Airport in Berlin

„Tegel darf nicht auf dem Müll landen“

Noch vier Tage bis zur Schließung des Flughafens Tegel: Bei Designliebhabern ist die Original-Ausstattung sehr begehrt.

„Cramer Design Loft“ bietet Original-Inventar aus dem Flughafen Tegel an. Es ist eine Art Sitzgruppe aus dem Jahr 1974. Am wabenförmigen Tisch zwischen zwei anmontierten Stühlen sitzt Geschäftsführer Nils Cramer.

„Cramer Design Loft“ bietet Original-Inventar aus dem Flughafen Tegel an. Es ist eine Art Sitzgruppe aus dem Jahr 1974. Am wabenförmigen Tisch zwischen zwei anmontierten Stühlen sitzt Geschäftsführer Nils Cramer.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin.  Bei „Cramer Design Loft“ an der Meinekestraße 11 in Charlottenburg steht seit einigen Tagen ein echter Hingucker im Schaufenster – eine original Sitzgruppe aus dem Terminal des Flughafens Tegel. Bei dem Designstück aus dem Jahr 1974 handelt es sich um zwei an ein sechseckiges Tischchen montierte Sessel in zeitgemäß knalligem Gelb-Orange. Es hat einen stolzen Preis: 3800 Euro will Geschäftsinhaber Nils Cramer dafür haben. „Ich würde aber auch für weniger verkaufen“, fügt er nach kurzem Nachdenken hinzu.

„Tegel darf nicht auf dem Müll landen“

Die Sitzgruppe im trendigen Retro-Stil hat sich Nils Cramer allerdings schon vor einigen Jahren gesichert, als ein Händler diverse Gegenstände, die bei einer der früheren Sanierungswellen aussortiert worden waren, angeboten hatte. Doch was passiert mit den gebrauchten Möbeln, der Innenausstattung und den vielen ikonischen Schildern und Wegweisern, die noch immer im Terminal sind? „Der Flughafen Tegel darf nicht auf dem Müll landen“, fordert der Spandauer SPD-Abgeordnete und Umweltexperte Daniel Buchholz. Und hat bei Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) nachgefragt, was eigentlich mit diesen Gegenständen geschieht, sofern sie nicht wegen Denkmalschutzauflagen ohnehin an ihrem Platz bleiben müssen.

Einige Teile werden am BER eingelagert

Laut Auskunft von Finanzstaatssekretärin Vera Junker sollen „gebrauchte und noch nutzbare Gegenstände und Anlagen an den Flughafen Berlin Brandenburg (BER)“ verlagert und dort aktiv weiter genutzt beziehungsweise für eine spätere Nutzung eingelagert werden. Eine detaillierte Auflistung der Gegenstände sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht möglich. Weitere verwertbare Gegenstände und Anlagen sollen über einen vertraglich gebundenen Auktionator vermarktet werden.

SPD-Politiker: Berliner sollen mitbieten können

Mit dieser Antwort ist Buchholz jedoch nicht zufrieden. „Was mit den brauchbaren Teilen der Ausstattung geschieht, bleibt völlig unklar“, kritisiert der SPD-Abgeordnete. Denn nur ein Teil der Einrichtung wird am BER weiterverwendet oder soll im denkmalgeschützten TXL-Gebäude bei der Nachnutzung sichtbar bleiben.

„Ich setze mich dafür ein, alle weiteren Einrichtungsgegenstände in einer öffentlichen Publikums-Auktion zu versteigern“, so Buchholz. „Dann können alle Flughafen-Fans und Tegel-Liebhaber auch für einzelne Gegenstände mitbieten“, fordert er. Die Flughafengesellschaft sollte dazu schnellstmöglich ein corona-konformes Konzept entwickeln. „Das wäre ein angemessener Abschied und ein kleines Geschenk für alle, die mit Tegel mehr als nur einen Flughafen verbinden.“

Das Interesse an Tegel-Devotionalien jedenfalls ist groß: „Viele sprechen uns auf die Sitzgruppe an, schildern uns ihre Erinnerungen an Tegel und bekunden auch echtes Kaufinteresse“, bestätigt Einrichter Nils Cramer. Noch aber sei sein Ausstellungsstück zu haben.

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