Plagiatsvorwürfe

Ministerin Franziska Giffey verzichtet auf Doktortitel

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey verzichtet auf ihren Doktortitel. Das erklärte sie nun in einem Schreiben an die FU Berlin.

Giffey verzichtet auf ihren Doktortitel

In der Affäre um Plagiate in ihrer Dissertation verzichtet Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) auf ihren Doktortitel. Sie gehe diesen Schritt, um "weiteren Schaden von meiner Familie, meiner politischen Arbeit und meiner Partei abzuwenden", teilte sie mit.

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Berlin. 
  • Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) will in Zukunft ihren Doktortitel nicht mehr führen
  • Das erklärte die Politikerin in einem Schreiben an ihre frühere Universität, die FU Berlin
  • Zuvor hatte es immer wieder Spekulationen um mögliche Plagiate in der Doktorarbeit gegeben

Im Streit um mögliche Plagiatsfälle in ihrer Doktorarbeit hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey jetzt Konsequenzen gezogen. Die Ministerin verzichtet auf ihren Doktortitel und hat dies in einem Schreiben an den Präsidenten der Freien Universität Berlin mit dem Datum vom 13. November 2020 mitgeteilt. Das Schreiben liegt unserer Redaktion vor.

Giffey schreibt in ihrem Brief: „Um weiteren Schaden von meiner Familie, meiner politischen Arbeit und meiner Partei abzuwenden, erkläre ich, den mir am 16. Februar 2010 von der Freien Universität Berlin mit der Gesamtnote „magna cum laude“ verliehenen Titel Dr. rer. pol. ab sofort und auch zukünftig nicht mehr zu führen.“

Giffey will trotz Streit um Doktortitel für Vorsitz der Berliner SPD kandidieren

Nach Bekanntwerden ihres Verzichts teilte Giffey mit, trotz allem für den Vorsitz der Berliner SPD kandidieren zu wollen. „Ich kandidiere beim digitalen Parteitag am 27. November für den Landesvorsitz der Berliner SPD und freue mich darauf, im nächsten Jahr gemeinsam mit den Berliner Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten einen engagierten Wahlkampf zu führen“, teilte Giffey mit. Und erklärte weiter: „Ich bin nicht gewillt, meine Dissertation und das damit verbundene nun neu aufgerollte Verfahren weiter zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen zu machen.“

Giffey betont in ihrem Brief an den Universitätspräsidenten Dr. Günter Ziegler, Präsident und Präsidium hätten als das höchste Gremium der Universität den „vor über einem Jahr einstimmig gefassten Beschluss und Ihre bisherige fachliche und rechtliche Auffassung ohne Vorliegen eines neuen Sachverhalts“ revidiert. Diese nehme sie „zur Kenntnis“. Der Präsident habe ihr die Möglichkeit zur Stellungnahme gewährt, „ohne zu begründen, auf welcher Rechtsgrundlage Sie handeln“.

Giffey verzichtet auf ihren Doktortitel – nach langer Auseinandersetzung

Giffey schreibt weiter, sie habe ihre „Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Sie als Präsident der Universität haben mir im letzten Jahr mitgeteilt, dass eine Entziehung des Doktorgrades nicht als verhältnismäßig bewertet wird“. Giffey habe „auf diesen Entschluss vertraut“. Giffey schließt den Brief ohne Nutzung ihres Titels.

Die öffentliche Auseinandersetzung um Giffeys Doktorarbeit zieht sich schon über viele Monate. Sie hatte auch dazu geführt, dass sich die SPD-Politikerin nicht als Kandidatin für das Amt der SPD-Parteivorsitzenden zur Verfügung stellte.

Prüfer der Freien Universität Berlin sahen in einer ersten Untersuchung an 27 Stellen der Promotionsarbeit „objektive Täuschung“ und sprachen lediglich eine Rüge aus. Die Universität hat mittlerweile angekündigt, die Arbeit erneut einer Überprüfung zu unterziehen, da ein minderschwerer Fall „im Schlussbericht des Prüfgremiums nicht dargetan worden“ sei und deshalb erneut geprüft werden müsse.