Pandemie

Corona: Charité warnt vor immer mehr Intensivpatienten

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Jens Anker und Joachim Fahrun
Das Bettenhochhaus der Berliner Charité hinter dem Charité-Logo an der Zentralen Notaufnahme.

Das Bettenhochhaus der Berliner Charité hinter dem Charité-Logo an der Zentralen Notaufnahme.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Ein Ende der Pandemie ist laut Charite-Vorstandsmitglied Ulrich Frei nicht absehbar. 276.000 Schnelltests wurden bislang ausgeliefert.

Berlin. Bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff gibt es offenbar einen ersten großen Erfolg. Das Mainzer Unternehmen Biontech kündigte am Montag an, in der kommenden Woche die Zulassung seines Wirkstoffes zu beantragen. Laut Biontech bietet er nach bisherigen Erkenntnissen einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19. Noch in diesem Jahr sollen weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoffdosen bereitstehen, im kommenden Jahr kalkuliert das Unternehmen mit bis zu 1,3 Milliarden Dosen. Die entscheidenden Tests zur Wirksamkeit des Impfstoffs haben im Juli begonnen und stehen nun vor dem Abschluss.

Der Deutsche Ethikrat hat am Montag zusammen mit der nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina und der ständigen Impfkommission seine Empfehlung für eine Impfstrategie abgegeben. Wie erwartet, sollen in Deutschland Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen sowie Mitarbeiter in Krankenhäusern und Pflegeheimen bevorzugt geimpft werden. Das gilt auch für Menschen in Schlüsselstellungen in der Gesellschaft und für die öffentliche Ordnung, also zum Beispiel Polizisten und Feuerwehrleute.

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276.000 Schnelltests an Berliner Pflegeheime und Krankenhäuser ausgeliefert

Bis der Impfstoff verfügbar ist, setzt die Berliner Gesundheitsverwaltung auf den Ausbau der Tests. Seit Anfang des Monats seien bereits 276.000 Schnelltests an Pflegeheime und Krankenhäuser ausgeliefert worden, sagte Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz am Montag. Insgesamt stehen 610.000 dieser Tests zur Verfügung, bis Ende des Jahres sollen es sechs Millionen sein. Auch für das erste Quartal 2021 sind bereits 6,5 Millionen Schnelltests bestellt. Sie bieten zwar nicht die gleichen verlässlichen Ergebnisse wie sogenannte PCR-Tests, geben aber schon nach wenigen Minuten Auskunft über eine mögliche Erkrankung.

Trotz weiter steigender Corona-Zahlen ist die Situation in den Berliner Krankenhäusern noch „handelbar“, sagte Matz. Derzeit befinden sich nach Angaben der Gesundheitsverwaltung 249 Corona-Patienten auf Intensivstationen, weitere 686 werden stationär in Krankenhäusern behandelt.

Matz verteidigte die aktuellen Corona-Einschränkungen – auch für die Gastronomie und Hotellerie. Derzeit seien bis zu 90 Prozent der Infektionen in Berlin nicht nachverfolgbar, deswegen müssten weite Bereiche des öffentlichen Lebens eingeschränkt werden.

Charite warnt vor mehr immer mehr Intensivpatienten

Die Universitätsklinik Charité warnt vor immer mehr Intensivpatienten, möchte jedoch in der Pandemie zu starke Beeinträchtigungen des sonstigen Betriebs vermeiden. Deshalb werden 200 Intensivbetten für Nicht-Covid-Patienten frei gehalten, kündigte die Charité-Spitze bei einem Besuch von Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (beide SPD) am Montag an. Derzeit verfügt die Charité nach Angaben des ärztlichen Direktors Ulrich Frei über 437 Intensivbetten. 86 davon sind derzeit mit Corona-Fällen belegt.

Ehe man entscheiden müsse, welchen Patienten man noch helfen könne und welchen nicht, werde man die Kapazitäten noch einmal aufstocken, sagte Frei der Berliner Morgenpost. In der sogenannten Campus-Klinik ließe sich eine komplette Etage mit 63 weiteren Intensivbetten einrichten.

Ein großes Problem seien die Infektionen beim Krankenhauspersonal und die Ausfälle wegen der Quarantäne. Jede Woche stecken sich laut Frei zehn bis 15 Beschäftigte an, je ein Viertel Pflegekräfte, Ärzte, sonstige Mitarbeiter und Studierende. Noch gelinge es, die Intensivstationen zu besetzen, das gehe aber auf Kosten der anderen Stationen.

„Die Krankheit ist tödlich gefährlich“, sagte Frei, es stürben auch Menschen unter 50 Jahre. „Deswegen sollte man allen klar machen, dass die Regeln einzuhalten sind.“ Charité-Vorstandschef Heyo Kroemer sagte, es sei „offen, wer das Rennen gewinnt: die sich weiter ausbreitende Pandemie oder die Maßnahmen zur Eindämmung“. Laut Berliner Universitätsklinikum kommen etwa zwei Prozent der mit Corona Infizierten auf Intensivstationen.