Verkehrswende

Radnetz-Plan: Breite Radwege durch Parks und Fußgängerzonen

Breite Radwege könnten künftig durch Parks und Fußgängerzonen führen. So sieht es ein Entwurf für Berlins neues Radwegenetz vor.

Im Gleisdreieckpark und anderen Berliner Grünflächen könnten Radfahrer eigene, breite Radwege bekommen.

Im Gleisdreieckpark und anderen Berliner Grünflächen könnten Radfahrer eigene, breite Radwege bekommen.

Foto: Kay Nietfeld / picture alliance / dpa

Berlin. Separat geführte, breite Radwege könnten künftig auf mehreren Strecken durch Berliner Parks und Grünanlagen führen. So sieht es ein erster Entwurf für das künftige Berliner Radnetz hervor, das der Berliner Morgenpost vorliegt, zunächst hatte darüber der Tagesspiegel berichtet. Insgesamt soll das Berliner Radnetz demnach künftig eine Länge von 2405 Kilometern umfassen.

Besondere Bedeutung kommt dabei dem Vorrangnetz zu. Dieses soll sich nach dem ersten Entwurf auf einer Entfernung von insgesamt 919 Kilometern inklusive der geplanten Radschnellverbindungen durch die Stadt ziehen. Mit diesem Plan möchte die Senatsverkehrsverwaltung festlegen, auf welchen Strecken der Radverkehr in Berlin künftig verstärkt geführt werden soll. Radfahrer sollen dafür auf diesen Abschnitten teils Vorrang vor dem Kfz-Verkehr erhalten, etwa bei Ampelschaltungen an Kreuzungen. Zugleich sollen diese Wege in den kommenden Jahren priorisiert umgebaut werden, indem breite Radwege gebaut werden und die Bezirke Fahrradstraßen einrichten. Ziel des Netzes ist, dass mindestens 80 Prozent der Haushalte und Arbeitsplätze Berlins in nicht mehr als 400 Metern einen ausgebauten Radweg erreichen.

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63 Kilometer Radwege könnten in Grünflächen liegen

Folgen könnten die bisherigen Ideen allerdings auch für Berlins Parks und Grünflächen haben. Auf insgesamt 63 Kilometern überschneiden sich die Routen des Vorrangsnetzes laut Entwurf mit ausgewiesenen Grünanlagen. Einen Großteil davon machen die Führung des geplanten Radschnellwegs entlang der Teltowkanalpromenade sowie die Strecke der „Y-Trasse“ genannten Radschnellverbindung über den Görlitzer Bahndamm in Treptow aus.

Teile des Vorrangnetzes verlaufen dem Entwurf zufolge allerdings unter anderem auch durch Gleisdreieckpark, Mauerpark, Hasenheide, Nordhafenpark, Jungfernheide und Fritz-Schloss-Park. Entsprechend der Vorgaben, die der Entwurf für die Vorrangstrecken nennt, müsste auf diesen Abschnitten je ein 2,50 Meter breiter Radweg neu entstehen, oder gekennzeichnet werden. Die Strecken sollten zudem „durchgängig mit einer Fahrtgeschwindigkeit bis zu 25 km/h sicher befahrbar sein“.

Wilmersdorfer Straße und Alexanderplatz könnten Radweg bekommen

Neben Parks sieht die bisherige Entwurfsfassung zudem Radwege auch in Fußgängerzonen vor. Zum Vorrangnetz gehören demnach unter anderem Routen durch die Wilmersdorfer Straße und über den Alexanderplatz.

Die Senatsverkehrsverwaltung wollte sich auf Anfrage mit Verweis auf die aktuell noch laufenden Abstimmungen mit Verbänden nicht zu Details der Pläne äußern. „Überschneidungen mit Grünanlagen und anderen, für den Fußverkehr bevorrechtigten Strecken wurden bei der Erstellung des Radverkehrsnetzes möglichst vermieden, jedoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen“, teilte Sprecher Jan Thomsen mit. Der Anteil des Netzes der Grünanlagen berührt, sei daher „nur sehr gering“. Tatsächlich liegen laut Entwurf nur 6,8 Prozent der Strecken in Parks. Im weiteren Planungsprozess sei abzuwägen, ob eine Alternativroute gefunden werden müsse.

Radverkehrsplan und Netz verzögern sich deutlich

Bereits am Donnerstag wird sich nach Informationen der Berliner Morgenpost erneut eine Arbeitsgruppe von Senatsverwaltung und Verkehrsverbänden treffen, um den Radverkehrsplan und das dazugehörige Netz zu besprechen. Ein Entwurf des Radverkehrsplans samt Wegenetz soll „Ende des Jahres“ vorliegen, wie Jan Thomsen sagte. Anschließend Ein Senatsbeschluss sein im ersten Quartal 2021 geplant. Ursprünglich sollte das Radverkehrsnetz laut Mobilitätsgesetz bereits bis Juli 2019 fertig sein. Im Sommer 2020 hätte der Radverkehrsplan folgen sollen.

Fußgängerverband und Opposition kritisieren Radwegpläne

Kritisch sieht die nun bekannt gewordenen Ideen Roland Stimpel, Vorsitzender des Fußgängerverbands FUSS e.V. „Der Umweltverbund sollte ein Verbund bleiben und nicht miteinander um Raum konkurrieren.“ Es bringe nichts, Flächen des Fußverkehrs dem Radverkehr zuzuschlagen. „Wir erwarten von den Radplanern Respekt dafür, dass Menschen zu Fuß ihren eigenen Raum brauchen.“

Als „Kampfansage an Fußgänger, Erholungssuchende und Geschäftsleute“ bezeichnete der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici (CDU) die Idee, Radwege durch Fußgängerzonen und Grünanlagen zu führen. „Ein Radwegenetz darf aber nicht mit der Rücksichtslosigkeit auf andere Interessen umgesetzt werden, mit der vor Jahrzehnten die autogerechte Stadt durchgedrückt wurde“, sagte Henner Schmidt (FDP). In reinen Fußgängerzonen hätten „Radpisten nichts zu suchen“.

Mit Bezug auf die Radschnellwege forderte Kristian Ronneburg, verkehrspolitischer Sprecher der Linken, vertieft zu prüfen, ob diese wirklich durch Grünanlagen geführt werden müssten, „oder ob es sich nicht anbietet entsprechende Wege am Rande von Grünanlagen zu führen, damit es nicht zu Eingriffen im Park selbst kommt und vermieden wird, dass zusätzliche Wege durch die Anlagen gezogen werden müssen“.

Weniger Problematisch sieht die bisherigen Entwürfe fürs Parkradeln Tilmann Heuser, Landesgeschäftsführer des BUND Berlin. Primär gehe es um Fußwege, die heute schon auch für den Radverkehr frei gegeben seien. „Es geht um Routen, wo wir heute schon Konflikte haben.“ Diese Probleme ließen sich durch separate Wegführungen verringern. Für die Strecken der Radschnellverbindungen ständen zudem Planfeststellungsverfahren an. Dort würden auch die betroffenen Fußgänger beteiligt.