des Jahres zunächst 50 Millionen, im kommenden Jahr 1,3 Milliarden Impfdosen weltweit herzustellen.

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Wie viel davon in Berlin zur Verfügung stehen wird, ist noch nicht bekannt. Die Verteilung wird zentral vom Bund nach Bevölkerungsdichte in den einzelnen Bundesländern vorgenommen. Die Verteilung des Impfstoffs ist kompliziert, da er lückenlos bei minus 70 Grad Celsius transportiert werden muss. Vivantes hat dafür im Auftrag des Senates besonders leistungsfähige Kühlschränke bestellt, in denen der Impfstoff an einem geheimen Ort zentral gelagert werden soll. Unklarheit besteht noch darüber, in welcher Reihenfolge die Berliner gegen das Virus geimpft werden sollen.

Hausärzte fordern: Bestimmte Berufsgruppen zuerst impfen

Während der Senat bislang davon spricht, Risikogruppen, wie Bewohner von Pflege- und Altenheimen mit Priorität zu versorgen, fordern die Hausärzte, zunächst diejenigen Berufsgruppen zu impfen, die berufsbedingt mit besonders vielen Menschen in Kontakt kommen – also medizinisches Personal, Polizisten und Feuerwehrleute sowie Busfahrer und Kassiererinnen. Ältere Menschen in Heimen seien durch die aktuellen Maßnahmen bereits ausreichend geschützt, lautet die Argumentation des Verbands der Hausärzte.

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Das Mainzer Unternehmen Biontech hatte zusammen mit dem Pharmakonzern Pfizer Anfang der Woche überraschend angekündigt, die Zulassung für ihr Serum zu beantragen. Die entscheidende Testphase sei bislang erfolgreich verlaufen. Die Europäische Union hat sich bereits bis zu 300 Millionen Dosen des Impfstoffes gesichert und wird sie auf die einzelnen Mitgliedsstaaten verteilen. Auf Deutschland entfallen demnach etwa 59 Millionen Impfdosen.